Friedensnobelpreis  Kleinkredite-Oicokredit  Afrika  Zum Nachdenken  Globalisierung ??  Aktion pro 0,7  Sextourismus  Weltwirtschaft  Ernährung sichern  Biopiraterie  Gerechtigkeit  Wasser  Kinderhandel  Erlassjahr  Fußball WM 2011  Fußball WM 2010  Saatgut  Global Marshall Plan  Fairer Handel = gutes Klima  Gefängniskinder  Oikocredit  Biosprit ??  Fußball WM 2014  Billig&schick
Politik: Fairer Handel ist Respekt vor Mensch und Umwelt

 

Hätten Sie das gewusst?    (aus SüdZeit Nr. 53 Juni 2012)

Die Lohnkosten für ein Paar Turnschuhe, die für 100 Euro verkauft werden, betragen 70 Cent. Bei einem Lohn von 1 Euro könnten die Arbeiterinnen ein existenzsicherndes Einkommen erzielen. In der Textilproduktion machen die Lohnkosten meist nur ein Prozent aus.

Ein großes Problem von gentechnisch veränderter Baumwolle ist, dass sie dreimal so viel Wasser braucht wie herkömmliche Pflanzen.

In neuseeländischen Großschafherden wäre das Scheren von Hand aufwendig, daher werden Chemikalien eingesetzt: die Schafe werden chemisch geschoren. Die Tiere werden in Plastiknetze gehüllt und bekommen eine Chemikalie zum Fellverlust gespritzt.

Häufig wird den Arbeiterinnen mit Arbeitsplatzverlust und Misshandlung gedroht, sollten sie Informationen über die Arbeitsbedingungen in den Fabriken preisgeben.(www.ci-romero.de)
Konventionelle Baumwolle wird als „schmutzigste Pflanze der Welt" bezeichnet. Baumwolle nimmt nur etwa 4% der weltweiten Ackerfläche in Anspruch, verbraucht aber über 10% der Pestizide und 25% der Insektizide, die weltweit zum Einsatz kommen. Hier handelt es sich um hochpotente Gifte, die jährlich zu ca. 20.000 Todesfällen, tausenden Vergiftungskrankheiten bei Erntearbeiterinnen und zu schweren gesundheitlichen Schäden bei den Bauernfamilien und Anwohnern führen.

Bei Baumwoll-T-Shirts wird das doppelte bis vierfache des T-Shirt- Gewichts an Chemikalien eingesetzt, darunter Pestizide, Tenside, Komplexbildner, Formaldehyd, Farbstoffe und Pigmente (WWF).
 Es werden nur noch weiße Alpakas gezüchtet, da sich weiße Wolle besser färben lässt. Graue, schwarze, braune, rotbraune Alpakas sterben langsam aus.

Soviel Arbeitsstunden muss ein deutscher Arbeitnehmer im Schnitt arbeiten für einen Herrenanzug: 1960 = 68 h / 2009 17 h (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Statistisches Bundesamt)  In den Fabriken hängen überall Kameras zur Überwachung Eine Arbeiterin meint „Ich fühle mich wie ein Tier im Käfig". (www.fair4you-online.de)

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Weg von Viel&Billig-Schick    Aus „presente extra 2014“/ S. 18  - Christl. Initiative Romero    www.ci-romero.de

Die Journalistin und Greenpeace-Aktivistin Kirsten Brodde ist ganz vorne dabei in der Grünen Mode-Szene. Seit Jahren beobachtet sie die Entwicklungen in der Textilindustrie und zeigt uns, dass alternative Konsummuster mittlerweile salonfähig sind. Ihre Botschaft: Es geht nicht nur darum, was wir kaufen, sondern auch wie viel. TEXT: KIRSTEN BRODDE

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 Um Katastrophen wie den Fabrikeinsturz in Bangladesch zu verhindern, muss sich nicht nur der individuelle Konsum verändern.

Wir sind wohl alle d'accord, es geht um andere Rezepte und Regeln für die Goliaths der Industrie, die weltweit produ­zieren. Aber bei allem Respekt für Brand­schutzabkommen - hinter der sozialen Katastrophe in Bangladesch steckt doch ein anderes Thema: der Viel&Billig-Schick.

Die perverse Idee von Klamotten als Wegwerfware. All diese Textilriesen - ob sie ein Brandschutzabkommen unterschrieben ha­ben oder nicht - animieren uns, Kleidung als Wegwerfware zu sehen. Wofür stehen H&M, Kik und Zara und Primark und Gap? Sie stehen für etwas, was billig ist und morgen nichts mehr gilt.

 Mode als Wegwerfware?!

Für mich hat das nichts mit Mode zu tun. Wofür stand denn Mode und was wurde lange Jahre damit assoziiert? Eleganz, Stil und sicher auch Qualität. Die Textilketten haben diesen Gedanken völlig auf den Kopf gestellt. Mode soll Ausdruck von Persönlichkeit sein. Aber was bleibt vom Ausdruck, wenn alle denselben billigen Fummel tragen? Was sagt es auch über unsere Persönlichkeit, wenn man es nötig hat, sich alle drei Wochen ein neues Fähnchen umzuhängen? Ja, ich will mich ausprobieren und ausdrücken, aber über ständig wechselnde Äußerlichkeiten?

Dass die Modeindustrie komplett überdreht, gewaltige Überkapazitäten produziert und wir zu viel verbrauchen - das ist das große Tabu und eine der großen Konfliktlinien unserer Zeit.

Die Unmengen billiger Kleidung, die für proppenvolle Kleiderschränke produziert werden, haben den Abwärts-Wettlauf ausgelöst, bei dem Textilfirmen Lieferanten in Bangla­desch, Kambodscha oder sonst wo unter Druck setzen, immer schneller und günstiger zu liefern. Es ist das destruktive Geschäftsmodell dieser Ketten, das soziale Fortschritte auffrisst und dafür sorgt, dass die Bezahlung der Arbeiterinnen ein Witz ist.

Solide ist das neue Cool

Deshalb müssen wir eigentlich tagtäglich laut darüber reden, dass man ohne Verlust an Lebensqualität von diesem Viel&Billig­Schick weg kommen kann und nicht noch mehr in die ohnehin übervollen Kleiderschränke stopfen sollte. Meine Message ist: Solide ist das neue Cool. Hin zur Wertigkeit, dann gibt es auch Spiel für ökologische und ethische Qualität.

Ja, werdet ihr rufen. Wissen wir schon. Kommen doch schon Bücher zum Thema raus. Stimmt - und wisst ihr was? Die verkaufen sich inzwischen sogar, die Bücher von Harald Welzer und Niko Paech. Es bewegt sich was in diese Richtung. Als ultimativer Beweis sei hier die BILD-Zeitung angeführt. Selbst die BILD changiert inzwischen zwischen Entsetzen und Bewunderung, wenn sie über den Konsum­kritiker Niko Paech schreibt. Ich bin also nicht hoffnungslos naiv, sondern überzeugt, dass das WENIGER und eben auch das weniger Klamottenkaufen absolut salonfähig und cool ist. Es geht eben nicht nur darum, was wir konsumieren, sondern auch wie viel. Verbrauch ist das Tabuthema, vor dem sich alle drücken. n

Dr. Kirsten Brodde lebt und arbeitet in Hamburg. Sie ist Autorin des Sachbuches "Saubere Sachen", er­schienen im Ludwigverlag, und ist bei Greenpeace für die Detox-Kampagne verantwortlich. Weitere Infos über das Thema Grüne Mode und die Autorin finden Sie auf ihrem Blog unter www.kirstenbrodde.de

Aktiv werden

Das können Sie tun, um sich gegen die ausbeuterischen Bedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie einzusetzen:

Bewusst einkaufen
Kaufen Sie bei Unternehmen, die sich zur Bezahlung eines Existenzlohnes ver­pflichten und ein ernsthaftes Engage­ment für bessere Arbeitsbedingungen dokumentieren.

Überdenken Sie die verbreitete Weg­werfmentalität, geben Sie Qualität Vor­rang vor Quantität.

Verzichten Sie auf billige Schnäppchen.

Bevorzugen Sie bei Baumwollprodukten Textilien aus biologisch angebauter und/ oder fair gehandelter Baumwolle.

Sorgfältig tragen
Tragen Sie Ihre Kleider lange — Textilien sind keine Wegwerfwaren.

Waschen Sie Ihre Kleider schonend und bei niedriger Temperatur.

Sich engagieren
Teilen Sie Ihr Wissen und sensibilisieren Sie Ihr Umfeld.

Beteiligen Sie sich an Eilaktionen und Kampagnen.

Setzen Sie sich dafür ein, dass in Ihrer eigenen Gemeinde sozial- und umwelt­verträglich beschafft wird.

Organisieren Sie eine Kleidertauschbörse und erneuern Sie damit Ihre Garderobe auf unkonventionelle Weise.

 Zu guter Letzt

Nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor - es ist heute praktisch unmöglich, den perfekten sozial-verträglichen Kleiderschrank zu haben.

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Und führe uns nicht in Versuchung      Aus: Kreuzwacht 4/11 - CPD/VCP
Aus Korn wird Sprit - eine ökologische Alternative?                     

Biosprit E10Technisch alles ganz einfach
Korn wird geschrotet und mit Wasser zu­sammen gekocht. In das Gebräu kommt Hefe, die einen Gärungsprozess auslöst und Zucker in Alkohol umwandelt. Nun wird das Wasser verdampft und übrig bleibt Ethanol - Alkohol. Im Prinzip funktioniert das wie beim Schnapsbrennen. Für einen Liter bis zu 99 % reines Ethanol benötigt man 3 Kilo Getreide. Dieser (hochprozentige, nicht trinkbare) Schnaps wird dann unter das herkömmliche - aus Erdöl hergestellte - Benzin gemischt, und fertig ist E10, das als die „ökologische Alterna­tive" angepriesen wird. Einmal abgesehen von der Frage „was tut man, was tut man nicht?" angesichts Millionen hungernder Menschen auf unserer Erde, möchte ich doch einmal nachfragen, was die­se „ökologische Alternative" für uns alle kon­kret bedeutet?

Der Getreidepreis steigt
Eine Tonne Weizen kostete 2010 etwa 125 Euro. Biospritverbrauch und Spekulationen trieben die Kosten innerhalb eines Jahres auf 240 Euro pro Tonne. Insgesamt wurden 142 Millionen Tonnen Getreide weltweit für Bio­sprit verbraucht. Damit hätte man 420 Millionen Menschen ein Jahr lang ernähren können (Greenpeace). Eine 50 Liter Tankfüllung mit E10 enthält 15 kg Getreide und entspricht damit 18 kg Brot. „Gott sei Dank!" haben die meisten Autofah­rer Angst um ihre Motoren und verhindern damit indirekt einen weiteren Anstieg der Kos­ten für Brotgetreide.

Das Brot wird teurer
Angesichts der hier geschilderten Verhältnisse, nimmt es nicht Wunder, dass der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerkes darauf hinweist, dass durch die Verknappung des Brotgetreides mit einer Verteuerung der Backwaren um 3 - 5 % zu rechnen ist.

Das Fleisch wird teurer
Den größten Posten bei der Mast macht mit 3 Kilo Getreide für ein Kilo Fleisch das Futtergetreide aus. Von daher rechnet die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie bei allen Produkten aus Schweine- und Rind­fleisch mit Teuerungen zwischen 15 - 20 und bei Milchprodukten zwischen 10 - 15 %.

Das Bier wird teurer
Da der Bierkonsum in Deutschland stetig zurück geht, wird es der Brauindustrie wohl schwer fallen, die in 2010 um über 50 % gestiegenen Kosten für Braumalz weiter zu geben. Trotzdem hält der Deutsche Brauer-Bund eine Preissteigerung um bis zu 3 % für den Liter Bier für möglich.

Geflügel und Eier werden teurer
Getreidemischungen sind das Hauptfutter für die in Käfigen / Legebatterien gehaltenen Hühner, Enten und Gänse. Durch die Ver­knappung und der damit verbundenen Verteuerung von Futtergetreide rechnet „Wiesen­hof", größter Geflügelfleischproduzent Deutschlands, mit Preissteigerungen von bis zu 15 %.

Und die Landwirtschaft?
Unsere Bauern haben es nicht leicht. Monokulturen wie Mais, Raps und Futtergetreide usw. werden einerseits verteufelt, sind andererseits jedoch erforderlich, damit die bäuerlichen Familienbetriebe überleben können. Ob sie mit all den Monokulturen ihr Realeinkommen jedoch steigern können, mag dahin gestellt bleiben. Denn, die Gewinne werden von weltweit operierenden Multis und Monopolyspielern - deren Denken & Tun ausschließlich Geldmachen ist - eingestrichen. Um nicht in Versuchung zu fallen, bleibt Christen nur die Verweigerung und die Forderung an die Politiker, etwas gegen die Sünde der Brot-zu-Sprit-Verbrennung und das Spekulantentum zu tun.
www.kreuzwacht.de – Zeitschrift der Kreuzpfadfinder

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Frauenfußball-WM 2011 
 Zum Leben zu wenig
  aus CIR Anpfiff- Sportsommer 2011 - Fairp(l)ay 201
 
Sportmarkenfirmen fahren exorbitante Gewinne ein - ihre Näherinnen müssen sich mit 
 Hungerlöhnen begnügen

Vom 26. Juni bis zum 17. Juli 2011 wird in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen ausgetragen. 16 Nationalmannschaften treten gegeneinander an. Das sportliche Großereignis verspricht einen spannenden Wettbewerb um Tore, Punkte und Siege. Die WM hat aber noch einen an deren Aspekt, der allzu schnell unter den Tisch fällt: die Schattenseiten der Sportbekleidungsindustrie.

NäherInnen in Weltmarktfabriken, die für bekannte Sportmarken produzieren, berichten immer wieder über extremen Druck, das überhöhte Tagessoll zu erreichen. Der karge Lohn reicht nicht für ein Leben in Würde. Erzwungene Überstunden sind in vielen Zulieferfabriken an der Tagesordnung. Auch das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung wird häufig ausgehebelt.

In Guatemala etwa verdient eine Fabriknäherin den gesetzlichen Mindestlohn von umgerechnet 164 Euro. Dieser Lohn ist allerdings so gering, dass die Frauen sich selbst und ihre Familie damit nicht versorgen können. Er reicht nicht einmal für die Lebensmittel des Grundwarenkorbes. Rechnet man noch die Ausgaben für Miete, Strom, Wasser und Bildung hinzu, so bräuchte eine Arbeiterin deutlich mehr als das Doppelte, um die Grundbedürfnisse abdecken zu können. Berechnungen des guatemaltekischen Staates zufolge wären für eine Familie 355 Euro zu veranschlagen.

Frauen werden in der internationalen Bekleidungsindustrie noch immer häufig schlechter bezahlt als Männer, selbst wenn sie die gleiche Arbeit leisten. Generell sind Frauen in den Produktionsländern eher in prekären Beschäftigungsverhältnissen verpflichtet. Sie arbeiten im informellen Sektor, halten sich mit Gelegenheitsjobs und saisonaler Beschäftigung über Was­ser Lange Arbeitszeiten in Fabriken lassen keine Zeit für gewerkschaftliches Engagement, auch nicht für die Familie. Schikanen und Diskriminierung am Arbeitsplatz erweisen sich immer noch als wirksame Mittel, um die Arbeiterinnen einzuschüchtern.

Ihre Rechte einzufordern, würde für die Arbeiterinnen auf eine Entlassung hinauslaufen. Ihre Arbeit zu verlieren - selbst wenn sie noch so miserabel bezahlt wird - kann sich aber keine Frau leisten. „Sie haben mir und meinen Kolleginnen gekündigt, weil wir versucht hatten, uns gewerkschaftlich zu organisieren", beschreibt Jeaneth Pineda, Näherin aus El Salvador, das Dilemma jener Arbeiterinnen, die für ihre Rechte eintreten. „Wir haben fast ein Jahr dafür gebraucht, uns unseren Arbeitsplatz zurück zu erkämpfen. In dieser Zeit wusste ich nicht, wie ich meinen Kindern zu essen geben sollte." Jeaneth Pineda arbeitet seit vielen Jahren in einem Zulieferbetrieb für Sportbekleidung.
Fairplay ist angesagt, nicht nur auf dem Spielfeld! Die Herstellerinnen von Sportartikeln, die exorbitante Gewinne einfahren, müssen den Arbeiterinnen in ihren Zulieferbetrieben endlich einen existenzsichernden Lohn zahlen - und für würdige Arbeitsbedingungen sorgen!

  

Schuften für adidas und Puma: Arbeiterinnen berichten
„Wir werden wie Tiere behandelt"

Partnerinnenorganisationen der Christlichen Initiative Romero in El Salvador haben jüngst einen Bericht über die Arbeitsbedingungen in einer Bekleidungsfabrik veröffentlicht, die unter anderem für Puma und adidas/Reebok produziert. Die Ergebnisse sind skandalös.
Die 1500 ArbeiterInnen bei Ocean Sky, hauptsächlich Frauen, schuften abgesperrt in einer Freihandelszone, die von Stacheldraht umzäunt ist und von bewaffneten Wachen patrouilliert wird. Sie erhalten nur acht Cent Lohn für jedes 25-Dollar-Sport-Trikot, das sie nähen. Das bedeutet, dass ihr Gehalt lediglich 0,33 Prozent des Verkaufspreises beträgt. Das Monatsgehalt von 170 US-Dollar reicht nicht aus, das Überleben der Familie zu sichern. Nach Angaben der Regierung El Salvadors bräuchte man dafür rund 700 Dollar. Das Trinkwasser ist mit Kolibakterien verseucht, Sicherheitskameras überwachen jede Bewegung der Arbeiterinnen innerhalb der Fabrik. Die Temperaturen in der nicht belüfteten Halle erreichen nachmittags bis zu 37 Grad. Gewerkschaftliche Organisierung wird im Keim erstickt.
„Es war eine schreckliche Erfahrung, bei Ocean Sky zu arbeiten", berichtet eine ehemalige Arbeiterin. „Der Druck war einfach zu hoch, und wir wurden sehr viel angeschrien. Wenn wir das Produktionssoll nicht rechtzeitig erreichten, wurden wir wie Kinder bestraft. Sie haben uns Zeit von der Mittagspause abgezogen. Wenn wir das Soll auch dann nicht erreichten, mussten wir bis halb sieben weiter arbeiten, ohne dass sie uns die Überstunden bezahlten. In der Fabrik lachten wir über den Verkaufspreis der T-Shirts: Alleine der Preis eines einzigen T-Shirts machte für uns alle 14 Tage Lohn aus. Auch andere Ocean-Sky-Arbeiterinnen berichten über unwürdige Produktionsbedingungen. Bitteres Fazit einer der Näherinnen: "Wir werden hier wie Tiere behandelt. Ich halte hier in der Fabrik nur wegen meiner Kinder durch."

Markenfirmen müssen sich ihrer Verantwortung stellen
Für Arbeit in Würde

Die Christliche Initiative Romero und der Katholische Deutsche Frauenbund treten mit der Kampagne für Saubere Kleidung für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsindustrie ein.
Vier Hauptforderungen richten wir hierbei an die Sportartikelindustrie:

l Die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen müssen in den Fabriken gewährleistet werden! Nur so können die 
      Arbeiterinnen selbst für ihre Rechte eintreten.

l   Die Markenunternehmen müssen in den Produktionsländern für sichere Beschäftigungsverhältnisse sorgen, etwa durch stetige 
      Lieferbeziehungen mit den Fabriken!

l   Werksschließungen wegen Steuervorteilen und aus anderen nicht zwingend notwendigen Gründen müssen vermieden werden!

l   Es müssen existenzsichernde Löhne gewährleistet sein!

Für Letzteres macht sich besonders die Asiatische Grundlohnkampagne (Asia Floor Wage Campaign/ AFW) stark. Sie ermittelt nach speziellen Wechselkursen zur Kaufkraftumrechnung der Löhne einen übertragbaren Orientierungswert für einen existenzsichernden Lohn in den Ländern der Region. Auf diese Weise soll Dumpinglöhnen entgegengewirkt werden. Die Kampagne für Saubere Kleidung, aber auch Menschen- und Arbeitsrechtsorganisationen sowie Gewerkschaften unterstützen diese Initiative.

Hier gibt es weitere Infos zum Thema:

www.saubere-kleidung.de        www.ci-romero.de       www.frauenbund.de       www.asiafloorwage.org

 

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Fußball-WM 2014 (Männer) - Gedanken zu Brasilien

„Wir sind ein paradoxes Land"  - Eine aufsehenerregende Rede      SüdZeit Nr. 60 – März 2014   

In seiner Festrede zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse unterzieht der Schriftsteller Luiz Ruffato seine Heimat Brasilien einer schonungslosen Analyse. Luiz Ruffato, 1961 in Brasilien geboren, wurde bekannt durch seinen Roman »Es waren viele Pferde«. Er gilt als einer der wichtigsten brasilianischen Schriftsteller. Auf der Frankfurter Buchmesse hielt er im Herbst 2013 diese couragierte Eröffnungsrede, in der er Brasilien als ein paradoxes Land beschreibt und wegen der er nach eigenen Aussagen nächtelang nicht geschlafen hat. Und für die er schließlich Standing Ovations erhielt

„Was bedeutet es, Schriftsteller zu sein in einem Land in der Peripherie der Welt, einem Ort, wo der Begriff Raubtierkapitalismus ganz bestimmt keine Metapher ist? Für mich ist Schreiben Verpflichtung. Man kann sich nicht der Tatsache entziehen, dass man am Beginn des 21. Jahr­hunderts lebt, auf Portugiesisch schreibt und auf einem Territorium lebt, das Brasilien genannt wird.

Wir sind unter der Ägide des Genozids geboren. Von den vier Millionen Indianern, die es im Jahr 1500 gab, sind heute noch ungefähr 900.000 übrig, von denen ein Teil unter erbärmlichen Bedingungen in Lagern am Rande der Landstraßen oder in den Favelas der großen Städte lebt. Als ein Merkmal brasilianischer Toleranz wird stets die sogenannte Rassendemokratie angeführt, der Mythos, es habe keine Vernichtung gegeben, sondern Assimilierung der Ureinwohner. Doch dieser Euphemismus dient lediglich dazu, eine unleugbare Tatsache zu vertuschen: Wenn wir heute ein Land von Mestizen sind, so ist dies Resultat einer Kreuzung zwischen europäischen Männern mit indianischen oder afrikanischen Frauen, genauer gesagt: Die Assimilierung geschah über die Vergewaltigung von Ureinwohnerinnen und Afrikanerinnen durch weiße Kolonisatoren.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden fünf Millionen schwarze Afrikaner gefangen und gewaltsam nach Brasilien gebracht. Als im Jahr 1888 die Sklaverei abgeschafft wurde, wurde nichts unternommen, um den früheren Sklaven ein würdiges Leben zu ermöglichen. Daher befindet sich auch heute, 125 Jahre danach, die große Mehrheit der afrikanischstämmigen Brasilianer am unteren Ende der Gesellschaftspyramide. Eher selten findet man sie unter den Ärzten, Zahnärzten, Rechtsanwälten, Ingenieuren, leitenden Angestellten, Journalisten, bildenden Künstlern, Filmemachern, Schriftstellern.

Unsichtbar, schlecht bezahlt und der einfachsten staatsbürgerlichen Rechte beraubt - Wohnung, Mobilität, Erholung, Bildung und Gesundheitsversorgung - wurde die Mehrheit der Brasilianer im Getriebe der Ökonomie als entbehrlich betrachtet: 75 Prozent des Reichtums befinden sich in den Händen von 10 Prozent der weißen Bevölkerung, und nur 46.000 Personen besitzen die Hälfte der Fläche des Landes.

Die Rate der Gewaltverbrechen in Brasilien kommt auf 20 Morde pro 100.000 Einwohner, das sind 37.000 tote Menschen, pro Jahr, dreimal mehr als im weltweiten Durchschnitt. Und der Gewalt am meisten ausgesetzt sind nicht die Reichen, die sich hinter hohen Mauern von Gated Communities verschanzen, geschützt durch Elektrozäune, private Sicherheitsdienste und elektronische Überwachung, sondern die Armen in den Favelas und Vorstädten, unter der Willkür von Drogenhändlern und korrupten Polizisten.

 Als Machos nehmen wir den beschämenden siebten Platz unter den Ländern mit der höchsten Rate an häuslicher Gewalt ein, mit einer Bilanz von 45.000 ermordeten Frauen in den letzten zehn Jahren. Feige bilanzieren wir allein 2012 mehr als 120.000 Anzeigen von Misshand­lungen an Kindern und Jugendlichen. Und es ist bekannt, dass sowohl in Bezug auf die Frauen als auch auf Kinder und Jugendliche diese Zahlen regelmäßig zu niedrig gegriffen sind. Die Fälle von Intoleranz gegenüber sexueller Orientierung zeigen exemplarisch unsere Bigotterie. Der Ort, an dem die wichtigste homosexuelle Parade der Welt stattfindet, mit mehr als drei Millionen Teilnehmern, die Avenida Paulista in Sao Paulo, ist exakt der Ort mit den meisten Übergriffen auf Homosexuelle in der ganzen Stadt.

Und damit kommen wir zu einem neuralgischen Punkt: Es ist kein Zufall, dass die Insassen der Gefängnisse Brasiliens, an die 550.000 Personen, überwiegend junge Leute zwischen 18 und 34 Jahren sind, arm, schwarz und schlecht ausgebildet. Das Bildungssystem war im Verlauf der Geschichte stets einer der effizientesten Mechanismen zur Aufrechterhaltung der tiefen Kluft zwischen Arm und Reich. Wir befinden uns auf den hintersten Plätzen im Ranking der schulischen Leistungen weltweit. Ungefähr 9 Prozent der Bevölkerung können nicht lesen und schrei­ben, und 20 Prozent gelten als funktionale Analphabeten. Also einer von drei erwachsenen Brasilianern ist nicht in der Lage, einfachste Texte zu lesen und zu verstehen.

Doch wir haben Fortschritte gemacht. Die größte Errungenschaft meiner Generation war die Wiedererlangung der Demokratie - nun seit 28 Jahren ununterbrochen. Wenig, wahrhaftig, aber der längste Zeitraum an Rechtstaatlichkeit in der gesamten brasilianischen Geschichte. Mit der politischen und wirtschaftlichen Stabilität haben wir seit Ende der Militärdiktatur auch soziale Errungenschaften gemacht; die bedeutendste zweifelsohne die deutliche Verringerung des Elends: Beeindruckende 42 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahrzehnt einen sozialen Aufstieg erlebt. Nicht zu leugnen ist auch, wie wichtig es war, Mechanismen zu schaffen für finanzielle Transferleistungen, finanzielle Unterstützung von Familien zum Beispiel, aber auch der sozialen Inklusion, wie etwa die Quotierung nach Hautfarben an öffentlichen Universitäten.

Leider wiegt trotz aller Anstrengungen das Erbe von 500 Jahren Machtmissbrauch noch schwer. Wir sind noch immer ein Land, in dem Wohnen, Bildung, Gesundheit und Erholung nicht das Recht aller sind, sondern Privileg weniger; in dem das Recht, sich zu jeder Zeit frei zu bewegen, nicht ausgeübt werden kann, weil es an Sicherheit mangelt, in dem selbst die Notwendigkeit, für einen Mindestlohn von umgerechnet etwa 300 Dollar im Monat zu arbeiten, auf elementare Probleme trifft, wie etwa das Fehlen von vernünftigem öffentlichem Personenverkehr, in dem die Achtung vor der Umwelt keine Rolle spielt, in dem wir uns angewöhnt haben, das Gesetz zu missachten. Mal erscheint Brasilien als exotische Gegend mit paradiesischen Stränden, Urwäldern, Karneval, Capoeira und Fußball, mal als ein furchtbarer Ort voller Gewalt in den Städten, Kinderprostitution, Missachtung der Menschenrechte und der Natur. Mal wird es gefeiert als ein Land, das bestens gerüstet ist, eine Rolle in der Welt zu spielen, mit reichen Bodenschätzen, Landwirtschaft, Viehzucht und einer vielfältigen Industrie, einem großen Wachs­tumspotenzial in Produktion und Konsum, dann wieder befindet es sich in der ewigen Nebenrolle als Zulieferer von Rohmaterial und Produkten aus billiger Arbeitskraft, unfähig, seinen eigenen Reichtum selbst zu verwalten. Allerdings sind wir gegenwärtig die siebtgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Und stehen weiterhin an dritter Stelle der Ungleichheit...

Zurück also zur Eingangsfrage: Was bedeutet es in dieser Region der Peripherie der Welt zu leben, auf Portugiesisch zu schreiben, für fast nicht vorhandene Leser, zu kämpfen also, Tag für Tag, um umgeben von Widrigkeiten dem Leben einen Sinn zu verleihen?

Ich glaube, vielleicht naiv, daran, dass Literatur etwas verändern kann. Als Kind einer Analphabetin und Waschfrau, eines des Lesens fast unkundigen Popcornverkäufers, selbst Popcornverkäufer; Kassierer, Verkäufer, Textilarbeiter, Dreher, Inhaber einer Imbissbude, wurde mein Leben verändert durch den, wenn auch zufälligen Kontakt mit Büchern. Und wenn das Lesen eines Buchs den Weg eines Menschen verändern kann, und wenn die Gesellschaft aus Menschen besteht, kann Literatur eine Gesellschaft verändern. In unserer Zeit des übersteigerten Narzissmus und des extrem ausgelebten Individualismus wird derjenige, der uns fremd ist und deswegen in uns die Faszination des gegenseitigen Erkennens auslösen sollte, mehr denn je als Bedrohung gesehen. Wir kehren dem Nächsten den Rücken zu, sei er Einwanderer, arm oder schwarz, indigen, Frau, homosexuell, in dem Versuch, uns selbst zu bewahren, und vergessen dabei, dass wir damit unsere eigene Existenz in Gefahr bringen. Wir verfallen der Einsamkeit und dem Egoismus und verleugnen uns vor uns selbst. Um dem entgegenzuwirken, schreibe ich: Ich will den Leser berühren, ihn verändern, die Welt ändern. Das ist eine Utopie. Ich weiß. Aber ich lebe von Utopien. Weil ich denke, dass die letzte Bestimmung jedes Menschen nur eine sein sollte: Das Glück auf Erden zu erreichen. Hier und jetzt."

Luiz Ruffato

Brasilien

FIFA go home - Über die Schattenseiten der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien
SüdZeit Nr. 60 – März 2014

 Der Jubel war groß, als am 30. Oktober 2007 der Zu­schlag für die Ausrichtung der FIFA-Fußball-Weltmei­sterschaft der Männer an Brasilien ging. Fußball hat in Brasilien einen hohen Stellenwert und fungiert als iden­titätsstiftender Mythos. Die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft und der Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro versetzten das Land in einen na­tionalen Glückstaumel. Die beiden sportlichen Großereignisse wurden zum Symbol der brasilianischen Er­folgsgeschichte und zum Sinnbild einer aufstrebenden politischen und wirtschaftlichen Großmacht, mit hohem Wirtschaftswachstum, erfolgreicher Armutsreduzierung, sozialem Fortschritt und globalem Gestaltungsanspruch. Der damalige Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (2003 bis 2011) und seine Nachfolgerin Dilma Rousseff (seit 2011), beide von der Arbeiterpartei (Partido dos Trabal­hadores, PT), versprachen das größte und beste Fußballfest aller Zeiten. Sie priesen die sportlichen Megaevents als große Chance, Brasiliens Image zu verbessern und die Wirtschaft weiter anzukurbeln.

Tausende Menschen werden vertrieben

In den zwölf Austragungsstädten werden 600.000 ausländische und circa 3.000.000 inländische Touristen erwartet. Die WM wird aber kein Fest für alle sein. Um Platz zu schaffen für Stadion- und Straßenbauten, Schnellbuslinien und Trams, Parkhäuser und Hotels, U-Bahnen und Autobahnzubringer wurden über 250.000 Menschen aus ihren Häusern geräumt oder sind von Räumungen bedroht. Viele der Vertriebenen erhielten bislang keinerlei Entschädigung. Alternativer Wohnraum wird oft nur an den Rändern der Städte angeboten, wo es kaum Arbeit, Schulen oder Gesundheitsversorgung gibt. Die Wege sind so weit, dass viele ihre bisherigen Arbeitsplätze nicht mehr erreichen können. Die Abfindungen, sofern sie überhaupt bezahlt werden, sind so niedrig, dass sie bei weitem nicht für eine angemessene Unterkunft oder den Erwerb von zentrumsnahen Grundstücken ausreichen. Straßenhändler werden aufgrund exklusiver Verkaufsrechte vertrieben und damit um ihre Existenzgrundlage gebracht, öffentlicher Raum wird privatisiert, soziale Bewegungen kriminalisiert und die brasilianische Fußballkultur weiter kommerzialisiert. In den staatlich garantierten FIFA-Sonderzonen dürfen keine Produkte gehandelt werden, die nicht in einem Sponsoring-Verhältnis zur FIFA stehen. Damit wird der Straßenhandel, der in Brasilien eine große Tradition hat und für viele Familien die wichtigste Einnahmequelle ist, stark eingeschränkt.

Der zeitliche Verzug gegenüber den Bauplänen bildet einen geeigneten Vorwand, um Zwangsräumungen durch­zuführen und die Rechte der Arbeiter zu beschränken. Ende 2013 kamen innerhalb von nur drei Wochen vier Bauarbeiter ums Leben. Da die FIFA drängt, wird vielen Arbeitern die wöchentliche Erholungszeit nicht gewährt und von staatlicher Seite wird versucht, das Streikrecht zu Gunsten der „nationalen Anstrengung" zu durchlöchern.

"In den WM-Städten sind 150.000 Familien von Zwangsumsiedlungen bedroht. Es werden mehr Obdachlose produziert. Wenn Menschen für Straßen, Flughäfen oder im Umfeld von Stadien umgesiedelt werden, ohne dass sie gleichwertig en Wohnraum bekommen, wachsen die Armenviertel."                   
Raquel Rolnik, UNO-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Wohnen

Bereits jetzt steht fest, dass die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien die bislang teuerste WM aller Zeiten sein wird. Nach derzeitigen Schätzungen kosteten alleine die Um- und Neubauten der Stadien und die dazugehörige Infrastruktur 11,5 Milliarden Euro. Und das in einem Land in dem rund 5,5 Millionen Wohnstätten fehlen und mindestens weitere 15 Millionen Wohnungen im urbanen Raum sich in äußerst schlechtem Zustand befinden. Die Hauptgründe für die gesteigerten Ausgaben sind Korruption, Misswirtschaft, Fehlkalkulationen und die Sondervorgaben der FIFA. So haben sich beispielsweise die Kosten für das Itaquerao-Stadion in Sao Paulo aufgrund der FIFA-Vorgaben fast verdoppelt. Da in dem Stadion am 12. Juni 2014 das Eröffnungsspiel stattfinden wird und hierzu mehrere Staatsoberhäupter und ungefähr 18.000 akkreditierte Journalisten erwartet werden, mussten eigens VIP-Bereiche und zusätzliche Fahrstühle eingebaut werden. Auch die Kosten für den Umbau des legendären Maracana-Stadions in Rio de Janeiro, wo am 13. Juli 2014 das letzte Spiel der WM stattfinden wird, haben sich von 228 Millionen auf 460 Millionen erhöht. Kosten, für die die öffentliche Hand einstehen muss. Erst nach der WM soll das Stadion privatisiert werden, wobei der private Investor nicht für die entstandenen Mehrkosten einstehen wird. Obwohl das Stadion erst für die Panamerikanischen Spiele 2007 renoviert wurde, war der erneute Umbau auf Verlangen der FIFA notwendig geworden. Diese verlangt u.a. einen höheren Sicherheitsstandard, modernere Sitze, Logen sowie die Konstruktion ansteigender und überdachter Sitzreihen. Hierfür wurde das Innere des Stadions komplett abgerissen und das Dach vergrößert. Durch die Neuerungen reduzierte sich die Zuschauerzahl auf 76.525. Dementsprechend werden die Tickets teurer und viele Fans werden die Spiele nur außerhalb des Stadions verfolgen können. Im Zuge der Privatisierung soll zudem das ganze Areal in ein Einkaufsparadies verwandelt wer­den, dafür müssen eine Favela, eine öffentliche Schule, weitere Sportstätten und das denkmalgeschützte Gebäude des Indigenen-Museums weichen. Megaevents wie die WM und die Olympischen Spiele bieten Möglichkeiten für Geschäfte und die Flexibilisierung der Gesetzgebung. Eine Art Ausnahmezustand wird kreiert. „Die Spiele sind ein phantastischer Vorwand, um Rio zu ändern", gestand Rios Bürgermeister Eduardo Paes in einem Gespräch mit der BBC ganz offen ein.

Ein wichtiger Faktor für die Umstrukturierung und Aufwertung attraktiver innerstädtischer Gebiete bildet ein
spezielles Sicherheitskonzept. Seit 2008 kommen Ein­heiten der sogenannten „Befriedungspolizei" in mehreren Favelas in Rio de Janeiro und Sao Paulo, bevorzugt touri­stische Gebiete, zum Einsatz. Die „Befriedung" führt zu einer Verlagerung von Gewalt und Kriminalität in andere Stadtgebiete und zu höheren Preisen für Miete und Lebenshaltungskosten in den „befriedeten" Gebieten. Dies befördert wiederum Verdrängungsprozesse.

Die Erfahrungen aus Südafrika zeigen, dass die Einnahmen bei weitem nicht die Kosten abdecken. Südafrika blieb auf 2,2 Milliarden
Euro Schulden sitzen, während die FIFA und ihre Partner 2,4 Milliarden Euro Gewinn erwirtschafteten. Damit nicht der umgekehrte Fall in Brasilien eintritt, ließ sich die FIFA vom brasilianischen Staat eine Defizitgarantie ausstellen. Sollte der FIFA ein Verlust entstehen, wird dieser durch Gelder der öffentlichen Hand abgedeckt.

Für Rio de Janeiro zeigten die Untersuchungen des Instituts für Stadtplanung der Bundesuniversität von Rio de Janeiro, dass viele der Verkehrsprojekte an den Be­dürfnissen der Bevölkerung vorbeigehen und nur dem Zugang zu den Stadien und der Anbindung an die reichen Touristenviertel dienen. Da sich die Kosten für den Neu- und Umbau der zwölf Stadien fast verdoppelt haben, wurden im Gegenzug Gelder zur Verbesserung der urbanen Mobilität weiter reduziert. Experten rechnen damit, dass fünf der zwölf Stadien nach dem Ende der WM zu sogenannten weißen Elefanten werden könnten, also zu Sportstätten, die in ihrer Größe nicht benötigt werden und
die Kommunen teuer zu stehen kommen. In Manaus beispielsweise gibt es bereits Überlegungen, die 44.000 Zuschauer fassende Arena Amazonas als Gefängnis umzufunktionieren.

Die
Schattenseiten der sportlichen Großereignisse zeichneten sich bereits 2010 deutlich ab, woraufhin sich Vertreter sozialer Bewegungen, Menschenrechtsverteidiger, Bewohnerinitiativen und Einzelpersonen in allen zwölf Austragungsorten in sogenannten WM-Basiskomitees organisierten. Die landesweit vernetzten Komitees dokumentieren Menschenrechtsverletzungen und organisieren den politischen Dialog und Widerstand gegen die staatlichen Zwangsmaßnahmen. Mit ihrem 2011 veröffentlichten Dossier „Sportliche Großereignisse und Menschenrechtsverletzungen" haben sie in Brasilien und international für große Aufmerksamkeit gesorgt und das Thema auf die Agenda nationaler und internationaler Organisationen gesetzt. Das Dossier bot erstmals einen detaillierten Überblick über alle wichtigen Aspekte: Kampf um Wohnraum und gegen Gentrifizierung, Einsatz für gerechte Arbeitsbedingungen im Baugewerbe und im informellen Handel, Einhaltung von Umweltschutzauflagen, Erhalt der Bürgerrechte in Zeiten der Militarisierung öffentlicher Sicherheit und Teilhabe der Bevölkerung an den Spielen in ihrem Land. Mit jeder Neuauflage des Dossiers mussten Fakten, wie etwa die Zahl der Zwangsgeräumten von ursprünglich 150.000 (2011) auf mittlerweile 250.000, zu einem schlechteren Wert korrigiert werden. Dennoch konnten auch einige Erfolge erzielt werden, wie Claudia Favaro vom WM-Basiskomitee in Porto Alegre darlegt: „In Natal waren knapp über 1.000 Umsiedelungen vorgesehen, es werden 30 sein. In Fortaleza hatten wir eine ganze Gemeinde, die nun nicht umgesiedelt wird  (...). In Porto Alegre gelang es uns, Gelände zu enteignen, um Sozialwohnungen zu bauen." Auch im Kampf gegen die Kommerzialisierung und Verdrängung von Straßenhändlern gibt es Erfolge.

Traditionelle Fischtörtchen dürfen verkauft werden


In Salvador da Bahia beispielsweise wurde das auf Verlangen der FIFA ausgesprochene Verbot des Verkaufs der traditionellen Acaraj6 (Fischtörtchen) im Umkreis von zwei Kilometern des Stadions nach zahlreichen Protesten letztendlich aufgehoben. Mit verantwortlich für die Er­folge der Basiskomitees war, neben dem großen Engagement vor Ort, die Information und Mobilisierung der glo
balen Weltöffentlichkeit. Internationale Organisationen, Hilfswerke und Nichtregierungsorganisationen unterstützen solidarisch die Anliegen der Basiskomitees.

Massenproteste gegen soziale Missstände


Zu einem besonderen Schub nationaler und internationaler Öffentlichkeit führten die Proteste im Juni 2013 während des Confederations Cup. Sie richteten sich u.a. gegen die enormen Investitionen zugunsten der Fußball-Weltmeisterschaft, gegen Korruption, gegen soziale Ungerechtigkeiten, die Zwangsräumungen in Stadionnähe und die Erhöhung der Preise im Nahverkehr. In über hundert Städten kam es zu Protesten. Die Slogans lauteten „FIFA go home" und „Die WM wird es nicht geben". In Sao Paulo versammelte sich ein Bündnis verschiedener Gruppen zu einer Demonstration unter dem Motto „Ich verzichte auf die Weltmeisterschaft. Ich will Geld für Unterkunft, Gesundheit, Bildung und Transport mit Qualität". Die Proteste zeigen, dass die WM kein Symbol für die brasilianische Erfolgsstory, sondern vielmehr ein Symbol für die sozialen Kosten des Aufstieges zum Global Player ist. Eine WM für alle wird es nicht geben.

¨ Manuel Armbruster, KoBra, Kooperation Brasilien e.V. Im Rahmen der Kampagne Kick for one World begleitet KoBra kritisch die Entwicklungen rund um die sportlichen Großereignisse. Aktuelle Berichte, Hintergrundanalysen zu WM, städtischer Entwicklung und den Anliegen der sozialen Bewegungen finden sich unter: www.kooperation-brasilien.org

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Brasilien 2014-Spiel ohne
Grenzen

Vielen Brasilianern ist der Spaß an der Fußball-WM schon vor dem Anpfiff vergangen. Doch die Fifa ignoriert ihre politische Verantwortung. Und nicht nur sie.

Von Markus Dobstadt in Publik-Forum Nr. 11 / 2014

Das dürfte eine Nummer zu groß sein, was sich die Brasilianer für die Fußball-Weltmeisterschaft vorgenommen haben. Die Spieler wollen den Pokal holen. Die Wütenden im Land mindestens ein WM-Spiel verhindern. Beim Confederations Cup im vergangenen Jahr demonstrierten Millionen gegen Korruption, Preiserhöhungen und Polizeigewalt. Präsidentin Dilma Rousseff und Fifa-Chef Sepp Blat­ter wurden bei der Eröffnung ausgepfiffen. Diesmal ist die Staatsmacht vorge­warnt. Sie wird alles daransetzen, dass die WM formal gelingt — und ansonsten darauf hoffen, dass die Selecao mit berauschenden Spielen den Brasilianern ihren Frust von der Seele fegt.

Die Bürger merken, dass die WM kein Fest für sie wird. Mehr als vierzig Milliarden Dollar kosteten Neu- und Umbau der Stadien, mehr als 170 000 Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben. Für Investitionen in Gesundheit, Schulen, Bahn und Busse fehlt das Geld, die meisten Bürger werden sich keinen Stadionbesuch leisten können. Die WM ist für die Reichen, die Armen zahlen die Zeche.

Aber nicht nur in Brasilien herrscht ein absurdes Ungleichgewicht im Sport. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Mezut Ozil etwa bekommt laut der Christlichen Initiative Romero (CIR) fast 300 000 Euro monatlich, nur weil er für adidas Werbung macht. Zugleich werden die Näherinnen von Fußballtrikots mit Hungerlöhnen abgespeist, das zeigt die CIR mit ihrer Kam­pagne »Play fair — pay fair!«

An der Weltmeisterschaft verdienen vor allem die Baukonzerne und die Fifa, die vermutlich bis zu fünf Milliarden Dollar einstreichen kann. Mit der WM hat sie quasi eine Gelddruckmaschine in der Tasche, die sie alle vier Jahre in einem anderen Land aufstellen kann. Dann kommen die Funktionäre, stellen Forderungen und halten die Hand auf. In ihrem Schleppnetz dürften viele Millionen Dollar für korrupte Baufirmen und Politiker hängen bleiben, doch Wohltaten für die einfachen Menschen vor Ort bringt die Fifa in der Regel nicht. Dafür scheinen sich aber Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees den Zuschlag vergolden zu lassen. Wie sonst käme die

Ein Verband, der ein Weltereignis vergibt, muss auf mehr schauen als auf die Brillanz der Sportstätten

abstruse Entscheidung zustande, die Weltmeisterschaft 2022 an den Wüstenstaat Katar am Persischen Golf zu vergeben? Nicht nur wegen der Temperaturen bis zu fünfzig Grad ist das der falsche Ort. Dort herrscht keine Meinungsfreiheit, die Menschenrechte sind eingeschränkt und Homosexualität ist verboten. Etliche Arbeiter an den Baustellen werden wie Sklaven gehalten. 44 Tote soll es laut der britischen Tageszeitung Guardian schon gegeben haben. Kann man sich da noch über Tore freuen? Viel zu spät räumt Fifa-Präsident Blatter nun ein, dass die Vergabe »ein Fehler war«. Enthüllungen deuten darauf hin, dass Fifa-Offizielle von Katar geschmiert wurden. Sogar eine Neuvergabe der WM ist nicht ausgeschlossen. Der Fehler hat jedoch System. Nach außen hin tut die Fifa so, als diene sie treu und ehrlich dem Fußballgott. In Wirklichkeit frönt sie in erster Linie dem Mammon.

Doch das gilt nicht nur für diesen Verband. Ähnlich sind die Verhältnisse beim Internationalen Olympischen Komitee. Auch bei der Olympiade geht es um viel Geld. Ein Gremium, das ein Weltereignis vergibt, muss jedoch auf mehr schauen als auf die Brillanz der Sportstätten. Es trägt auch eine politische Verantwortung! Die Olympischen Winterspiele in Sotschi hat Russlands Präsident Putin zur Eigenwerbung genutzt. Dabei entspricht das Land mit seiner ebenfalls demokratiefeindlichen Gesetzgebung, mit der Hörigkeit der Justiz gegenüber dem Kreml und der Verfolgung Andersdenkender wohl kaum dem olympi­schen Gedanken. Und ist die Krim-Anne­xion etwa ein Beispiel für »Fair Play«?

Sport findet nicht im luftleeren Raum statt. Die Verbände sollten demokratische Standards zur Bedingung für den Zuschlag machen. Und sie müssen sich des vielen Geldes entledigen, das in ihre Taschen fließt. Welt-Sportverbände dürften keinen Gewinn machen, sonst werden sie den Ge­ruch der Korruption nie los. Das Geld soll­te den ärmeren Menschen des Gastlandes zugutekommen, damit es auch für sie ein »Fair Play« gibt.

Informationen über die WM-Kampagne der Christli­chen Initiative Romero: www.ci-romero.de

 

 

Die Fußball-WM 2014 in Brasilien:  
Ein Megaivent der Superlative

Aus Anpfiff CIR Sportsommer 2014

Adidas, Nike, Puma und Co. hoffen, dass etwas vom Glanz des Fußball-Ereignisses auf sie abstrahlt. Vor den Schattenseiten der WM aber verschließen sie die Augen.

 Brasilien rechnet mit Kosten für die WM von umgerechnet rund elf Milliarden Euro. Millionen von Euro fließen in den Bau von Stadien, Hotels, Flughäfen. Dabei geht es um viel mehr als Sport. Fußball lebt vom Sponsoring und ist ein Mega-Geschäft, von dem aber nur wenige profitieren. Die Vorbereitungen der WM waren von schweren Menschenrechtsverletzungen begleitet. Auf sozialen Protest reagierten die staatlichen Sicherheitskräfte aber mit Gummigeschossen und Tränengasschwaden. Eine Viertel Million Brasilianer/innen mussten an den zwölf WM-Spielorten dem Neu- und Umbau von Stadien weichen! Das sind aber nur die unmittelbaren Auswirkungen der WM auf das Leben der Menschen. Auch die Sportbekleidungsindustrie lässt ihre Werbekampagnen auf Hochtouren laufen. An den Ausbeutungsverhältnissen ändert sich zu solchen Mega-Events nichts.

Die Schlacht der Ausrüster
Für zehn von 32 Nationalteams stellt Nike die Trikots, Adidas und Puma kommen auf jeweils acht Mannschaften. Adidas ist u.a. Ausrüster des deutschen, spanischen und argentinischen Nationalteams. Weil Adidas zudem offizieller FIFA-Sponsor ist, darf der Konzern in allen WM-Stadien Werbung machen. Es herrscht ein energischer Kampf. Fairness wird dabei klein geschrieben - genau wie in tausenden Fabriken, in denen über den Globus verteilt unter zumeist menschenunwürdigen Bedingungen Sportbekleidung genäht wird.

Ausbeutung pur: Nähen für Adidas, Nike, Puma und Co.
Obwohl sich Adidas, Puma und Co. inzwischen freiwillige Verhaltenskodizes in ihren Zulieferfabriken auferlegt haben, sind die Bemühungen nur sehr eingeschränkt wirkungsvoll und immer noch ungenügend. Während die Unternehmensgewinne in dreistelliger Millionenhöhe liegen, fertigen zigtausende Frauen und Männer unter hohem Druck die teuer beworbenen Trikots, Schuhe und Fanartikel. Immer wieder decken Recherchen der Kampagne für Saubere Kleidung und der Christlichen Initiative Romero (CIR) eklatante Arbeitsrechtsverletzungen in Fabriken auf. Verhinderung von Gewerkschaften, erzwungene Überstunden und Hungerlöhne sind an der Tagesordnung.

Fairplay findet leider nur in den Sozialberichten der Konzerne und in der Werbung Platz. Existenzsichernde Löhne für Näher/innen werden angeblich aus Sorge um Wettbewerbsnachteile abgelehnt. In den Produktionsländern liegen die Mindestlöhne in der Bekleidungsproduktion häufig unter dem Existenzminimum und werden oft über Jahre hinweg trotz steigender Preise nicht angepasst. Sportbekleidungsherstellerinnen machen sich diese investor/innenfreundlichen Mindestlöhne zunutze. Mit den realen Bedürfnissen der Menschen haben sie nichts zu tun. Die von der CIR mitgetragene internationale Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign = CCC) fordert daher, dass Hersteller/innen in der Bekleidungsindustrie einen Existenzlohn zahlen und sich nicht hinter den gesetzlichen Mindestlöhnen oder dem industrieüblichen Lohn am Standort ihrer Zulieferfirmen verstecken.

Mein Lohn liegt bei 66 USD im Monat. Ich bräuchte aber ca. 18o USD, um die Grundbedürfnisse meiner Familie abzudecken. Ich muss deshalb oft Kredite beim Hausbesitzer und bei anderen aufnehmen."     Näherin für Adidas in Kambodscha

Die Arbeiterinnen in der weltweiten Sportbe­kleidungsindustrie verdienen trotz zermürbender Arbeit viel zu wenig, um ihre Grundbedürfnisse auch nur annähernd abdecken zu können.

Was ist ein existenzsichernder Lohn?

In vielen asiatischen Ländern ist die Kluft zwischen dem tatsächlich Verdienten und den Kosten für den grundlegenden Lebensunterhalt riesig. Die Asia Floor Wage Alliance entwickelte mit dem „Asiatischen Grundlohn“  ein Berechnungsmodell für einen existenzsichernden monatlichen Lohn, den ein/e Arbeiter/in erhalten müsste, um den Grundbedarf von zwei Erwachsenen und zwei Kindern sicherzustellen.

 Land

Gesetzlicher Mindestlohn pro Monat:

Asiatischer Grundlohn pro Monat

Bangladesch

50,- €

238,- €

Kambodscha

73,- €

285,- €

China

174,- €

376,- €

Indien

58,- €

189,- €

Sri Lanka

50,- €

258,- €

Der Zynismus der Ausbeutung gipfelt darin, dass zum Beispiel Nationalspieler wie Özil fast 300.000 Euro im Monat von Adidas erhalten, nur weil sie das Trikot der Marke tragen!

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Fußball-WM 2010 (Männer)
Verantwortung als Werbegag? Wenn es konkret wird, zieht Puma die Krallen ein
   
Quelle: CIR - Anpfiff Sportsommer 2010

Puma scheint ebenso wie viele andere Hersteller nicht ernsthaft interessiert zu sein, nachhaltig zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Nähfabriken beizutragen. Darüber können auch Projekte der sogenannten Unternehmerischen So­zialverantwortung (engl. Corporate Social Responsibility, CSR) nicht hinwegtäuschen. CSR-Projekte  dienen angeblich dazu, auf freiwilliger Basis soziale und Umweltbelange in die Unternehmenstätigkeit aufzunehmen. Sie verbessern aber selten die Einkommenssituation der Fabrikarbeiterinnen. Oftmals drängt sich der Eindruck auf, dass die Eigenwerbung für das Unternehmen hier wichtiger ist als würdige Lebensverhältnisse für die Näher/innen. Dies unterstreicht auch die unmotivierte Nach-haltigkeitsberichterstattung von Puma.

Auf die Hungerlöhne in den Fabriken etwa, die nicht einmal die elementaren Grundbedürfnisse der Arbeiterinnen befriedigen, geht der im September 2009 veröffentlichte Puma-Nachhaltigkeitsbericht 2007/08 kaum ein. Der Sportriese wiederholt gebetsmühlenartig, man arbeite nur mit Zulieferern zusammen, die einen würdigen Lohn zahlen und alle staatlich vorgeschriebenen Sozialleistungen gewährleisten. Überprüft wird von Puma im Wesentlichen aber nur die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns im Produktionsland. Diese Mindestlöhne erfüllen in einigen Ländern nicht einmal die international festgelegte Definition für Armutsgrenzen und sind damit weit entfernt von einer Existenzsicherung für die Arbei­ter/innen.

Vorschläge der internationalen Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign/CCC), die auf eine Verbesserung der Situation der Arbei­terinnen zielen, wurden von Puma bisher nicht umgesetzt. Der Sportartikel-Gigant glaubt aufgrund der weltweit sinkenden Nachfrage nach Konsumgütern, „dass dies nicht die geeignete Zeit ist, um enen Lohn zu fordern, der die Lebenshaltungskosten deckt", wie es in einer Stellungnahme heißt.

Auch was das Recht auf Vereinigungsfreiheit in den Fabriken angeht, gilt im Fall Puma: Fehlanzeige. „Wir gewährleisten, dass den Arbeiterinnen das Recht auf Organisierungsfreiheit nicht erschwert wird", lautet zwar die offizielle Position des sportiven global players. Die Versicherung, das Unternehmen sorge für eine entsprechende Atmosphäre, ist allerdings kaum zu kontrollieren. In vielen Puma-Zuliefererfabriken ist gewerkschaftliche Organisierung de facto nicht zugelassen. Immer wieder ist aus erster Hand zu hören, dass der Arbeitnehmer/innenschaft nicht einmal der Puma-Verhaltenskodex bekannt ist.

Puma argumentiert, Arbeiterinnen wüssten heutzutage genau, wann sie sich zusammentun müssen — und das täten sie dann auch ohne Hilfe von außen. Der Konzern nennt als Beispiel sogenannte wilde Streiks. Kein Wort fällt hierbei über die existenzielle Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Und: Ohne Gewerkschaft gibt es auch keinen Kündigungsschutz, was gerade wilde Streiks sehr riskant für Arbeiterinnen und deswegen zu einer Seltenheit macht. Die Arbeiterinnen vieler Fabriken erhalten so gut wie keinerlei Information, was Puma denn als legale Formen der Interessensvertretung sieht und wann sie sogar auf Rückendeckung durch das Unternehmen zählen dürften.

Ende 2006 scheiterte ein Pilotprojekt der Kampagne für Saubere Kleidung mit Puma. Dieses hatte die Verbesserung der Fabrikkontrollen zum Ziel. Schon damals kam durch das unerwartete finanzielle Ende des Projektes der Verdacht auf, die CSR-Politik von Puma diene im Vorfeld der Fußball-WM 2006 lediglich Werbezwecken.

 

Größenunterschiede zum Vergleichen

Michael Ballack ist nicht nur körperlich ein Großer. Der 1,89 Meter zählende Kapitän der deutschen Nationalmannschaft gehört mit einem Monatsgehalt von 500.000 Euro zu den Großverdienern der Balltreter-Branche. Einkünfte aus Werbeeinnahmen sind hierbei noch nicht einge­rechnet. Ball-Ass Ballack kann sich also umgerechnet über 125.000 Euro wöchentlich freuen.


Trist sieht es dagegen für Näher/innen in El Salvador aus. Sie erhalten monatlich nur umgerechnet 100 Euro, in jeder Woche also 25 Euro. Eine in der Sportbekleidungsindustrie arbeitende salvadorianische Näherin müsste somit knapp 385 Jahre arbeiten, um das zu verdienen, was Chef-Kicker Ballack im Monat einstreicht.

 

Verdienst pro Woche im Vergleich:

Näher/Näherin in El Salvador        25 €

Michael Ballack                              125.000 €



Die Forderungen der Kampagne für Saubere Kleidung
Für saubere Verhältnisse in der Bekleidungsindustrie

Die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign/CCC) ist ein internationales Netzwerk von 300 Organisationen, die für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsindustrie eintreten. In Deutschland gehören ihr über  20 Organisationen an.

Die Kampagne für Saubere Kleidung informiert Verbraucherinnen, verhandelt mit Unternehmen, unterstützt Organisationen der Arbeiter/innen und führt öffentliche Kampagnen durch. Die an ihr beteiligten Gruppen und Organisationen wollen gemeinsam mit kritischen Konsumentinnen Hersteller und Handel zur konkreten Übernahme von Verantwortung bewegen und für humane Arbeitsbedingungen in den Weltmarktfabriken sorgen. Darüber hinaus fordert die Kampagne existenzsichernde Löhne für Arbeiter/innen in der internationalen Bekleidungsindustrie und unterstützt die Forderungen der Asiatischen Grundlohn-Kampagne.

Die Asiatische Grundlohn-Kampagne (Asia Floor Wage Campaign/AFW) ist eine politische Initiative aus dem asiatischen Raum, die darauf abzielt, das weltweite Lohndumping zu beenden Sie fordert — ein Novum im weltweiten Kampf gegen Lohndumping — länderübergreifende Tarifverträge in der asiatischen Region. Die Kampagne erhält neben der CCC in Deutschland und Europa internationale Unterstützung von Menschen- und Arbeitsrechtsorganisationen sowie Gewerkschaften.

Zwei Zitate Betroffener

 „Nach zehn bis 12 Stunden nur sitzen habe ich Schmerzen im Rücken und in der Hüfte. Nach der Arbeit gehe ich nur noch duschen und dann direkt schlafen."
  Näherin bei Puma-Zulieferer in China

 „Wenn ich meinen Gürtel nicht enger schnalle, muss ich mir Geld von Freunden leihen. Ich habe früher dreimal am Tag gegessen, jetzt musste ich das auf zwei Mahlzeiten kürzen."   Näherin bei Puma-Zulieferer in China

 

 Zwei Beispiele aus Weltmarktfabriken 

Beispiel: El Salvador
Die Weltmarktfabrik Garan de El Salvador fertigt für Puma in der freien Produktionszone Exportsalva in San Salvador. Gezahlt wird den Näherinnen hier der staatliche Mindestlohn von 173,70 Dollar brutto im Monat. Um einigermaßen über die Runden zu kommen und zwei Kinder zu versorgen, braucht man in El Salvador allein 482 Dollar, also fast das Dreifache. Der gesetzliche Mindestlohn deckt gerade einmal die Kosten für die wichtigsten Lebensmittel ab, um eine ausreichende Kalorienzufuhr zum Überleben zu gewährleisten. Kleidung, Miete, Strom, Wasser, Schulbesuch und Gesundheit bleiben auf der Strecke. Darüber hinaus gibt es keine Organisationsfreiheit in den Fabriken. Gewerkschaftliche Organisierung wird im Keim erstickt.
Somit gibt es auch keine Möglichkeit, an Tarifverhandlungen teilzunehmen, um für bessere Löhne zu kämpfen.

Beispiel: China
Der Zulieferer Tien Sung in China produziert hauptsächlich für adidas, aber auch für Puma. Die Belegschaft der Fabrik umfasst 3000 Arbeiter­innen. Frauen machen hierbei einen Großteil aus. Die Löhne entsprechen mit umgerechnet 87 Euro brutto im Monat dem für die Provinz Guangzhou geltenden gesetzlichen Mindest­lohn — viel zu wenig, um die Grundbedürfnisse abzudecken. Die Lohnpolitik von Tien Sung verletzt zwar die nationale Ge­setzgebung nicht. Allerdings wird die beworbene „Fair Wage Strategy", die Strategie für faire Löhne von adidas, dabei nicht berücksichtigt. Dort schlägt adidas nämlich einen Mechanismus vor, welcher darauf abzielt, den Arbeiterinnen einen Grundlohn zu zahlen, der über dem lokalen Mindestlohn liegt. Bei der Umsetzung der Strategie hapert es somit mächtig.
Die bittere Lektion für die Arbeiterinnen: Papier ist eben geduldig.

                   Weitere Infos im Netz: .www.ci-romero.de    www.saubere-kleidung.de

Protestaktionen für faire Bedingungen zeigen Erfolg (Mitteilung von CIR 28.6.2010)

Das beharrliche Engagement der Christlichen Initiative Romero zeigt Erfolg: Von Jack Wolfskin, dem europäischen Marktführer in Sachen Outdoor-Bekleidung, erreichte uns in diesen Tagen eine erfreuliche Nachricht. Das Unternehmen wird der Fair Wear Foundation (FWF) beitreten. Die FWF überwacht die Einhaltung von Arbeitsrechten in der internationalen Kleidungsproduktion. Immer wieder legen wir in Gesprächen mit Unternehmen nahe, diesen wichtigen Schritt zu tun, weil eine Mitgliedschaft in der FWF unserer Auffassung nach momentan die beste Form ist, sich um würdige Arbeitsbedingungen zu bemühen.

Für uns ist die Nachricht von Jack Wolfskin eine Bestätigung unserer Arbeit. Seit vielen Jahren setzen wir uns gemeinsam mit Partnerinnen in Mittelamerika für würdige Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie ein. Im vergangenen Jahr haben wir erstmals die Herstellerinnen sogenannter Outdoor-Bekleidung in den Blick genommen. Deren Wander- und Allwetterkleidung steht für Umweltbewusstsein, Naturnähe und aufregende Erfahrungen in fernen Ländern. Wir erstellten eine Studie zu entsprechenden Unternehmen und wiesen sie hierbei auf ihre Verantwortung für Näherinnen und Näher in den Zulieferbetrieben hin. Tausende von Ihnen übten mit CIR-Protestkarten Druck auf die Outdoor-Marken aus.
Das Beispiel Jack Wolfskin zeigt: Es gibt Handlungsräume, unsere Kleidung unter würdigen Bedingungen zu produzieren. Es gibt Hoffnung für Millionen Menschen, die weltweit Kleidung fertigen.
Ohne Ihre große und treue Unterstützung wäre die erfolgreiche Arbeit der Christlichen Initiative Romero nicht möglich.
Ebenso wenig gute Nachrichten wie die von Jack Wolfskins Beitritt zur FWF. Hierfür danken wir Ihnen herzlich.

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Evang. Gemeindeblatt 4/2006
Angriff auf die Bauern - Angriff auf das Saatgut

Kampagne gegen „Terminator-Technologie” bei Saatgut — Sichere Ernährung gefährdet

Umwelt- und Entwicklungsorganisationen haben ein Verbot der so genannten Terminator-Technologie gefordert, die Pflanzen unfruchtbar macht. Mit dem neuen gentechnischen Verfahren wollten Saatgutkonzerne verhindern, dass Bauern einen Teil ihrer Ernte aufbewahren und im folgenden Jahr als Saatgut verwenden, kritisierten mehr als 30 Organisationen in Berlin zum Start einer Unterschriftenkampagne.

Mit der Terminator-Technologie werden Pflanzen so verändert, dass ihre Samen nicht mehr keimen. Dazu wird den Angaben zufolge ein „Selbstmord-Gen” erzeugt, das Gift produziert. Das Verfahren gefährde weltweit die Ernährungssicherheit, sagte Rudolf Buntzel vom Evangelischen Entwicklungsdienst.

1,4 Milliarden Menschen hängen nach seinen Worten in ihrem Lebensunterhalt direkt davon ab, dass sie eigenes Saatgut gewinnen. Weltweit werde 80 Prozent des eingesetzten Saatgutes aus der eigenen Ernte gewonnen. In Deutschland sind es nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft 35 bis 45 Prozent.

Bislang wird laut Buntzel die noch im Versuchsstadium befindliche Tech­nologie durch ein Moratorium der Konvention zum Schutz der Arten­vielfalt verhindert, die 160 Staaten unterschrieben haben. Der vorläufige Verwendungsstopp droht nach Angaben der Organisationen aber auf der kommenden Vertragsstaatenkonfe­renz im März in Brasilien zu kippen.

Buntzel forderte die Bundesregierung auf, dem Beispiel Brasiliens und Indiens zu folgen und das Verbot der umstrittenen Technologie im Gentechnik-Gesetz zu verankern. Nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dient die Terminator-Technologie entgegen der Argumentation der Saatgut-Produzenten nicht der biologischen Sicherheit. Vielmehr könne die genetische Eigenschaft der Samensterilität über Pollenflug auf  Nachbarfelder und Wildpflanzen übertragen werden.

Georg Janssen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sprach von einem „fundamentalen Angriff” auf die Bauern. Es bestehe die Gefahr, dass künftig eine Hand voll multinationaler Saatgut-Unternehmen bestimme, „was angebaut und gegessen wird”.  epd

Beteiligen sie sich an den Unterschriftenaktionen, u.a. im EineWeltLaden Altbach

Weitere Informationen im Internet:  www.freie-saat.de  und   www.biodiv.org

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Kinder brauchen ein Zuhause. Keinen Knast
20.000 Kinder im Gefängnis  -  "Kinder gehören in die Schule, nicht ins Gefängnis!“ Klaus J. Behrendt, Schauspieler

Die philippinische Kinderschutzorganisation PREDA schätzt, dass im eigenen Land rund 20.000 Kinder inhaftiert sind. Oft ohne Grund, ohne Urteil, ohne zu wissen, wann sie wieder freikommen. Straßenkinder werden wegen Bagatelldelikten weggesperrt oder von der Straße geholt, weil sie den Geschäftsleuten vor Ort nicht in deren heile Konsumwelt passen und Kunden sich an der Realität stoßen könnten. Weil sie hungrig sind, stehlen einige von ihnen Lebensmittel oder sie schnüffeln Klebstoff, um Hunger, Angst und ihre Ausweglosigkeit zu betäuben. In der Haft werden sie mit Erwachsenen zusammengesperrt. Sie werden dort von Pädophilen geschlagen und sexuell missbraucht.

Die Philippinen hab
en 1990 als eines der ersten asiatischen Länder die UN-Konvention über die Rechte des Kindes ratifiziert. Doch zwischen der Gesetzeslage und der Wirklichkeit liegen oft Welten:
Amnesty international schreibt: "Wir sind besorgt über eine Reihe beunruhigender Lücken im philippinischen Recht, die Kinder in der Haft der Misshandlung oder Folter aussetzen sowie extremen Verzögerungen und unangemessenen Strafen“. Quelle: ai-Dokument EUR 35/007/2003



Pater Shay Cul
len, Gründer und Leiter der PREDA-Stiftung, informiert über das Ausmaß des Problems: „Die Haftbedingungen sind unmenschlich, die Hygiene ist mangelhaft, die Verpflegung ist dürftig. Einige Kinder wurden von Polizisten aufgegriffen, um Eltern zur Zahlung eines Lösegelds zu zwingen. Straßenkinder, die wegen Bagatellen weggesperrt werden, haben keine Chance, selbstständig freizukommen. Ohne juristische Grundlage bleiben sie monate-, mitunter jahrelang inhaftiert.”

Selbst Kinder unter acht Jahren werden wegen Bagatellen ins Gefängnis gesteckt. Sie leiden unter sexuellem und physischem Missbrauch. Sie kennen ihre Rechte nicht, können ihre Eltern nicht informieren, haben keinen Zugang zu Anwälten oder Sozialarbeitern.
Mitglieder des Tatort-Vereins waren bei ihrer Reise von den Haftbedingungen schockiert. Sie erlebten, dass die Kinder mangelernährt sind, viele an Krankheiten und Hautausschlägen leiden. Die Zellen sind so überfüllt, dass die Kinder nicht einmal Platz zum Schlafen finden.

Die philippinischen Gefängniskinder sind traumatisiert, sie haben schlimme Erfahrungen gemacht und können kaum begreifen, was mit ihnen geschieht.

PREDA kümmert sich um sie:
 
n durch Besuche von Sozialarbeitern und Ärzten im Gefängnis
 
n durch legale Befreiungsaktionen aus den Gefängnissen
 
n durch ein Zuhause, in dem sie Therapie, Würde, Respekt und Bildung bekommen
 
n durch politische Kinderrechts-Aktivitäten auf den Philippinen und auf internationaler Ebene

Der Tatort-Verein leitet Ihre Spenden aus Deutschland für diese wichtigen Aufgaben zweckgebunden und direkt an PREDA weiter.
 

Pater Chay Cullen mit dem befreiten 15-jährigen Peter

Holt die Kinder aus dem Knast!
„Die Gefängniskinder brauchen ein Zuhause, jemanden, der sich um sie kümmert, eine Zukunft."
Dietmar Bär, Schauspieler

PREDA setzt sich seit mehr als 30 Jahren auf den Philippinen und weltweit für die Rechte von Kindern ein. Leiter und Gründer der Stiftung ist der irische Pater Shay Cullen, Träger des Menschenrechtspreises der Stadt Weimar. Für sein Engagement wurde er mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert.

In der Arbeit von PREDA spielt der Faire Handel eine zentrale Rolle. Mit regelmäßigen, guten Einkommen für die Landbevölkerung bekämpft PREDA die Landflucht, die ansonsten oft aus behüteten Kindern erst Straßenkinder macht. PREDA organisiert daher z. B. philippinische Mangobauern als Produzenten für den Fairen Handel. Über die Ravensburger Fairhandelsgenossenschaft dwp werden fair gehandelte Mangoprodukte nach Deutschland eingeführt. Dies schafft Zukunftsperspektiven: Kinder können die Schule besuchen und wachsen in einem intakten Zuhause auf statt auf der Straße.

Vom Verkaufserlös der „MangoMonkey"-Fruchtgummis in den bundesweit über 800 Weltläden und anderen Verkaufsstellen erhält PREDA einen festen Spendenanteil für die Gefängniskinderarbeit.

Gemeinsam mit PREDA und der dwp eG in Ravensburg setzt sich der gemeinnützige Verein „Tatort – Straßen der Welt e.V.” für die Gefängniskinder auf den Philippinen ein.
"Der Kauf von PREDAS Mangoprodukten macht Verbraucher in Deutschland zu Unterstützern der Rechte philippinischer Kinder" (Thomas Hoyer, Vorstand dwp eG)

Der Tatort-Verein wurde vom Team des WDR-Tatort-Krimis  „Manila” gegründet. Nach Dreharbeiten in den Slums von Manila wurden die prominenten Schauspieler Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär sowie weitere Mitglieder des Teams für die Kinderrechte aktiv.

Helfen Sie den Gefängniskindern mit Ihrer Spende! Für die rasche Befreiung aus dem Gefängnis sowie den Auf- und Ausbau von betreuten Wohn- und Therapieprojekten.

Spendenkonto 666 666 Sparda-Bank West BLZ 370 605 90 Tatort – Straßen der Welt e. V. c/o Colonia Media Filmproduktion Moltkestraße 131, 50674 Köln
www.tatort-verein.org
Tel.: 0221-9514040 Fax: 0221-9514044  -  E-Mail: kontakt@tatort-verein.org   
Gemeinnützig laut Freistellungsbescheid Finanzamt Köln-Mitte 215/5879/0057


Weitere ausführliche Informationen unter:
 www.gefaengniskinder.de         www.preda.org        www.dwp-rv.de
 

dwp-Info März 2006
Erste Erfolge für die Gefängniskinder

Das Wichtigste vorweg: Das philippinische Parlament hat vor wenigen Wochen erstmals ein Jugendstrafrecht verabschiedet, welches es - gemäß internationalem Recht - verbietet, Kinder und Jugendliche bis zu 15 Jahren zusammen mit erwachsenen Straftätern zu inhaftieren. Die Betroffenen sollen stattdessen in geeigneten Einrichtungen untergebracht werden. Ein toller internationaler Teilerfolg zahlreicher Lobbyaktionen - auch der gemeinsamen Kampagne von Preda, Tatort - Straßen der Welt e.V. und dwp. Wir danken an dieser Stelle allen Weltläden und Gruppen  (Der Eine Welt e.V. Altbach konnte aus einer Veranstaltung 172 Euro Spenden an den Tatort-Verein überweisen) , die die Kampagne in den vergangenen Monaten unterstützt haben und uns mit ihren Reaktionen, Aktivitäten und ihrer Spendenbereitschaft motivierten, unser Engagement fortzusetzen.

Wir bitten dennoch um Ihre weitere Unterstützung, damit den betroffenen Kindern tatsächlich geholfen werden kann. Denn bis das jetzt verabschiedete Gesetz umgesetzt ist, werden nach Einschätzung von Preda noch Jahre vergehen. Es gilt auch nicht „nur” Kinder aus dem unsäglichen Gefängnisalltag zu befreien, sondern ihnen in neu zu errichtenden Kinder- und Jugendheimen ein neues Zuhause zu geben. Daran werden wir mit unseren Partnern und hoffentlich auch mit Ihrer Unterstützung weiterhin arbeiten.


Die Kampagne soll nach heutigen Planungen mindestens bis Ende 2007 fortgesetzt werden.

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Stoppt Kinderhandel!                           Quelle: Aktionsbericht 2003 terre des hommes

 

 
»Ich bin unverkäuflich«


Kurz gesagt

Kinder, die wie eine Ware gehandelt werden ‑ gibt es das wirklich noch, zu Beginn des 21. Jahrhunderts? Was unvorstellbar erscheint, ist doch bittere Realität für Millionen von Mädchen und Jungen überall auf der Welt. Ob in Afrika, Asien, Amerika oder mitten in Europa ‑ sie sind Opfer eines ebenso skrupellosen wie gewinnträchtigen Geschäfts, das eine internationale Nachfrage bedient.

Kinderhandel ist freie Marktwirtschaft in ihrer brutalsten Form, ein Milliardengeschäft für die Drahtzieher im Hintergrund und die Ausbeuter der Opfer. Angesichts der alarmierenden Ausmaße, die der Handel mit Kindern in den vergangenen Jahren angenommen hat, entschied sich terre des hommes dieses Thema zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit zu machen. Seit Oktober 2001 kämpft das Kinderhilfswerk in Deutschland und mehr als 30 anderen Ländern der Welt mit einer Internationalen Kampagne gegen Kinderhandel.

In dieser Zeit ist einiges geschehen. Die unterschiedlichen Aktivitäten, von denen diese Veröffentlichung berichtet, zeigen, dass es möglich ist, für viele Kinder auf der Welt etwas zum Guten zu verändern. Denn selbst wenn es wie der Kampf zwischen David und Goliath anmutet: Die gewissenlose Ausbeutung von Kindern kann nicht einfach tatenlos hingenommen werden. Es gibt Erfolge, die Mut machen und die anspornen vielleicht auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, terre des hommes in seinem Einsatz gegen Kinderhandel zu unterstützen. Denn Kinder sind keine Ware.

Stoppt Kinderhandel!

In Zahlen

Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) werden etwa 250.000 Frauen und Mädchen in Südostasien jährlich Opfer von Menschenhandel. Nach Schätzungen der Europäischen Union werden jährlich zwei Millionen  Frauen und Kinder allein in die Prostitution, gehandelt davon eine halbe Million in die EU-Länder. Den Vereinten Nationen zufolge sind in Westafrika 200.000 Jungen und Mädchen Opfer von Kinderhandel.

Das Problem

Kinderhandel ist ein weltweites Verbrechen, das an keiner Landesgrenze Halt macht. Mädchen und Jungen werden verkauft, um als billige Arbeitskräfte in Industrie, Landwirtschaft und Haushalten, als Prostituierte oder als Diebe, Bettler und Drogenkuriere eingesetzt zu werden. Babys werden außerdem für kommerzielle Adoptionen gehandelt, Mädchen als Ehefrauen für arrangierte Hochzeiten. Häufig lassen sich die Kinder oder ihre Eltern mit falschen Versprechungen von einer Ausbildung oder einem guten Verdienst locken, denn in der Regel fehlen vor Ort Geld wie Lebensperspektiven. 

Internationalen Schätzungen zufolge sind jährlich mehr als eine Million Kinder Opfer dieses skrupellosen Geschäfts. Mit Kinderhandel lassen sich inzwischen Milliardengewinne ähnlich dem internationalen Waffen‑ und Drogenhandel machen.

Die Kampagne

lm Oktober 2001 hat terre des hommes eine Internationale Kampagne gegen Kinderhandel gestartet. Ihr Ziel ist es, die wachsende Ausbeutung von Jungen und Mädchen zu stoppen. Dafür setzt sich terre des hommes in Südostasien, Indien, Lateinamerika, im südlichen und im westlichen Afrika sowie in Europa ein. Mit Aufklärungskampagnen, politischem Einsatz für bessere Schutz- und Hilfsangebote sowie mit Unterstützungsprojekten für gehandelte und gefährdete Kinder trägt terre des hommes dazu bei, dass Kinderhandel keine Wachstumsbranche bleibt.
 

Die Kampagne wirkt!

Was hat die Kampagne schon erreicht?

Es gibt
● Kampagnenaktivitäten in mehr als 30 Ländern Afrikas, Asiens, Südamerikas und Europas
● engagierte Hilfsprojekte zum Schutz von Kindern und zur Betreuung der Opfer Plakate,
● Broschüren, Videos, Radio- und TV‑Spots sowie Unterrichtsmaterial für fast alle Kampagnenländer
● wirkungsvolle politische Arbeit, die in einigen Staaten bereits zu schärferen Gesetzen gegen Kinderhandel geführt hat (z.B.. Mosambik, Bolivien)
● zahlreiche Gesetzesinitiativen und Petitionen für einen besseren Schutz von Kindern
● erfolgreiche Kooperationen mit mehr, als 600 Organisationen zur gemeinsamen Bekämpfung des  Kinderhandels
● regelmäßige Fachkonferenzen mit prominenter Beteiligung im In‑ und Ausland
● rund 25 Recherchen zu Kinderhandel in verschiedenen Regionen der Welt

Kinderhandel verstößt gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Darin heißt es: Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten innerstaatlichen, zweiseitigen und mehrseitigen Maßnahmen, um die Entführung und den Verkauf von Kindern sowie den Handel mit Kinder zu irgendeinem Zweck und in irgendeiner Form zu verhindern. (Artikel 35)

Ein Beispiel: Kinderhandel in Europa


Die Situation

Insbesondere Westeuropa ist Ziel für Kinder aus den ost‑ und südosteuropäischen Nachbarstaaten. Aber auch au Asien, Afrika und Lateinamerika werden Jungen und vor allem Mädchen in die Europäische Union gehandelt. Nach Deutschland verkaufte Kinder werden zu Diebstählen gezwungen, als Hausmäd­chen gehalten, als Drogenkuriere eingesetzt oder als Prostituierte und für pornografische Filme sexuell ausgebeutet.

Auch der Adoptionskinderhandel findet seine Kunden in den EU‑Staaten. Durch den Zerfall Jugoslawiens und die politischen Umbrüche in den ehemals kommunis­tischen Ostblock­ländern ist es zu einem starken Anstieg von Kinder­handel gekommen: Fehlende Perspek­tiven vor Ort brin­gen besonders Mädchen dazu, auf die Verheißungen dubioser Vermittler hin ihr Glück im Ausland zu suchen. Fehlende Kenntnisse über Kinderhandel bei den zuständigen Behörden sowie eine restriktive Ausländerpolitik sorgen dafür, dass die Täter kaum zur Rechenschaft gezogen werden.



Was tut terre des hommes – Kampagne gegen Kinderhandel?

Die Informationslage verbessern

Um Unterstützung für seinen Einsatz gegen den weltweiten Kinderhandel zu gewinnen, informiert terre des hommes Menschen hierzulande über die Ursachen und Hintergründe dieses Verbrechens: In Kulturveranstaltungen, Straßenaktionen, Vorträgen und Fachkonferenzen wird deutlich gemacht: Kinderhandel geht jeden an. Über eine gezielte Ansprache von Politikern drängt terre des hommes auf bessere Unterstützungsangebote für gehandelte Kinder in Deutschland und eine uneingeschränkte Anwendung der UN‑Kinderrechtskonvention. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sowie im Nationalen Aktionsplan des Familienministeriums gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern haben Forderungen der Kampagne »Stoppt Kinderhandel« Eingang gefunden.

Mit zahlreichen Unterschriftenaktionen in Deutschland und in der Schweiz werden die Gesetzgeber zu einer konsequenteren Strafverfolgung aufgefordert.


Den Opfern beistehen


Seit Anfang 2000 widmet sich die Stiftung Terre des hommes Lausanne/ Schweiz im Rahmen der gemeinsamen Internationalen Kampagne der Bekämpfung des Handels von albanischen Kindern nach Griechenland. Diese Kinder werden dort vorwiegend zum Betteln und zum Straßenverkauf eingesetzt, häufig erleiden sie Gewalt und Missbrauch durch ihre Ausbeuter. Zusammen mit griechischen und albanischen Partnern werden Opfer ausfindig gemacht und in ihre Heimat zurückgebracht. Vorbeugungsarbeit in Schulen und gefährdeten Familien haben die Zahl der gehandelten Kinder zurück gehen lassen.

Im Dezember 2002 hat terre des hommes für diese Arbeit den »Preis für Menschenrechte« der französischen Republik erhalten.


Kampagne -  STOPPT KINDERHANDEL!


Logo Kampagne   Im Oktober 2001 hat terre des hommes eine Internationale Kampagne gegen Kinderhandel gestartet.
  
Unterschriftenaktion bis Herbst 2004

   Schreiben Sie an die Bundesregierung 

  Jedes Jahr werden weltweit Hunderttausende Kinder wie eine Ware verkauft. Sie werden als Arbeitssklaven eingesetzt, in Bordellen ausgebeutet oder zu kommerziellen Adoptionen vermarktet. Auch in Deutschland. Hierzulande verhindert die Vorbehaltserklärung der Bundesregierung gegen Artikel 22 (Schutz von Flüchtlingskindern) der UN-Kinderrechtskonvention außerdem eine angemessene Betreuung der Opfer und eine wirksame Verfolgung der Täter. Ausländische Jungen und Mädchen, die zur Ausbeutung nach Deutschland gehandelt wurden, erhalten nicht den Schutz, den sie gemäß der Kinderrechtskonvention erwarten könnten.

Trotz jahrelanger nationaler und internationaler Kritik seitens des UN‑Ausschusses für die Rechte des Kindes, des Bundestages und renommierter Menschenrechts-organisationen hält die Bundesregierung noch immer an dieser Vorbehaltserklärung fest.

Ich unterstütze diese Kampagne und fordere die Bundesregierung auf:

● den bestehenden Vorbehalt gegen die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen  zurückzunehmen. Die Konvention muss ohne Einschränkungen, gegenüber den  
   Opfern des Kinderhandels angewendet werden.
● das Asyl‑ und Ausländerrecht den Vorgaben der Kinderrechtskonvention anzupassen. Das Wohl des  Kindes muss grundsätzlich im Mittelpunkt aller Maßnahmen stehen. ● den Opfern von Kinderhandel eine Perspektive in Deutschland zu gewähren, sollte ihre Sicherheit im  Herkunftsland nicht garantiert sein.
● Zeugenschutzprogramme so zu gestalten, dass sie den minderjährigen Opfern von Kinderhandel  gerecht werden und es ermöglichen, die Täter zur Rechenschaft zu  
   ziehen.


Außerdem fordert die Kampagne auf internationaler Ebene:

weitere zentrale internationale Abkommen gegen Kinder­ bzw. Menschenhandel (lL0Konvention 182,   „Palermo‑Protokoll`) zu ratifizieren bzw. konsequent umzusetzen.
● zwischenstaatliche Abkommen zu schließen, um eine grenzübergreifende Bekämpfung des  Kinderhandels zu ermöglichen.
● die Ursachen von Kinderhandel zu bekämpfen. In den Herkunftsländern der Opfer  müssen existenzsichernde Maßnahmen und Aufklärungskampagnen durchgeführt 
   werden.

Name                                              Adresse                                                                                                             Unterschrift     

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Ich möchte über die Erfolge informiert werden.

 

Bitte senden Sie diese Liste zurück an:
terre des hommes Deutschland,  Ruppenkampstraße 11a, 49084 Osnabrück.
Weitere Infos unter www.tdh.de oder www.stopchildtraffiking.org
Sie können die terre des hommes‑Kampagne gegen Kinderhandel unterstützen: Konto 700 800 700, Volksbank Osnabrück, BLZ:265 900 25.

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Kampagne gegen Biopiraterie 

Was ist Cupuaçu?
Cupuaçu (botanisch: Theobroma Grandiflorum) ist dem Kakaobaum (Theobroma cacao L.) sehr nahe verwandt.

Seit langem nutzen Menschen der Amazonasregion seine Früchte als Nahrung. Heutzutage wird in Brasilien und Peru das Fruchtfleisch für die Herstellung von Eis, Fruchtsaft, Pralinen, Cremes, Gelees und Torten benutzt. Aus den nussähnlichen Samen wird in Brasilien die schokoladenartige Cupulate hergestellt. Cupulate wird seit langem von der amazonischen Bevölkerung hausgemacht. Ein industrielles Verfahren für dessen Herstellung wurde 1985 vom öffentlichen Forschungsinstitut „Embrapa Amazonia Oriental" in Belem (Amazonien) entwickelt, veröffentlicht wurde die Beschreibung 1990.
Im Bundesstaat Rondonia gibt das Projekt „Reca" ein gesundes Cupulategetränk kostenlos an Schülerinnen aus. 364 Familien sind als Kleinproduzenten zusa
mmengeschlossen und kooperieren mit Embrapa zum Wohle der Kinder und für ihre eigene Existenzgrundlage mit regionalen Produkten wie Cupuaçu. Das Projekt soll ausgebaut werden ‑wenn nicht die Biopiraten einen Strich durch die Rechnung machen.
Die BUKO‑Kampagne gegen Biopiraterie greift konkrete Biopirateriefälle auf und informiert die Öffentlichkeit. Mit Aktionen, Protest und juristischen Mitteln versucht die Kampagne, Patente zu kippen und an den Abkommen zu rütteln, die Biopiraterie begünstigen.

Schock für Cupuaçu‑Verarbeiter
traditionelle Frucht patentiert, ihr Name privatisiert

Cupuaçu‑Gelee wollten einige amazonische Kleinproduzenten vor drei Jahren nach Deutschland exportieren. Diese Idee alternativen Handels endete mit einer bösen Überraschung: Der Name Cupuaçu ‑ seit Hunderten von Jahren in Brasilien geläufig ‑ ist seit 1999 als Markenzeichen geschützt, und zwar von einer japanischen Firma namens Asahi Co. Asahi Co. zeigte sich sehr streitbar: Allein weil auf Geleegläsern der Name Cupuaçu erschien, wurde mit einem Bußgeld in Höhe von US$ 10.000 gedroht. Darüber hinaus hat diese Firma ein Patent auf die Herstellung und Verwendung von Fetten und Ölen aus Cupuaçu beantragt. Das Unternehmen will sich vor allem das alleinige Recht auf die Produktion einer Art von Schokolade aus Cupuaçu sichern: „Cupulate".
Die Erteilung dieses Patentes würde ihr das Monopol nicht nur darauf, sondern auf jegliche Anwendung dieser Rohmaterialien sichern, sei es für Kosmetik, Medizin oder Nahrungsmittel. Gelten soll es unter anderem in Europa, in Japan, in den USA und selbst in den Ursprungsländern der Frucht wie Brasilien.
Der angebliche Erfinder der Cupuaçuöl‑Nutzung, Nagasawa Makoto, ist zugleich Direktor der Firma Asahi Foods und der Nutzung International Inc. In der Begründung des Patentantrages behauptet Asahi, kein Mensch würde die Samen nutzen und Cupulate sei von den japanischen Mitarbeitern der Asahi Co. erfunden.


Biopiraten ins Stolpern bringen!      

Cupuaçu wird zum doppelten Stolperstein für die Biopiraten:


Kein Patent auf Leben!

Schon in der Antrags‑Phase bringen wir das Cupuaçupatent durch eine Einwendung in Bedrängnis ‑ mit Ihrer und Eurer Hilfe! Hunderte von ausgefüllten Postkarten wollen wir in einer kreati­ven, öffentlichen Aktion dem Europäischen Patentamt (EPA) in München übergeben. Dabei werden wir auch die bevorstehende   Umsetzung der sog. EU‑Biopatentrichtlinie in Deutschland thema­tisieren, die eine massive Zunahme solcher Patente auf Leben zur Folge haben wird. Wird das Cupuaçu‑Patent schließlich doch erteilt, ist ein Einspruch möglich, der zu einem öffentlichen Verfahren führt.
                                                         ► Unterschreiben! Losschicken! „Nein" sagen!         

„Erdbeeren®"? ‑ Pflanzennamen sind keine Marke!
Der Skandal um Cupuaçu® lässt schlimme Befürchtungen aufkeimen: Ist es vielleicht ab morgen verboten oder mit hohen Lizenzgebühren belegt, Erdbeeren als „Erdbeeren" zu bezeichnen oder zu verkaufen, weil ein Unternehmen daraus eine eingetra­gene Marke gemacht hat?
Die Markenrechte von Asahi Co. an dem Namen Cupuaçu müssen für nichtig erklärt werden ‑ oder Asahi soll auf diese Rechte verzichten! Öffentlicher Druck ist wichtig! Jeder Kauf einer Cupuaçu‑Praline von ihren ursprünglichen Herstellerinnen ist ein Einspruch gegen diese skandalösen Mar­kenrechte. Jede Diskussion unter Naschkatzen macht den Fall bekannter. „Naschen gegen Biopiraterie" wird ein Motto, das nicht nur schmeckt, sondern wirklich etwas bewegen kann. Die Kampagne hält die Leckerei bereit, eine jede ausgestattet mit Hintergrundinformationen. 
                                                          ► Ausprobieren! Weitersagen! Weitergeben! 


Mitmachen – vieles ist möglich


O Bitte schickt mir weitere Infos über den Widerstand gegen die Cupuaçu‑Patente !  
    O Ich möchte Einwendungspostkarten und noch mehr von diesen Infoflyern haben!
    O Ich möchte Produkte mit Cupuaçu hier in ___________verkaufen/an den Weltladen herantragen. Bitte nehmt Kontakt mit mir auf.
O Ich möchte in meiner Stadt eine Veranstaltung zu Biopiraterie organisieren und bitte um Referentinnen‑Vorschläge.


informiert sein

O      Schickt mir den „Kaperbrief", die Zeitung der Kampagne  gegen Biopiraterie! (kostenfrei, Spenden erwünscht)
O      Ich möchte mehr wissen. Bitte schickt mir Eure Materialliste!
O      Nehmt mich auf in den Info‑E‑mail‑Verteiler der Kampagne (kostenlos, 5‑10 Mails/Mon.), meine Adresse: ................     

Die Kampagne unterstützen

O Ich spende Euch für die Weiterarbeit gegen Biopiraterie EUR auf das Konto  „BUKO ‑ VzF e.V.", Kto.‑Nr. 234 389, bei der Ev. Darlehensgen. Kiel,
    BLZ 210 602  37. Stichwort „Biopiratenkampagne"
    Wir freuen uns über jede Rückmeldung ‑ Absender nicht vergessen! ‑per Brief oder Fax:

BUKO Kampagne gegen Biopiraterie:    Nernstweg 32‑34, 22765 Hamburg -  Fax: 040‑399 00 629 -  Info@biopiraterie.de

Den Stein ins Rollen bringen

die Kampagne gegen Biopiraterie unterstützen

Die Fortschritte der Biotechnologie und Erkenntnisse über die biologische Vielfalt haben einen neuen Wettlauf der Konzerne um Gewinne eröffnet: die Jagd nach dem grünen Gold der Gene. Wir nennen sie „Biopiraten": die, die mittels Patenten, strengem Sortenschutz und Warenzeichen versuchen, sich einen exklusiven Zugang zu Nutz‑ und Heilpflanzen, auch zu ihren Teilen und Genen zu sichern ‑ und dabei die Zerstörung der biologischen Vielfalt in Kauf nehmen und die Leistungen indigener Gemeinschaften ignorieren.
Meist geschieht Biopiraterie durch Saatgut‑ und Chemieunternehmen der Industrieländer mit Material aus den artenreichste Ländern des Südens. Gesetze und internationale Abkommen begünstigen allzu oft die Biopiraterie. Biopiraterie folgt der kapitalistischen Logik, immer weitere Bereiche des Lebens in Ware zu verwandeln, um sie verwerten zu können. 
Die Kampagne lebt von der Beteiligung vieler Menschen an ihre Arbeit und ihren Aktionen. Weitere Mitstreiterinnen sind willkommen, die Kampagne vermittelt auch Referentinnen für Vorträg und Workshops.
Spenden und Zuschüsse ermöglichen Publikationen, Bildungsarbeit und einen immer lauteren Protest gegen Patente auf Lebe und Biopiraterie. Wir freuen uns über jede Spende ‑ Spendenquittungen können ausgestellt werden.

Spenden bitte mit dem Stichwort: „Biopiraterie'. auf das Konto: „BUKO‑VzF e.V"., Kto.‑Nr. 234 389 bei der Ev. Darlehensgen. Kiel, BLZ 210 602 37.
Dieses Infoblatt wurde gefördert von misereor und dem Aktionsgruppenprogramm Inwent. Sein Inhalt muss nicht mit der Meinung der Förderer übereinstimmen.
VJ.SA.P.: Jutta Sundermann, Nernstweg 32‑34, 22765 Hamburg

Unterstützen Sie die Aktion, schreiben Sie Ihre Unterstützungspostkarte (Text unten) an BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg

An das Europäische Patentamt in München

Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich möchte die Einwendung gegen das Patent (EP 1219698A1) unterstützen.

Der Firma Asahi Co. darf dieses Patent nicht erteilt werden, denn ....
●   die Nutzung der Öle und Fette aus Cupuaçu ist nicht neu, sondern hat eine lange Tradition in Brasilien.
●   Die Nutzung zur Schokoladenherstellung wurde mehrfach in der Fachliteratur beschrieben, u.a. 1990 vom öffentlichen Forschungsinstitut
     „Embrapa Amazộnia Oriental" in Belem (Amazonien).
●   Die Erteilung dieses Patentes schränkt für die Menschen die Nutzung einer traditionellen Pflanze ein, die sie seit Jahrhunderten kennen, verwenden und
     erhalten. Ich bin gegen Patente auf Leben und gegen die Privatisierung  von Natur.

 Datum, Unterschrift:

 

Letzte Meldung: Cupuaçu ist eine Frucht, kein Warenzeichen. Das japanische Patentamt (JPO) hat nach Angaben der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie im März 2004 entschieden, das Warenzeichen "Cupuaçu" zu löschen. Cupuaçu ist der Name einer amazonischen Frucht und wurde 1998 von der japanischen Firma Asahi Foods in Japan als Warenzeichen eingetragen. Die JPO-Prüfer stimmten  mit der Argumentation der Kritiker überein. (SüdZeit 7/2004).

Die Einwendung gegen den Patentantrag wurde auch dem Europäischen Patentamt in München übergeben. Dort steht die Entscheidung noch aus. Es soll erreicht werden, dass auch das Europäische Markenamt in Alicante Cupuaçu aus dem Markenregister streicht.

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Menschenrecht  Wasser                 www.menschen-recht-wasser.de 

Ohne Wasser kein Leben

Wasser ist unverzichtbar und unersetzlich für Mensch und Natur. Wasser ist ein Lebensquell, der für jeden Menschen zugänglich sein muss. 2003 stehen wichtige Entscheidungen über die Zukunft der weltweiten Wasserversorgung an.

Wasser wird knapp
Jeder fünfte Mensch kann heute seinen täglichen Wasserbedarf nicht decken. 6.000 Menschen sterben täglich an den Folgen verunreinigten Trinkwassers. Eine bedrohliche Situation, die durch den Klimawandel, durch Verschwendung und Verschmutzung stetig verschärft wird. Wenn diese Entwicklung weiter voranschreitet, wird im Jahr 2025 über die Hälfte der Menschheit keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser haben.


2003 ‑ Jahr des Süßwassers

Um auf die Wasserkrise aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen 2003 zum Internationalen Jahr des Süßwassers erklärt. Bereits auf dem Erdgipfel 2002 in Johannesburg war der Umgang mit Wasser ein zentrales Thema. Hier vereinbarte die Staatengemeinschaft, bis 2015 die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen zu halbieren. Die Wege dorthin sind strittig.

Angesichts der Schuldenlast der Regierungen ‑ insbesondere im Süden ‑ richtet sich so manche Hoffnung auf eine stärkere Rolle der privaten Wirtschaft.

Wasser ist keine Handelsware ...

Seit Anfang der Neunziger Jahre privatisieren immer mehr Industrie‑ und Entwicklungsländer ihre Wasserversorgung. Große europäische Versorgungskonzerne wie Vivendi, Suez oder RWE wollen in erster Linie Gewinne mit dem „blauen Gold" machen. Die Proteste nehmen zu. Vor allem die Ärmsten fürchten um den Zugang zu Wasser. Der philippinische „Brot für die Welt"‑Partner
Freedom From Debt Coalition fragt: „Wenn Privatisierung höhere Preise bedeutet und dazu mehr Ineffektivität bei der öffentlichen Versorgung, wofür ist sie dann gut?"
Doch die Öffnung des Weltmarktes für die Wasserversorgung geht weiter. Darüber verhandelt gegenwärtig die Welthandelsorganisation (WTO) und will dies in einem Abkommen über die Liberalisierung von Dienstleistungen (GATS) unumkehrbar besiegeln.


... sondern ein Menschenrecht!

Das Komitee für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der Vereinten Nationen hat dagegen 2002 festgestellt: Jeder Mensch hat das Recht auf ausreichendes, sauberes und erschwingliches Wasser. Die Staaten sind verpflichtet, dieses Recht auch für künftige Generationen zu sichern. „Brot für die Welt" setzt sich gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen im Süden dafür ein, dass dieser Beschluss umgesetzt wird. Insbesondere für die Armen muss der Zugang zu Wasser garantiert sein. Unterstützen Sie uns dabei und machen Sie mit bei der Flaschenpostaktion an die Bundesregierung.

Die Lebenschancen von Mensch und Natur hängen vom Wasser ab. Sein Schutz erfordert langfristige Maßnahmen im ökologischen, im sozialen und im politischen Bereich. Deshalb darf seine Zukunft nicht allein von Welthandelsinteressen abhängen.

 Fordern Sie daher mit uns von der Bundesregierung,
• dass die Wasserversorgung aus den WTO‑GATS-Verhandlungen herausgenommen wird;
• das vom Erdgipfel in Johannesburg beschlossene Ziel zu verwirklichen: Halbierung der Anzahl der Menschen ohne Wasser‑ und Abwasseranschluss bis 2015;
• auf allen Ebenen der nationalen und internationalen Politik das Menschenrecht auf Wasser zu respektieren und zu fördern.

Unter www.menschen-recht-wasser.de finden Sie aktuelle Informationen und Aktionshinweise zur neuen Kampagne von Brot für die Welt. Surfen Sie auf unserer Wasserseite!
 

Machen Sie mit! Flaschenpost an die Bundesregierung     Ihre Unterschrift ‑ und ab die Post an „Brot für die Welt“
Mit Ihrer Postkarte können Sie eine Menge bewegen: Schicken Sie Ihre Karte mit Ihrer Unter­schrift an Brot für die Welt, MenschenRechtWasser, Postfach 10 11 42 , 70010 Stuttgart ‑ und wir senden eine Flaschenpost mit allen gesammelten Karten nach Berlin. Eine Post, die nicht so einfach unter den Tisch zu kehren ist.


Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

ich bin besorgt darüber, dass die Trinkwasserversor­gung weltweit liberalisiert werden soll. Zugang zu Trinkwasser ist lebensentscheidend und kann nicht allein Marktgesetzen überlassen bleiben. Bitte setzen Sie sich dafür ein,
dass die Wasserversorgung aus den WTO‑GATS‑Verhandlungen herausgenommen wird.

Vor allem die Ärmsten in den Entwicklungsländern dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Deshalb erwarte ich von der Bundesregierung entschiedenes Engagement für,
das vom Erdgipfel in Johannesburg beschlossene Ziel: Halbierung der Anzahl der Menschen ohne Wasser- ­und Abwasseranschluss bis 2015. Dabei müssen die Ärmsten im Mittelpunkt im stehen.

Wasser ist ein Menschenrecht. Für seine Verwirklichung braucht es verbindliche staatliche Vereinbarungen jetzt und auch in Zukunft. Bitte sorgen Sie dafür,

• dass die Bundesregierung auf allen Ebenen der nationalen und internationalen Politik das Menschenrecht auf Wasser respektiert und fördert.


Mit freundlichen Grüßen

Datum, Ort      Unterschrift

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Quelle Stuttgarter Zeitung Nr. 270 – 20.11.04
Noch immer lechzen Millionen Afrikaner nach frischem Wasser
Der schwarze Kontinent will seine Güter gerechter verteilen – die grüne Staatssekretärin Uschi Eid schöpft Hoffnung, dass Afrika das Elend erfolgreich bekämpfen kann.

Südlich der Sahara haben 288 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Vielerorts ist die Kanalisa­tion mangelhaft. Das führt zu tödlichen Krankheiten. Die UN versuchen nun, das Elend einzudämmen.
Von Christoph Link, Kampala


Mittagszeit im Wasserministerium von Kam
pala. Gerade hat der ugandische Wasser- und Umweltminister Kandida Otafiire dem deut­schen Staatsgast erklärt, dass die „heimliche Ministerin” ja eigentlich neben ihm sitze und seine Stellvertreterin Maria Mutagamba sei, da klappen seine Augenlider auch schon zu - Nickerchen am Konferenztisch. Die Schläfrigkeit des Ministers wird von Uschi Eid, der Parlamentarischen Staatssekretärin im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Beraterin von Kofi Annan in Wasserfragen, charmant überspielt. Nicht der müde Minister, sondern ein aufgewecktes früheres Staatsunternehmen - die Nationale Wasser-und Abwasser-Gesellschaft (NWSC) - ist der Anlass ihres Besuchs.

An vielen Baustellen in der ugandischen Hauptstadt sind die
in nagelneue Blaumän­ner Blaumänner gekleideten NWSC-Handwerker beim Verlegen von Wasserleitungen zu sehen. Die NWSC hat in den vergangenen vier Jahren die Versorgungsquote um 10 bis 20 Prozent erhöht: auf 55 Prozent auf dem Lande und auf 65 bis 70 Prozent in den 19 von der NWSC belieferten Städten Ugandas. „Der Strom wird manchmal abgeschaltet, aber die Wasserversorgung ist top”, loben westliche Diplomaten in Kampala. Unsauberes Trinkwasser ist einer der Hauptgründe für Krankheiten in Schwarzafrika, 288 Millionen Menschen südlich der Sahara haben keinen Zugang zu hygienisch einwandfreiem Wasser, schätzt die Weltgesundheitsbehörde; eine Haupttodesursache bei Kindern ist Diarrhöe.

Die NWSC ist noch ein Staatsbetrieb, aber
die Einführung von Verträgen mit 15 priva­ten Managern hat das Unternehmen beflügelt. „Wir haben die Reformen in unserem eigenen Haus gezüchtet”, sagt der Geschäftsführer William Muhairwe. Der Mitarbeiterstab wurde von 1800 auf nur noch 700 verkleinert, die Motivation durch eine Mitarbeiterzeitung und Anreize wie Preisverleihungen oder Kredite für den Kauf eines Autos erhöht. „Früher kamen Mitarbeiter nach 9 Uhr zum Dienst, heute hat jeder spätestens um 8.15 Uhr da zu sein”, sagt der Vorstandsvorsitzende Samuel Okec.

Defekte Wasserzähler, mangelhafte Gebührenerhebung und ein marodes Leitungsnetz sind ein häufiges Problem von Wasser
versorgern in Afrika. Das kenianische Kisumu am Viktoria-See, quasi eine Nachbarstadt von Kampala, hat bei 400 000 Einwohnern nur eine Wasserversorgung für 6000 Kunden, und das, obwohl die Stadt am Ufer des zweitgrößten Süßwassersees der Welt liegt. In Kisumus Wasserwerken ist gerade erst mit einem privatwirtschaftlichen Management begonnen worden, in Kampala feiert es schon Erfolge. Detektive gehen zahlungssäu­migen Wasserkunden nach. Für die hohen Investitionen in die Wasserwerke muss immer noch die Hilfe ausländischer Geber in Anspruch genommen werden. Vor allem Deutschland, das Uganda jährlich mit rund 15 Millionen Euro unterstützt, investiert in das ugandische Versorgungsnetz. Zwar schreibt die früher mit monatlich 200 000 Dollar defizitäre NWSC inzwischen schwarze Zahlen - gerechnet wird mit 1,8 Millionen Euro Gewinn im Jahr -, aber für die hohen Investitionen ins Netz reicht das nicht aus.

Mit Niederschlagsmengen von 1000 bis 2000 Millimetern im Jahr ist Uganda nicht regenarm, aber das Wasser wurde bisher ungerecht verteilt. Aus dem Wasserhahn der NWSC kosten 1000 Liter Trinkwasser umgerechnet 0,25 Euro, fliegende Händler in den Slums von Kampala verlangen jedoch in Dürrezeiten für einen 20-Liter-Kanister mit Wasser schon umgerechnet 0,10 Euro - hochgerechnet auf einen Kubikmeter sind das fünf Euro, ein Wucherpreis, unter dem die Ärmsten leiden. Der Wassersektor sei einer der acht Bereiche, in dem die Millenniumsziele bis 2015, welche die Halbierung der Armut vorsehen, erreicht werden könnten, sagte Uschi Eid in Kampala. Das sei zumindest ihr „fester Wille”. Die Politikerin ist Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, und sie wurde jüngst vom UN-Generalsekretär Kofi Annan in den Beratungsausschuss für Wasserfragen ernannt. Bis 2015
wollen die UN den Anteil jener Menschen, die ohne sauberes Wasser und Kanalisation leben, halbieren.

Ein zweites Anliegen der UN und der EU ist die Selbstorganisation afrikanischer Wasserkonferenzen, die sich mit der Nutzung regionaler Reservoirs wie Nil, Limpopo oder Tschadsee befassen. Allein die EU hat für die Förderung der Wasserversorgung in Afrika ein Budget von zweimal 250 Millionen Euro im Rahmen der „African Water Facility” bereitgestellt. Dies sei eine gigantische Summe, sagen Beobachter, die gar nicht so leicht auszugeben sei. Einheitliche Standards für Statistiken oder Erfahrungsaustausch im Brunnenbau sollen auf Konferenzen der afrikanischen Wasserminister besprochen werden, friedliche Lösungen sollen gesucht werden. 2003 hatte zwischen Ägypten und den Quellländern Uganda, Tansania und Äthio­pien eine Art „Krieg um den Nil” gedroht.


Bei diesem Thema ist Ugandas Wasserminister Otafiire hellwach: Angesichts einer Trockenheit und fallender Grundwasserpegel sei es populär für ostafrikanische Parlamentarier gewesen, über das Nilwasser zu reden, sagt der frühere Widerstandskämpfer Otafiire: Jeder wolle ein „Stück vom Kuchen”. Bisher ist es bei Wortattacken geblieben.

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     Gerechtigkeit Jetzt! 
     Die Welthandelskampagne

                Quelle: weltläden aktuell Nr. 88 – September 2003

Ein breites Bündnis für mehr Gerechtigkeit im Welthandel ist in Deutschland entstanden. Der Weltladen‑Dachverband hat auf der vergangenen Verbandratssitzung beschlossen, dieser Kampagne beizutreten, denn Welthandel ist nun mal das Thema der Weltläden. Tobias Reichert vom Forum Umwelt und Entwicklung beschreibt die Grundzüge der Kampagne.

Der Welthandel ist ungerecht! Für Mitarbeiter/innen von Weltläden ist dies keine ganz neue Erkenntnis. Die Probleme der Länder des Südens gehen heute aber weit über den Verfall der Kaffee‑ und anderer Rohstoffpreise hinaus:

•  Die USA und Europa verkaufen überschüssige Lebensmittel zu künstlich verbilligten Preisen in Entwicklungsländer.
   Die Folge: Viele Kleinbauern verlieren ihre  Lebensgrundlage.

•  Immer mehr Saatgut wird patentiert.
   Die Folge: Bauern zahlen Lizenzgebühren an multinationale Agrarkonzerne.

•  Viele Industrieländer schotten ihre Märkte gegenüber Produkten aus Entwicklungsländern (z.B.: Textilien)  ab.
   Die Folge: Vielen Ländern entgehen Einkommenschancen.

•  Wichtige Fragen der Handelspolitik werden hinter verschlossenen Türen entschieden.
   Die Folge:  Demokratische Kontrolle findet kaum statt und Industrielobbys geben den Ton an.

•  Öffentliche Dienste wie die Wasserversorgung werden zunehmend privatisiert und dem internationalen Wettbewerb unterworfen.
   Die Folge: In vielen Ländern können sich Arme lebenswichtige  Grunddienstleistungen nicht mehr leisten.
 
Die Regeln für den Welthandel werden in der Welthandelsorganisation WTO festgelegt. Im November 2001 begann eine neue Verhandlungsrunde mit dem Anspruch, die Interessen der Entwicklungsländer in den Vordergrund zu stellen. Im bisherigen Verlauf der Verhandlungen waren die Industrieländer aber nicht bereit, auf Forderungen des Südens einzugehen. Stattdessen drängt gerade die Europäische Union darauf, die Zuständigkeit der WTO auf neue Bereiche wie Investitionsregeln auszuweiten und damit multinationale Unternehmen weiter zu stärken. Der Entwicklungsanspruch ist bislang Rhetorik geblieben.

Mit der wachsenden Ungerechtigkeit in der Handelspolitik wollen sich immer mehr Menschen nicht abfinden und werden aktiv. Im Juni 2002 versammelten sich vor dem britischen Parlament in London über 12.000 Menschen, um ihren Parlamentsabgeordneten Schlüsselforderungen zu mehr Gerechtigkeit im Welthandel vorzutragen. Organisiert wurde diese Aktion vom "Trade Justice Movement "(Bewegung für Gerechtigkeit im Welthandel), einem Bündnis von über 50 Entwicklungs‑ und  Umweltorganisationen. Solche breiten Bündnisse für mehr Gerechtigkeit im Welthandel entstehen auch in anderen Ländern, Z.B. in Irland, Schweden, in der Schweiz und jetzt auch in Deutschland:
Brot für die Welt, Misereor, Germanwatch, der Evangelische Entwicklungsdienst, WEED, FIAN, die BUNDjugend und das Forum Umwelt und Entwicklung haben die Initiative ergriffen, eine Bewegung für mehr Gerechtigkeit im Welthandel auch in Deutschland aufzubauen. Als erste Aktion wurden die Bundestagsabgeordneten in einem Brief aufgefordert, sich für die Interessen der Entwicklungsländer in der WTO einzusetzen, und es gab eine kleine Demonstration während der Bundestagsdebatte. Das Interesse der Abgeordneten war groß, einige bezogen sich während der Debatte sogar auf die Kampagne. Auch von engagierten Einzelpersonen und Aktionsgruppen, gibt es zahlreiche Anfragen, sich an der Kampagne zu beteiligen.

Nach der nächsten WTO-Konferenz im September in Cancun wird die Kampagne stärker auf breitenwirksame Aktionen setzen. Die Weltläden und andere Akteure des Fairen Handels sind dazu herzlich eingeladen. Eine große Konferenz von Gerechtigkeit jetzt ist im November geplant.

Wer die Kampagne unterstützen und über die Aktivitäten auf dem laufenden bleiben will, kann die Homepage www.gerechtigkeit-jetzt.de   besuchen, oder sich wenden an:
Gerechtigkeit jetzt ‑ Die Welthandelskampagne Am Michaelshof 8‑10 53177 Bonn 0228‑3681010 Info@gerechtigkeit‑jetzt.de

Kernforderungen der Kampagne

M
it unserer Kampagne treten wir für Gerechtigkeit im Welthandel ein. Wir fordern Handelsregeln, die allen Menschen, insbesondere den Armen, und der Umwelt dienen. Die bestehende Welthandelsordnung muss grundlegend umgestaltet werden. Als Teil einer vielfältigen internationalen Bewegung laden wir alle Menschen ein, sich mit uns für eine andere deutsche und europäische Handelspolitik nach folgenden Grundsätzen einzusetzen:

•  Welthandel geht uns alle an: Deshalb brauchen wir eine faire,  transparente und demokratisch kontrollierte  Handelspolitik.
•  Freihandel ist kein Wert an sich: Deshalb muss Handelspolitik Menschenrechten, Armutsbekämpfung  und Umweltschutz dienen.
•  Alle Länder haben das Recht, ihre Wirtschaft selbst zu steuern: Deshalb dürfen die politisch und  wirtschaftlich Starken die ärmeren Länder nicht länger zur 
   Marktöffnung  drängen.
•  Angemessene Ernährung, Bildung und Gesundheitsversorgung sind Menschenrechte: Deshalb darf die staatliche Verpflichtung zur Realisierung dieser Rechte nicht 
   durch die Welthandelspolitik ausgehöhlt  werden.
• Menschen und Umwelt müssen Vorrang vor Unternehmensprofiten haben: Deshalb müssen  Unternehmen und ihre Investitionen durch verbindliche soziale und 
  ökologische Standards reguliert  werden.

 

Aktionswoche für globale Gerechtigkeit vom 8.-15. April 2005

Gerechtigkeit im Welthandel ist in weiter Ferne. Noch immer bestimmen die Interessen der reichen und mächtigen Staaten die Welthandelspolitik und lassen vor allem den wirtschaftlich schwachen Ländern wenig Spielraum. Menschenrechte und Umwelt finden kaum Beachtung.

Die Regeln des Welthandels werden in der Welthandelsorganisation (WTO) festgelegt. Im November 2001 begann in Doha eine neue mehrjährige Verhandlungsrunde: die sogenannte Entwicklungsrunde. Die Industrieländer haben versprochen, dabei die Interessen der Entwicklungsländer in den Vordergrund zu stellen.

Doch dies bleibt Rhetorik: Die gescheiterte WTO-Ministerkonferenz im mexikanischen Cancün im September 2003 und auch die letzten Verhandlungen im Sommer 2004 zeigen, dass die Entwicklungsversprechen kaum eingelöst sind.

Die Anliegen der Armen dieser Welt finden zu wenig Beachtung in der internationalen Handelspolitik. Deswegen wollen wir ihnen in Deutschland Gehör verschaffen. Denn Gerechtigkeit ist keine Ansichtsache.

Um den Ungerechtigkeiten etwas entgegen zu setzen, wurde auf einem internati­onalen handelspolitischen Treffen mit Teilnehmenden aus 50 Ländern im November 2003 in Neu Delhi die Idee einer
»global week of action« entwickelt.

Unter dem Motto »Setting the peoples' agenda« werden im April 2005 in zahlreichen Ländern Aktionen stattfinden, mit denen sich Menschen für einen gerechten Welthandel einset
zen. Die Umkehr der vorherrschenden neoliberalen Handelspolitik im Interesse der Verwirklichung der Menschenrechte und der Armutsbekämpfung ist dringend erforderlich.

Im Rahmen der Aktionswoche vom 8.-16. April 2005 ruft
Gerechtigkeit jetzt! die Welthandelskampagne dazu auf, sich auch in Deutschland für eine gerechtere Welthandelspolitik einzusetzen.

Forderungen der Aktionswoche

Kein Ausverkauf der Wasserversorgung an Konzerne!
Die EU fordert in den GATS-Verhandlungen der Welthandelsorganisation die Öffnung der Märkte des Südens für europäische Wasser-Konzerne. Wasser kann aber nicht wie eine beliebige Ware behandelt werden. Auch der Bundestag hat sich dagegen ausgesprochen, diese Marktöffnung gegenüber Entwicklungsländern zu fordern. Herr Minister Clement, setzen Sie sich dafür ein, dass die EU diese Forderungen zurücknimmt. Der Zugang zu Wasser ist ein Menschenrecht.

Handelspolitik nicht über unsere Köpfe hinweg!

Die EU und die Bundesregierung räumen den Interessen von Wirtschaftslob
­byisten zu großen Einfluss in der Welthandelspolitik ein. Welthandelspolitik betrifft aber alle Menschen: Menschenrechte, Sozialstandards und Umweltschutz kommen so zu kurz. Herr Minister Clement, sichern Sie deshalb vollständige und rechtzeitige Informationen sowie eine deutlich stärkere Beteiligung der Zivilgesellschaft und des Deutschen Bundestages und ordnen Sie sich demokratischen Entscheidungen unter. Handelspolitik muss demokratisch gestaltet werden.

Kein Freihandel auf Kosten der Umwelt!

Umweltschutz ist aus Sicht der Welthandelsorganisation (WTO) ein Handels
hemmnis. Deswegen entscheidet sie im Zweifel gegen die Umwelt. Umweltpolitische Maßnahmen und Umweltschutzabkommen dürfen nicht durch die Regeln der WTO ausgehebelt werden. Herr Minister Clement, sorgen Sie dafür, dass internationale Umweltabkommen Vorrang vor WTO-Regeln haben. Umwelt ist unsere Lebensgrundlage, keine Ware.

Ernährung weltweit
sichern!

Die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) setzen einseitig auf Handels
liberalisierung - auch im Agrarbereich. Sie begünstigen die Agrarindustrie und bedrohen damit die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die im Wettbewerb nicht mithalten kann. Dadurch gefährden diese Regeln die Ernährungs-sicherheit in vielen Ländern des Südens. Herr Minister Clement, setzen Sie sich deshalb für einen wirksamen Schutz der kleinbäuerlichen Land-wirtschaft und der Produktion von Grundnahrungsmitteln in der Welthandelspolitik ein. Ernährung ist ein Menschenrecht.

Gerechtigkeit jetzt! - Die Welthandelskampagne
Am Michaelshof 8-10, 53177 Bonn Aktionstelefon: 
0228-368 3932 Fax:   0228-92 39 93 56
Email:   
info@gerechtigkeitjetzt.de   Web:  http://www.gerechtigkeit-jetzt.de

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 Ernährung sichern! – für eine globale Agrarwende
Eine gemeinsame Initiative von FIAN, Weltladen-Dachverband und Germanwatch

Links für weitere Informationen
am Schluss dieser Seite

 

Mangel im Überfluss?!

Auf der Erde hungern mehr als 800 Mio. Menschen.
Dabei werden genügend Nahrungsmittel für alle produziert. Statistisch stehen heute weltweit pro Kopf 15% mehr Nahrung zur Verfügung als noch vor 20 Jahren ‑ und die Getreideproduktion hat sich in den letzten 40 Jahren verdreifacht.

Trotzdem haben fast eine Milliarde Menschen keinen gesicherten Zugang zu ausreichender Ernährung. Daran hat auch die starke Ausweitung des Welthandels nichts geändert: Obwohl der internationale Handel mit Nahrungsmitteln noch schneller wächst als die Produktion, ist der Hunger geblieben.

Im Gegenteil: gerade die ungerechte Handelsordnung bedroht die Ernährungssicherheit in den Entwicklungsländern.

Für einen fairen Welt-Agrarhandel

Kleinbauern und ‑Bäuerinnen in Entwicklungsländern tragen in hohem Maße zur Ernährungssicherheit der Bevölkerung bei.
Durch das Agrarabkommen der Welthandelsorganisation WTO das die Regeln für den internationalen Agrarhandel festsetzt, sind sie aber vielfach benachteiligt worden. Denn während die bäuerliche Landwirtschaft in Entwicklungsländern ohne staatliche Förderung auskommen muss, subventionieren die EU und die USA ihre industrielle Landwirtschaft noch immer mit Milliardenbeträgen. Das drückt die Preise auf dem Weltmarkt; Millionen von Kleinbauern und ‑Bäuerinnen in Entwicklungsländern geraten wegen der niedrigen Preise für ihre Produkte in Armut.

Besonders ruinös wirken Exportsubventionen, mit denen Industrieländer ihre Agrarexporte zu Dumping‑Preisen absetzen Können: Die einheimische Produktion von Nahrungsmitteln in Entwicklungsländern lohnt sich nicht mehr ‑ die Landbevölkerung wird arbeitslos und wandert in die Slums der Städte ab.

Gegen diese Billig‑Importe aus Industrieländern dürfen sich Entwicklungsländer kaum schützen, während die USA und die EU ihre Märkte immer noch weitgehend abschotten. So belegt denn auch wie eine Studie der Welternährungsorganisation FAO, dass die meisten Entwicklungsländer die Verlierer der Liberalisierung des Weltagrarhandels sind: Die Märkte in den Industrieländern bleiben ihnen für viele Produkte verschlossen, und die eigenen Erzeugerinnen verlieren aufgrund der Billigimporte sogar noch den Zugang zu den lokalen Märkten. Von der Liberalisierung profitieren also die Industrieländer ‑ trotz gegenteiliger Rhetorik. Daher sind faire Regeln für den Weltagrarhandel nötig. Das bedeutet: 

u Schutzmöglichkeiten für die kleinbäuerliche Produktion von Grundnahrungsmitteln in  
        Entwicklungsländern (die so genannte „development box" im Agrarabkommen)

 u Schneller Abbau der Exportsubventionen der Industrieländer

 u Öffnung der Märkte im Norden für landwirtschaftliche Produkte aus Entwicklungsländern

 u Subventionen werden an soziale und ökologische Kriterien gebunden. Nur so kann  
         gewährleistet werden, dass die Ernährungssicherung in Entwicklungsländern Vorrang vor den
        Wirtschaftsinteressen der Industrieländer hat.
 

Die Welthandelsorganisation WTO bedroht das Recht, sich zu ernähren

Das Recht sich zu ernähren ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sowie im Sozialpakt der Vereinten Nationen festgeschrieben und somit völkerrechtlich bindend. Deshalb sind auch die WTO und ihre Mitgliedsstaaten zur Achtung des Rechts auf Nahrung verpflichtet, wenn sie die Regeln des Agrarhandels festsetzen.

Das WTO­Agrarabkommen bedroht jedoch dieses Menschenrecht. Subventionierte Importe aus Industrieländern drängen Kleinbäuerinnen und ‑Bauern an den Rand ihrer Existenz. In Brasilien schließen traditionelle Milch‑Kooperativen, während große agroindustrielle Betriebe wachsen.

Hohe Preisschwankungen und fehlende Regeln für den einheimischen Markt belasten schwache Bevölkerungsgruppen. Menschenrechte sind vorrangige internationale Verpflichtungen. Folglich muss auch das WTO‑Agrarabkommen auf seine menschenrechtlichen Auswirkungen überprüft werden.

Die WTO braucht eine Kontrolle durch die Vereinten Nationen.

 Zum Beispiel: „Reis“

Reis ist das Hauptnahrungsmittel für über die Hälfte der Weltbevölkerung. Unzählige Sorten und Anbaumethoden sowie ein reicher Erfahrungsschatz an traditionellem Wissen sichern die Ernährung von Millionen von Menschen.  

Der meiste Reis wird in den Erzeugerländern verbraucht, nur ein geringer Teil gelangt auf den Weltmarkt. Die von der WTO voran getriebene Liberalisierung im Weltagrarhandel nützt aber vor allem den Handelsinteressen multilateraler Unternehmen, welche die Kontrolle über den Weltmarkt für Reis anstreben. Mit Hilfe des WTO-Abkommens über geistige Eigentumsrechte (TRIPs) versuchen Konzerne, Patente auf wichtige Sorten wie Basmati-Reis zu erlangen.  

Kleinproduzenten und –produzentinnen müssten dann jedes Mal Gebühren an die Konzerne bezahlen, wenn sie Saatgut auf ihrer Ernte gewinnen oder die Ernte vermarkten.  

Dem gegenüber stellt der Faire Handel eine echte Alternative dar: Hier werden Kleinbäuerinnen und  -bauern im Kampf gegen die Patentierung, beim Aufbau von Reis-Saatgutbanken oder bei Kleinkreditprogrammen unterstützt. Mit Kampagnen, Beratung, langfristigen Handelsbeziehungen und der Zahlung eines höheren Preises trägt der Faire Handel der Weltläden so zur Verbesserung der Ernährungssicherheit im Süden gleich. Gleichzeitig bietet er den Konsumenten und Konsumentinnen im Norden eine konkrete Handlungsalternative.
 

Ernährung sichern – für eine globale Agrarwende!

 Zugang zu ausreichender Nahrung ist ein fundamentales Menschenrecht. Dieses Recht wird Millionen Hungernden vorenthalten, obwohl es genügend Nahrung für alle gäbe. Der internationale Agrarhandel, der im Zuge der Globalisierung immer mehr zunimmt, hat den Hunger auf der Welt nicht gemindert. In seiner gegenwärtigen Form trägt er im Gegenteil dazu bei, neuen Hunger zu schaffen.

Denn das Agrarabkommen der Welthandelsorganisation WTO begünstigt die agroindustrielle Produktion der Industrieländer: Auf der einen Seite monopolisiert eine handvoll Konzerne die Welt‑Agrarmärkte und überschwemmt Entwicklungsländer mit hoch subventionierten Agrarexporten zu Dumpingpreisen. Auf der anderen Seite schreitet gleichzeitig die Verarmung der ländlichen Bevölkerung im Süden voran, weil die Menschen unter diesem Druck der internationalen Märkte ihre bäuerliche Existenzgrundlage verlieren.

Um das Recht sich zu ernähren für alle Menschen einzulösen, ist eine globale Agrarwende erforderlich. Die bäuerliche Landwirtschaft in ihrer einzigartigen kulturellen Vielfalt muss erhalten bleiben, weil sie Ernährungssicherheit schafft.

Globale Agrarwende heißt Gegensteuern auf internationaler Ebene. Die Regeln des internationalen Agrarhandels müssen so reformiert werden, dass sie für und nicht gegen die bäuerliche Landwirtschaft gerichtet sind. Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern muss gefördert und darf nicht zerstört werden.

„Ernährung sichern ‑ für eine globale Agrarwende" ist eine gemeinsame Initiative der Menschenrechtsorganisation FIAN der Nord‑Süd‑Initiative GERMANWATCH und des WELTLADEN-Dachverbandes. Die Initiative setzt sich für faire Regeln im internationalen Agrarhandel ein:

 u  Achtung des Menschenrechts sich zu ernähren

u  Schutz der bäuerlichen Produktion von Grundnahrungsmitteln in Entwicklungsländern

u Abbau der Exportsubventionen der Industrieländer

 Gefördert durch die Europäische Gemeinschaft. Hier vertretene Standpunkte geben die Ansicht der Herausgeber (Weltladen-Dachverband) wieder und stellen in keiner Weise die offizielle Meinung der Europäischen Gemeinschaft dar.


Das können Sie tun:
Wenn Sie mehr über das Engagement des Weltladen-Dachverbands, den Fairen Handel oder die Initiative „Ernährung sichern ‑ Für eine globale Agrarwende" erfahren wollen, wenden Sie sich bitte unter unten stehender Adresse an uns. Wir freuen uns über jede Nachfrage.

    www.weltlaeden.de       Der Weltladen-Dachverband ist die Interessenvertretung der Weltläden in Deutschland.
   Von  den etwa 700 deutschen Weltläden sind zur Zeit 371 Mitglieder im Weltladen-Dachverband. Sie richten ihre 
   Arbeit an der "Konvention der Weltläden" aus.
    Weltladen-Dachverband e.V. - Hindenburgplatz 2 - 55118 Mainz
    Tel. 06131/68907-80    Fax. 06131/68907-99    E-Mail: info@weltlaeden.de

Schwerpunkte der Arbeit des Weltladen-Dachverbandes sind:

  1. Die Idee des Fairen Handels und die Arbeit der Weltläden in der Öffentlichkeit bekannter zu machen

  2. Die Arbeit der Weltläden als "Fachgeschäfte des Fairen Handels" weiter zu verbessern

  3. Die Interessen der Weltläden gegenüber den Alternativen Importorganisationen zu vertreten

  4. Kampagnen zu entwickeln und entsprechende Materialien zu erstellen, z. B. zur aktuellen Aktion "Sattmacher"

 FIAN  www.fian.de   FIAN ist eine internationale Menschenrechtsorganisation für das Recht sich zu ernähren. 1986 gegründet, sind bei FIAN (FoodFirst Informations- & Aktions- Netzwerk) heute in Deutschland mehr als 1.300 Menschen Mitglieder. In elf weiteren Staaten Asiens, Europas, Lateinamerikas und den USA gibt es FIAN-Sektionen.

Menschenrechte werden weltweit verletzt. FIAN tritt dafür ein, dass die Landbevölkerung eine eigenständige Ernährungsbasis und eine entsprechende Rechtsbasis hat, um überhaupt erst in der Lage zu sein, die eigene Nahrung produzieren zu können. Das Menschenrecht sich selbst zu ernähren haben die Vereinten Nationen im internationalen Pakt über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte (Sozialpakt) festgeschrieben.

    www.germanwatch.org  GERMANWATCH ist eine Nord-Süd-Initiative, die an der Entwicklung des Nordens arbeitet. Denn die ökonomische und ökologische Umorientierung im Norden ist die Voraussetzung dafür, dass die Menschen im Süden unter menschenwürdigen Bedingungen leben können.

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                                       Aktion: Mangos für Schutzengel 

Seit 2000 sind die allseits begehrten getrockneten Mangos, erfolgreiches Produkt der „Aktion Schutzengel". Zusammen mit dem Katholischen Hilfswerk missio und der philippinischen Organisation Preda kämpft dwp mit dieser Kampagne gegen Sextourismus und Kinderprostitution in Ländern wie Thailand, Indien, Sri Lanka und den Philippinen –  woher die Mangos stammen.

Getrocknete Mangos sind die süßen Botschafter für eine Welt ohne sexuelle Ausbeutung. Mit ihnen konnten wir 100.000fach auf diesen globalen Missstand aufmerksam machen und gleichzeitig tausenden von philippinischen Kleinbauern ein gesichertes und faires Einkommen ermöglichen.
Menschen sind keine Ware
Mit Mut und Entschlossenheit setzt sich die Organisation Preda für tausende von philippinischen Kindern und Jugendlichen ein, die gezwungen werden, ihre jungen Körper zu verkaufen. Shay Cullen Gründer von Preda und weltweite Symbolfigur im Kampf gegen Kinderprostitution, schätzt die Gesamtzahl der betroffenen philippinischen Minderjährigen auf 100.000. Im Kinderschutzzentrum in Olongapo City werden etwa 40 Kinder betreut und therapeutisch behandelt - darunter auch  Opfer von deutschen Tätern.

Pia kann wieder lachen!
Vor 6 Jahren führte die mutige Zeugenaussage des philippinischen Mädchens Pia zur ersten Verurteilung eines deutschen Pädophilen in seinem Heimatland. Den ihr zugefügten Schmerz hat Pia inzwischen weitgehend überwunden. Heute kämpft Pia für die Reche der Kinder ‑ so auch für die „Aktion Schutzengel“.

Ihre Unterstützung
Ihre Unterstützung ‑ Genuss fair gehandelter Mangoprodukte. Wie bei allen Aktivitäten bekämpft Preda auch die Kinderprostitution an den Wurzeln. Eine wichtige Ursache für das boomende Sexgeschäft ist die extreme Armut der einheimischen Bevölkerung, die viele Menschen in die Verzweiflung treibt. Neben öffentlichkeitswirksamen Kampagnen, internationaler Lobbyarbeit und sozialen Leistungen schafft Preda deshalb über den Fairen Handel neue, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die betroffenen Menschen. Seit mehr als 10 Jahren ist dwp aus Ravensburg der wichtigste Partner von Preda in Deutschland. Durch die langjährige Zusammenarbeit und die Zahlung fairer, höherer Erzeugerpreise erzielen die beteiligten Kleinbauern ein gesichertes Einkommen und werden in ihrem Zusammenhalt gestärkt. Dies bedeutet Unabhängigkeit von Zwischenhändlern und Spekulanten aber auch einen besseren Schutz vor den Machenschaften der menschenverachtenden internationalen Sexindustrie.
Durch öffentliche Lobbyaktionen mit Prominenten, in Schulveranstaltungen, Theateraufführungen mit philippinischen Jungendlichen, sowie Fachgesprächen mit Menschenrechtspolitikern des Bundestags schafft dwp das notwendige Bewusstsein, um Rahmenbedingungen zu verändern und potenzielle Täter abzuschrecken. Machen Sie mit!

Schutzengel gesucht
400.000 deutsche Männer fliegen Jahr für Jahr in die große weite Welt und wollen nur das eine. Einige Tausend von ihnen schrecken selbst vor Sex mit Kindern nicht zurück. Solche Verbrechen machen wütend. Aber nicht ohnmächtig. missio kämpft seit vielen Jahren gegen Kinderprostitution und Sextourismus. Wir unterstützen rund 30 Projekte in Ländern wie Thailand, Indien, Sri Lanka, Kenia, Südafrika und auf den Philippinen. Unsere Partner schützen Kinder vor sexueller Gewalt und ermöglichen Mädchen und Jungen den Ausstieg aus der Prostitution. Sie befreien die missbrauchten Minderjährigen von ihren traumatischen Erlebnissen und geben ihnen die Chance, ein neues Leben zu beginnen. Tausende engagierte Menschen unterstützen bislang die missio-Kampagne gegen Sextourismus und Kinderprostitution. Helfen auch Sie Missio bei der Aktion Schutzengel.


Erklärung zur "Aktion Schutzengel"

Das katholische Hilfswerk missio unterstützt seit Jahren den Kampf gegen Kinderprostitution durch zahlreiche Hilfsprojekte in Ländern der so genannten Dritten Welt. In Deutschland kämpft missio gegen die Förderung des Sextourismus und konnte beispielsweise 1997 erwirken, dass in Marco-Polo-Fremdenführern keine Tipps für Sextouristen mehr veröffentlicht werden.

Verstärkter Kampf gegen Kinderprostitution

missio fordert alle, die von dieser Problematik berührt sind, zum verstärkten Engagement gegen Kinderprostitution auf:  Die politisch Verantwortlichen müssen Maßnahmen ergreifen, die die Ursachen von Kinderprostitution bekämpfen. Die Reisebranche darf sich nicht am lukrativen Geschäft des Sextourismus beteiligen oder als Helfershelfer dienen, wenn z.B. Verträge mit Hotels geschlossen werden, in denen erwiesenermaßen Prostitution betrieben wird. Die Justizbehörden, die Polizei und Botschaften müssen sich bewusst sein, dass Kinderprostitution ein organisiertes Verbrechen mit Milliardengewinnen ist, das in Brutalität und Auswirkung dem Drogen- und Waffenhandel nicht nachsteht. Entsprechend wirksame Maßnahmen sind gefordert. missio appelliert an die Freier, mit sich selber ins Gewissen zu gehen. Niemand wird als Pädophiler geboren, aber jeder kann entscheiden, ob er das, was er Trieb nennt, auf Kosten von Kindern auslebt oder nicht. Kinderprostitution ist eine Sünde und ein Verbrechen. Jeder Freier, der das anerkennt bewahrt mit dieser Entscheidung viele Kinder vor der nackten Gewalt.

Wiedergutmachung für die Opfer
Nach der Verurteilung von Sexualstraftätern werden die Opfer meist ihrem Schicksal überlassen. Besonders in den Ländern der so genannten Dritten Welt gibt es kaum Hilfsprogramme für die traumatisierten Kinder. Hier müssen Entschädigungszahlungen eingefordert werden, damit den Opfern der Widereinstieg in ein normales Leben erleichtert wird.

Therapien für die Täter
Wirksame Therapien für Sexualstraftäter müssen in Deutschland Pflicht werden. Entsprechende Programme in den Niederlanden können hierbei als Vorbild dienen: 95 Prozent der therapierten Täter werden nicht rückfällig.

missio-Kampagne "Schutzengel gegen Kinderprostitution"
Im Kampf gegen Kinderprostitution startet missio die "Aktion Schutzengel". Durch Medienarbeit und Aktionen auf deutschen Flughäfen wird missio auf die Thematik Kinderprostitution aufmerksam machen. Jährlich fliegen schätzungsweise 400.000 deutsche Sextouristen nach Bangkok, Manila und an andere Zielorte. Mehrere tausend von ihnen schrecken selbst vor Kindern nicht zurück. missio wird die Förderung von Hilfsprojekten auf den Philippinen, Thailand, Indien und Sri Lanka ausbauen. Mehrere Projektpartner von missio leisten dort seelsorgerische und therapeutische Hilfe auch für die Opfer deutscher Sextouristen.


Weitere Infos
direkt unter:
http://www.missio-aachen.de/veranstaltungen-aktionen/aktion/schutzengel/
oder
www.preda.org (englisch)

Wie bei allen ihren Aktivitäten bekämpft PREDA auch die Kinderprostitution an den Wurzeln. Eine wichtige Ursache für das boomende Sexgeschäft ist die extreme Armut, die die Menschen in die Verzweiflung treibt.  PREDA schafft durch den fairen Handel mit Mangos neue, wirtschaftliche (Überlebens-) Perspektiven für die betroffenen Menschen. Durch den Verkauf der Mangoprodukte in über 750 Weltläden in Deutschland wird den Kleinbauern ein zuverlässiger Absatz ihrer Mangos ermöglicht.

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 Stuttgarter Zeitung Nr. 229 – Samstag 4.10.03 - DIE DRITTE SEITE -
Kinderprostitution auf den Philippinen

Die Männer müssen nur eine Nummer wählen

Auf den Philippinen gibt es 100 000 Kinderprostituierte. Der irische Pater Shay Cullen versucht, sie aus den Bars zu holen, in denen sie für eine Stunde oder eine Nacht feilgeboten werden.     Von Rebecca Hillauer, Manila

Kurz nach Mitternacht läuft die „Modenschau" in der Cristal Discothek. Über der Bühne hängt ein „Playboy"‑Bunny‑Plakat. Draußen schiebt sich der Autoverkehr durch den Harrizon Boulevard in Manila. Drinnen dröhnt aus den Lautsprechern Musik. Fünf blutjunge Frauen in BH und Höschen tanzen dazu. Sie blicken mit starrem Gesicht ins Dunkel über den Köpfen der Männer im Saal. An den Höschen der Mädchen sind Nummern befestigt. Die Männer können eine Nummer wählen, dann gehört ihnen das Mädchen für eine Stunde oder die ganze Nacht.

Nach Schätzungen von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, gibt es auf den Philippinen 100 000 Kinderprostituierte. Sie kommen aus den Slums der Städte oder vom Lande, vertrieben von Armut, Lieblosigkeit, Gewalt und zu viel Alkohol in den Familien. Von ihren Eltern sind sie als Dienstboten in die Stadt geschickt worden, dort gehen sie Zuhältern ins Netz. Die Freier kommen aus Europa, den USA, Australien, Japan. Allein aus Europa sollen es 400 000 sein. Viele suchen Sex mit Minderjährigen.

Auf den rot‑weiß karierten Wachstüchern der Tische im Cristal stehen Flaschen mit Red Horse Beer und Whiskey. Auf dem Tisch von Schwester Alma und Schwester Bibat, zwei philippinischen Nonnen, stehen zwei Gläser mit Orangensaft. Die beiden Ordensfrauen ziehen in T‑Shirts und Hosen durch die Bars der Stadt, um Prostituierten Hilfe anzubieten. „Wir finden sie in Bars und Einkaufszentren", sagt Schwester Alma.


Die Polizei hält die Hand auf

Eine Lautsprecherstimme kündigt an, dass die Mädchen nun solo tanzen. Nummer 254 beginnt. Sie ist nackt, trägt nur ein Paar hochhackige Schuhe. In aufreizender Pose lehnt sie sich gegen die Bühnenwand. Offiziell sind die „Fashion-­Models" älter als 18. Die Beschäftigung von Minderjährigen ist auf den Philippinen verboten. Seit 1992 steht auf Kindesmissbrauch die Todesstrafe. Abzuschrecken scheint das niemanden. „Die Polizei hält die Hand auf und drückt beide Augen zu", beklagt Pater Shay Cullen die Korruption im Land. Obwohl der Ire einem anderen Orden angehört als die Nonnen in Manila, hat er das gleiche Ziel wie sie. 1974 gründete er in der Hafenstadt Olongapo, 80 Kilometer nördlich von Manila, ein Kinderschutzzentrum. Sexuell missbrauchte Kinder finden hier ein Zuhause, können wieder zur Schule gehen und sich durch eine Therapie von ihren Traumata befreien.

Die 19‑jährige Pia Corvera ist in den Slums von Manila aufgewachsen. Weil ihre Eltern das kleine Mädchen nicht bei sich haben wollten, nahm die Großmutter es bei sich auf. Doch Liebe konnte auch sie nicht geben. „Ich erinnere mich nur an Schreie und Schläge", sagt Pia. Sie flüchtete sich in die Gemeinschaft von Straßenkindern. Eines der Kinder nahm sie mit zu einem Zuhälter. Erst in der Therapie schrie Pia all ihren Schmerz und ihre Wut auf ihre Eltern, auf die Zuhälter und Freier von der Seele. Nach drei Jahren war die Gequälte frei.

Im Schutzzentrum, einer großen zweistöckigen Villa im Kolonialstil, leben zurzeit 34 Kinder. Das Haus liegt am Rande der Stadt auf einer Hügelkette an der Küstenstraße. Durch die Bäume kann man weit über die Subic Bay, die Bucht und den Freihafen blicken. Bis 1991 war dort eine Basis der US‑Marine. Die Philippinen sind das am stärksten amerikanisierte Land Südostasiens. Pater Cullens Kampf gegen den Sextourismus begann, als der heute 60‑Jährige als junger Priester nach Olongapo kam. Er war schockiert darüber, wie amerikanische Marinesoldaten die Armut der Bevölkerung skrupellos zu ihrem Vergnügen ausnutzten. „In den Krankenhäusern wurden Neunjährige mit Geschlechtskrankheiten eingeliefert." Cullen initiierte Proteste, verklagte sogar die US‑Regierung. Als deren Truppen 1991 abzogen, gab es keinen Grund zum Aufatmen: Nach den Soldaten kamen die Sextouristen.

Sextourismus gehört heute zu den lukrativsten Einkommensquellen im Bereich der organisierten Kriminalität. „Mir ging es  damals nur um eines: viel Geld zu haben", gesteht der ehemalige Zuhälter Rosito Villaflor. Er lockte Mädchen und Jungen mit Arbeitsangeboten in die Bars. „Wenn sie einmal drin waren, kamen sie nicht wieder raus. Wir drohten ihnen mit Schlägen. Wer sich noch immer nicht fügte, wurde „zugeritten". Dann wussten sie auch gleich, was sie mit den Kunden tun sollten."

Pia war 11 Jahre alt, Marlyn 13, als sie an einen deutschen Sextouristen vermietet wurden ‑ für einen Tagespreis von damals umgerechnet 90 Mark. Pater Cullen sorgte dafür, dass der Täter bis nach Deutschland verfolgt wurde. 1996 flogen Pia und Marlyn nach Iserlohn und brachten ihren Peiniger mit ihrer Aussage hinter Gitter. Ein bisher einzigartiger Fall. Und der erste nach Einführung des Extra‑Territorial-­Prinzips: Deutsche können von der deutschen Justiz auch dann strafrechtlich belangt werden, wenn sie die Straftat im Ausland begangen haben.

„Auf den Philippinen streiten Politiker oft ab, dass es Kinderprostitution überhaupt gibt", sagt Pater Cullen. Mit versteckter Videokamera macht er deshalb Aufnahmen in den Bars. Vor sechs Monaten half er mit, dass neun Clubs in Angeles City geschlossen wurden. Die Stadt, eine Autostunde von Manila entfernt, gilt als Mekka der Pauschal‑Sextouristen. Die Besitzer der Clubs, ein Amerikaner und ein Australier, wurden verhaftet, zusammen mit ihren Zuhältern. „Dafür haben wir viel Druck auf die Bundespolizei machen müssen", erzählt Pater Cullen. „Normalerweise hätten die Bars Bestechungsgelder an die Polizei bezahlt, und nichts wäre passiert."


Pater Cullen erhält Morddrohungen. Sein Engagement brachte Pater Cullen viele Feinde, vor allem in der Sex‑Mafia. Er erhielt Morddrohungen. Mit Gegenanzeigen versuchte man, ihn zu diskreditieren. Haupt­drahtzieher soll ein Deutscher sein, der in Olongapo lebt und gute Kontakte zu lokalen Politikern hat. Alle Verfahren gegen Pater Cullen wurden jedoch eingestellt. Er erhielt mehrere internationale Menschenrechts­preise. Deutsche Politiker haben ihn für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Bei der „Modenschau" im Cristal tanzen die Mädchen wieder gemeinsam ‑ in Dessous. Einige Mädchen tragen keine Nummern mehr, sie sind bereits vergeben. Alle anderen sind noch zu haben. Nach der Show sitzen sie dicht gedrängt in einem Zimmer, durch ein großes Fenster freigegeben zur Fleischbeschau für diejenigen Männer, die sich noch nicht entschieden haben. Schwester Alma und Schwester Bibat haben keine Chance, mit den Mädchen zu sprechen.

Das Team von Pater Cullen in Olongapo hat ein paar Tage später etwas mehr Glück. Im „Night Rider“ einem Club irgendwo an der Subic Bay ist nicht viel los an diesem Abend. An einem Ecktisch hält ein Ausländer ein zierliches Mädchen im Arm. Als die  Sozialarbeiter eintreten, ist der Clubinhaber froh über die vermeintlichen neuen Gäste. Er schickt ein Mädchen an ihren Tisch, das zugibt, erst 16 Jahre alt zu sein. Ein Sozial­arbeiter aus Cullens Team wird bald wieder in den „Night Rider“ gehen und versuchen, das Mädchen zu überzeugen, dass es besser ist zu gehen. Vielleicht wird es ihm sogar gelingen.

Die Scham ist so groß wie das Elend, das skrupellose Sextouristen ausnützen

 

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    Jetzt handeln für Entwicklung und Frieden!

- Weil wir den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden ebnen wollen.

Schon vor mehr als dreißig Jahren haben sich die Industriestaaten der Vollversammlung der Vereinten Nationen verpflichtet, mindestens 0,7 Prozent ihres Bruttosozialproduktes für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit aufzuwenden. Doch der richtigen Einsicht in die besondere globale Verantwortung der reichen Länder folgten kaum Taten.  

Im Gegenteil: Während in Deutschland 1980 immerhin noch 0,44 Prozent für die Entwicklungszusammenarbeit aufgebracht wurde, sind es heute nur noch 0,27 Prozent. Im März 2002 hat die Bundesregierung zwar verkündet, die Selbstverpflichtung der EU-Staaten in Barcelona mit zu tragen und den deutschen Anteil der öffentlichen Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit bis 2006 auf 0,33 Prozent zu erhöhen. Doch dieser erste, zaghafte Schritt reicht bei weitem nicht aus: Nach Berechnungen der Weltbank müssen die öffentlichen Mittel sofort weltweit verdoppelt werden, wenn die „Millenniumsziele" der Armutsreduzierung umgesetzt werden sollen. Die Bundesregierung hat diese Millenniumsziele in ihrem „Aktionsprogramm 2015" ausdrücklich übernommen.

Um den Frieden in der Welt dauerhaft zu sichern, brauchen die Menschen im Süden Zukunftsperspektiven. Die Grundlage dafür muss durch verstärkte Anstrengungen in der Entwicklungspolitik gelegt werden. 

Damit den vielen Worten endlich Taten folgen, mischen sich jetzt d kirchlichen Hilfswerke Misereor, Brot für die Welt und der Evangelische Entwicklungsdienst in den bevorstehenden Bundestagswahlkampf ein. Gemeinsam fordern wir eine spürbare Erhöhung der öffentlich Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit.

 Denn:  Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind nicht zum Nulltarif zu haben.  

„Millennium‑Erklärung" der Vereinten Nationen

Beim Gipfeltreffen der Verein Nationen im September 2000 haben die Staats‑ und Regierungschefs feierlich erklärt, bis zu Jahr 2015 die folgenden Ziel erreichen:

• Der Anteil der in absoluter Armut lebenden Menschen (ggw. 1,2 Mrd.) soll halbiert werden.

• Weltweit sollen alle Kinder zumindest eine Grundschulausbildung erhalten.

• Die Mütter‑ und Kindersterblichkeit soll drastisch reduziert werden.

• Die Verbreitung von Epidemien wie AIDS und Malaria soll zurückgedrängt werden.

 

- Weil wir alle nur eine Welt haben

Am 11. September 2001 haben wir auf dramatische Weise erkennen müssen, dass wir in einer Welt leben. Niemand kann menschenwürdig leben und sich sicher fühlen, solange andere unter Unrecht und Hoffnungslosigkeit leiden. Militärische Antworten greifen zu kurz. Daher

fordern die kirchlichen Werke gemeinsam mit anderen Organisationen: Bis 2006 muss der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttosozialprodukt auf mindestens 0,5 Prozent steigen, um bis zum Ende des Jahrzehnts das international vereinbarte 0,7 Prozent Ziel zu erreichen.

Doch es geht nicht nur um Geld. Es geht vor allem um den politischen Willen, etwas zu verändern, damit andere würdig leben können.

 

Eine Lobby für die Armen

Misereor, Brot für die Welt und Evangelischer Entwicklungsdienst engagieren sich auch in Deutschland und Europa als Anwalt für die Armen und Ausgegrenzten in der Welt. Mit Kampagnen wie für die Ächtung von Landminen oder für die Entschuldung der ärmsten Länder („Erlassjahr 2000") nahmen sie erfolgreich Einfluss auf Entscheidungen von Politik und Wirtschaft.  

Die kirchlichen Werke fordern:

Mit der Steigerung der finanziellen Mittel muss der politische Wille der Bundesregierung einhergehen, die Globalisierung gerechter zu gestalten, insbesondere durch

Faire Handelsbedingungen durch den Abbau von Subventionen und Handelsschranken in den Industrieländern.

Nachhaltige Entschuldungsprogramme, damit die ärmsten Länder in ihre Entwicklung investieren können.

Reduzierung der Rüstungsexporte, damit Kinder zur Schule gehen statt in den Krieg zu ziehen.

Stärkung des politischen Selbstbestimmungsrechts, weil die Bevölkerung das Schicksal ihrer Länder selbst in
  die Hand nehmen muss.

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    çhier anklicken für weitere Infos

Eine gerechte Lösung ist möglich!  
Mehr Leben, mehr Gesundheit, mehr Bildung,  mehr Hoffnung

Verschuldung verhindert Entwicklung
Mehr als eine Milliarde Menschen
leben in Elend. Ihre Länder müssen riesige Auslandsschulden tilgen. Schon die enorme Zinslast erdrückt jede mögliche Entwicklung.
                   Es trifft die Ärmsten: kein Schulbesuch, weil Bildung unbezahlbar ist,
                   Gesundheitsversorgung nur gegen hohe Gebühren,
                   hohe Transportkosten, weil Straßen kaputt sind und es kaum öffentliche Verkehrsmittel gibt. 

Wer auch immer die gigantische Verschuldung zu verantworten hat, die Verelendung ganzer Völker und Länder ist ein Skandal.

Entwicklung braucht Entschuldung
Erlassjahr.de macht mit Informationsveranstaltungen und öffentlichen Aktionen auf die Notwendigkeit eines Schuldenerlasses für die Länder der Dritten Welt aufmerksam.

Erlassjahr.de
richtet seine Forderungen direkt an die politischen Entscheidungsträger in Deutschland, um Entschuldung effizient voranzutreiben. Erlassjahr.de kämpft für gerechten und fairen Schuldenerlass, damit eine dauerhafte Entwicklung der armen Länder des Südens möglich wird.

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Widerstand gegen die Macht des Marktes   aus Evang. Gemeindeblatt 3/2003
Globalisierungskritiker machen gegen freien Welthandel mit Dienstleistungen

Für die einen ist der unbegrenzte Welthandel die größte Errungenschaft der Menschheit, für die anderen die Ursache wachsender Armut in weiten Teilen der Welt. In Zukunft sollen auch alle Dienstleistungen von Handelsbeschränkungen befreit sein. Dagegen regt sich heftiger Widerstand. Gegner befürchten die Auflösung sozialer und ökologischer Standards.

Globa1isierungskritiker warnen davor, Wasser zur Ware zu machen und der globalen Marktwirtschaft auszusetzen. Sie befürchten, dass dadurch viele Menschen von der Versorgung mit diesem Lebensmittel ausgeschlossen werden.

Unter dem Kürzel „GATS" wird derzeit über die weitere Liberalisierung der Weltwirtschaft verhandelt. Nach dem 1995 in Kraft getretenen „General Agreement an Trade in Services" (Allgemeines Übereinkommen über den Handel mit Dienstleistungen, kurz GATS) sollen Dienstleistungen künftig wie Waren behandelt werden und über Grenzen hinweg unbeschränkt erbracht werden dürfen. Lediglich so genannte „hoheitlich" erbrachte Dienstleistungen und solche, die mit Luftverkehrsrechten zusammenhängen, sind ausgenommen. Im vergangenen Juli haben die Unterzeichnerländer erstmals konkrete Forderungslisten ausgetauscht. Dabei hat die Europäische Union Forderungen an insgesamt 109 Länder gerichtet und selbst Forderungen von mehr als 20 Ländern erhalten. Wie bei Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) üblich, werden die Forderungen geheim gehalten.

 Vor allem diese Geheimniskrämerei hat Kritiker, an vorderster Front die globalisierungskritische Organisation Attac (Association pour une Taxation des Transactions financieres pour 1' Aide aux Citoyens, Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen zum Nutzen der Bevölkerung), auf

den Plan gerufen. „Die Verhandlungen sind sehr intransparent", bemängelt Thomas Fritz, der bei Attac die Anti‑GATS­-Kampagne koordiniert. In der Tat ist das Verfahren schwer zu durchschauen: Deutschland wird zwar durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) vertreten, die BMWA­-Beamten konferieren aber nicht direkt mit den anderen GATS‑Staaten. Das macht für alle Länder der Europäische Union EU-­Handelskommissar Pascal Lamy. Ihm wirft Attac vor, die Interessen der EU‑Bürger zu missachten und ein „Europa der Konzerne" zu vertreten. Attac fordert deshalb den Stopp der Verhandlungen und eine Offenlegung aller Forderungen. Kritik kommt auch vom Diakonischen Werk der EKD.

 Informationen im Netz

Dagegen betont die WTO, man sorge für größtmögliche Transparenz. So sind auf der Internet‑Seite zahlreiche Informationen eingestellt, eine Möglichkeit zur Mitsprache ist aber nicht vorgesehen und angesichts der komplizierten Materie auch kaum möglich. Dagegen versucht die Wirtschaft Einfluss zu gewinnen. So haben sich speziell für GATS Unternehmen und Verbände aus verschiedenen Dienstleistungsbranchen zum „Europäischen Service‑Forum" (ESF) zusammengeschlossen und ein Büro in Brüssel eröffnet. Mitglied ist auch der Bundesverband der freien Berufe (BfB), der die mehr als 700 000 Freiberufler in Deutschland vertritt. Der Großteil ‑rund 35 Prozent - arbeitet in Heilberufen. Man setze sich dafür ein, dass die hohen Standards für Freiberufler, etwa die Zulassungsbestimmungen

für Arzte und Anwälte, durch die Liberalisierung nicht aufgeweicht werden, erklärt BfB-Juristin Claudia Diaberner. Im Gesundheitswesen gebe es bisher keine Liberalisierungsforderungen an die EU. „Man wird hier auch sehr vorsichtig sein, schließlich berührt das die staatliche Pflicht zur Daseinsvorsorge." Ausbremsen wolle man die Liberalisierung aber nicht, schließlich gehe es bei GATS auch darum, dass Patienten sich in einem anderen Land behandeln lassen können.

Dagegen befürchtet Thomas Fritz, dass ausländische Krankenversicherer das bestehende deutsche System unter Druck setzen. Denn der Risikostrukturausgleich der deutschen Krankenkassen werde von der WTO als unerlaubte Subvention gewertet. Probleme drohten auch in Bereichen wie Wasserversorgung, Gesundheit und Bildung. „Gerade die öffentlichen Dienste müssen aufgrund der unklaren GATS‑Definition ,hoheitlicher` Aufgaben mit verschärftem Wettbewerbsdruck rechnen", erklärt der Attac‑Koordinator. Würden diese „hoheitlichen" Aufgaben in Konkurrenz zu privaten Anbietern erbracht, greife das GATS. Subventionen für gemeinwohlorientierte Aufgaben und damit die Dienste selbst stünden dann zur Disposition. Einmal gemachte Zugeständnisse seien zudem praktisch unumkehrbar. „Länder, die Liberalisierungen zurücknehmen, müssen Kompensationen oder Strafzölle bezahlen", erklärt Fritz. „Das werden sich nur wenige Länder leisten können." So führe GATS dazu, dass die Staaten zunehmend ihre Souveränität einbüßten.

                                                 

        „Volk muss korrigieren können"

       Davor warnt auch der Vorsitzende der Bundestagsenquetekommission. Gegen die Ökonomisierung 
       aller  Lebensbereiche formiert sich weltweit Widerstand.

       „Globalisierung der Weltwirtschaft", Ernst Ulrich von Weizsäcker (SPD). Die Steuerung des 
       Weltgeschehens  dürfe nicht dem Markt überlassen werden. „Das Volk, die Demokratie muss 
        korrigieren  können."

        Darauf baut auch Attac und ruft am 13. März zu einem europaweiten Aktionstag gegen GATS auf. Der  
        Termin ist nicht zufällig gewählt: Bis zum 30. März müssen die WTO‑Mitglieder erklären, für welche 
        Dienstleistungen  sie ihre Märkte internationalen Mitbewerbern öffnen wollen.
 

 


Ernst Ulrich von Weizsäcker (SPD) warnt davor,  die Steuerung des Weltgeschehens allein dem Markt zu überlassen.


Internet‑Tipp (hier nicht verlinkt)

Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit: www.bmwi.de
Welthandelsorganisation:         www.wto.org
Attac: www.attacnetzwerk.de, www.gats‑kritik.de  

 

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 Afrika – steht ein ganzer Kontinent auf verlorenem Posten?

Abgehängt von den Tigerstaaten
Lichtblick Landwirtschaft
 
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Alle Trends der vergangenen 25 Jahre weisen nach unten: Die Lebenserwartung in Afrika ist gesunken, ebenso das Prokopfeinkommen. Steht der Kontinent womöglich auf verlorenem Posten?  Von Christoph Link, Nairobi


Die letzten positiven Wirtschaftsnachrichten stammen von den Global Players, zumindest sie scheinen immer ein waches Interesse an Afrika zu haben. Coca-Cola hat eine Getränkefabrik in Mogadischu eröffnet, in einer Stadt, in die westliche Diplomaten und Politiker seit gut einem Jahrzehnt wegen den ständigen Schießereien zwischen somalischen Warlords und dem verbreiteten Kidnapping von Ausländern keinen Fuß mehr setzen. 100 bewaffnete Männer überwachten die Eröffnungsfeier der Cola-Fabrik, die erste große Investition seit dem Fall des Siad-Barre-Regimes vor 13 Jahren.

Und auch aus Paris kam unlängst ein aufmunternder Bericht über günstigere Wirtschafsdaten in Afrika: Wegen des anhaltenden Hochs bei den Preisen für Öl, Gold und Baumwolle könne der Kontinent mit steigenden Wachstumsraten rechnen, meint die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD): In diesem und im nächsten Jahr seien sogar vier Prozent Wachstum drin, und auch 2003 sei mit 3,6 Prozent Wachstum recht gut gewesen. Aber all das wird nicht ausreichen, um Afrika aus der Armutsfalle zu befreien. Jahr für Jahr hat Afrika bei fast allen Wirtschaftsdaten seine Position als größter Verlierer im weltweiten Vergleich ausgebaut. Beispiel Investitionen: Obwohl in den 53 Staaten Afrikas gut 13 Prozent der Weltbevölkerung leben, werden hier weniger als zwei Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen getätigt - Tendenz fallend. Warum sollte man auch in Afrika investieren? "Nicht einmal die Afrikaner investieren in Afrika, 40 Prozent des Privatvermögens wird außerhalb des Kontinents gebunkert", schreibt der britische "Economist".

Die Weltbank veröffentlichte kürzlich die so genannten Welt-Entwicklungsindikatoren, nach denen Asien in den Jahren 1981 bis 2001 stark vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert habe, der Mittlere Osten und Nordafrika ebenso, aber im Afrika südlich der Sahara sei das Prokopfeinkommen um 15 Prozent gesunken. Begleitet vom weltweit höchsten Bevölkerungswachstum von drei Prozent, schnellte die Zahl der Menschen mit einem Tageseinkommen von unter einem Dollar in die Höhe: von 164 Millionen auf 314 Millionen, das heißt, fast jeder Zweite in Schwarzafrika lebt in extremer Armut.

"Es gibt hier Bauern, die haben zu essen. Aber keinen einzigen Pfennig Bargeld für Salz, Seife oder Öl", sagt ein Lehrer aus dem Distrikt Busia im Westen Kenias. Theoretisch könnte man bei Busia Zuckerrohr anbauen und verkaufen, doch an wen? Es fehlen Straßen zur Vermarktung des Produktes, es fehlt eine Zuckerfabrik, es fehlen Elektrizität und Wasserversorgung, es fehlt an allem - nicht nur in Busia, sondern überall in Afrika.

Ein deprimierendes Beispiel ist der bevölkerungsreichste Staat, Nigeria. Vor 40 Jahren verfügte das westafrikanische Land über einen höheren Reichtum als Südkorea, aber während der asiatische Tigerstaat in sein Humankapital investierte und seine Exportindustrie ankurbelte, wurde Nigerias Ölreichtum von korrupten Militärdiktatoren verschleudert. Heute hat Südkorea ein 30-mal höheres Prokopfeinkommen als das Nigerias (290 Dollar), es produziert Autos, während die einzige Peugeot-Fabrik im nigerianischen Kaduna streikgelähmt ein Schatten ihrer selbst ist. Obwohl Nigeria der sechstgrößte Ölexporteur der Welt ist, ist das Land nicht in der Lage, in nennenswerten Mengen eigenes Benzin herzustellen. Die vier Raffinerien des Landes sind marode und arbeiten mit einer Auslastung von 20 bis 30 Prozent.

"Es wird wenig investiert in Nigeria, wer kann, der schafft sein Geld außer Landes", sagt ein westlicher Ökonom in Abuja, der die Anonymität vorzieht. Die Öleinkünfte würden von einem aufgeblähten Beamtenapparat "verkonsumiert" oder sie gingen im "Ineffektivitätssumpf" verloren, sagt der Experte. Selbst Nigerias Geschäftsmetropole Lagos leidet unter Stromausfall, "weil kaum jemand seinen Strom bezahlt". Die Ölförderung könnte theoretisch der Segen für Nigeria sein, aber Konzerne wie Shell fördern zunehmend off-shore, denn an Land im Niger-Delta gibt es zu viele Probleme mit den Menschen: zum Beispiel Übergriffe auf die Ölanlagen, Benzinklau an den Pipelines.

Afrikas Ölgiganten wie Nigeria und Angola erwirtschaften täglich 100 Millionen Dollar aus dem Ölgeschäft, schätzte Antony Goldman von "Clearwater Research Services" in einem BBC-Beitrag. Dennoch gehörten beide Staaten zu den ärmsten 30 Ländern der Welt. Das Öl habe es kaum geschafft, Frieden, Fortschritt oder Wohlstand in Afrika zu schaffen, meint Goldman. Zumindest in Nigeria wird ein Silberstreif am Horizont gesehen: Präsident Olusegun Obasanjo will einem Programm beitreten, das die freiwillige Offenlegung von Zahlungen der Öl- und Bergbauindustrie vorsieht. Transparenz ist die Vorbedingung für gerechte Verteilung. Verkrustete und korrupte Bürokratien behindern die privaten Unternehmen überall in Afrika, sie bürden ihnen hohe Risiken auf und bremsen den Aufstieg. Zum Beispiel in Kenia: Hier hatten Politiker im Agrarbereich Monopole gegründet, halbstaatliche Kooperativen etwa für Milchwirtschaft und Kaffee, die dann jahrzehntelang ausgeplündert und in den Ruin getrieben wurden. Hunderte von kleinen Kaffeebauern sahen nie ihre Ernteerlöse.

Während ein Kaffeebauer in Brasilien 90 Prozent des Wertes seiner Produktion verdient, bleiben einem kenianischen Kaffeebauern nur 50 bis 60 Prozent - fünf Zwischenstufen müssen auf dem Weg von der Ernte zum Hafen bedient werden: Zwischenhändler, Kooperativen, Agenten und Auktionatoren. Das Gesetz schreibt dies vor. Ähnlich bürokratisch wirtschafteten früher die Kakaogenossenschaften in der Elfenbeinküste. Unternehmen oder Kooperativen dienten in Afrika lange zur Bereicherung von Beamten, kein Wunder, dass die Angst vorm Staat tief sitzt. Yoshiyuki Sato ist ein erfolgreicher Geschäftsmann in Kenia. Er verarbeitet und exportiert unter der Marke "Out of Africa" jährlich 1500 Tonnen der hochwertigen Macademia-Nüsse in alle Welt, betreibt eine blitzsaubere Lebensmittelfabrik, zahlt Steuern und sagt, dass er von der Regierung im Prinzip überhaupt nichts zu erwarten habe - außer Unbill. "Erfolgreiche Unternehmer in Afrika müssen unauffällig arbeiten und bescheiden sein", sagt Sato. "Keine lokalen Presseberichte, keine Fernsehauftritte. Sonst ruft am nächsten Morgen ein Minister an und will Anteile von uns haben. Oder er hat einen Bruder, der in unser Management soll."

Die Weltbanktochter IFC hat einmal die bürokratischen Hürden innerhalb Afrikas verglichen. Im "Musterland" Uganda könne man ein Unternehmen in 36 Tagen anmelden, im Kongo aber brauche man dafür 215 Tage. In Botswana könne man in 56 Tagen die Klage auf Einhaltung eines Vertrages vor Gericht bringen, in Äthiopien brauche man dafür drei Jahre. Verlässliche Rahmenbedingungen der Politik ist das eine, ein Mindestmaß an Infrastruktur das andere. "Die große Herausforderung für Afrika liegt in der Infrastruktur, sie ist das Herz der Volkswirtschaft. Der Kontinent braucht Stromwerke, Straßen, Häfen, Schulen und eine touristische Infrastruktur", meint Francisco Tourreilles von der IFC. Die Weltbank rechnet damit, dass nur zehn Prozent Afrikas mit Elektrizität versorgt sind - eine hoch angesetzte Zahl. Ein Land wie Tschad mit acht Millionen Einwohner hat eine Stromkapazität von zwölf bis 20 Megawatt, das entspricht dem Bedarf einer deutschen Kleinstadt mit 25 000 Einwohnern. Nur primitivstes Handwerk oder Kleingewerbe können unter solchen Bedingungen gedeihen. Als der Ölkonzern Esso 200 Schweißer für seine Bohrtürme im Tschad suchte, fand er keinen einzigen, sondern musste sie aus den Philippinen einfliegen lassen. Der Energiemangel gilt kontinentalweit: Wegen der hohen Kosten und der fehlenden Infrastruktur können nur sieben Prozent des Potenzials der Wasserkraft zur Stromerzeugung genutzt werden.

Die negative Bilanz überdeckt Afrikas schlummernde Potenziale. "Sie haben hier noch einen Reichtum an der Natur, wie in keinem anderen Kontinent", schwärmt Saleem Karinjee, IFC-Repräsentant in Kenia. Die Reservoirs in der Landwirtschaft seien immens, die Afrikaner seien "voller Unternehmergeist" und "enormem Talent". Goldfunde in Tansania, Ölfunde an fast allen Ecken Afrikas versprechen Einnahmen aus dem Export oder der Veredelung von Rohstoffen, wenn sie transparent verwendet werden könnten. Vor allem ein Aufschwung des Landwirtschaftssektors könnte der "Motor für Afrikas Entwicklung" sein, wie die UN-Zeitschrift "African Recovery" schreibt. Von der Landwirtschaft lebt die Mehrheit der Afrikaner. Bisher sind nur sieben Prozent der urbaren Fläche bewässert, der Einsatz von Dünger ist marginal. Werden in den Industrieländern pro Hektar 206 Kilogramm Dünger eingesetzt und in Südasien 100 Kilo, sind es in den Staaten Afrikas südlich der Sahara nur neun Kilo pro Hektar.

Mit neuen Ideen könnte der lahmende Agrarsektor beflügelt werden, und für Westafrika wird das am besten mit dem "Reiswunder" belegt. Mitte der neunziger Jahre wurde vom "Afrikanische Reiszentrum" in der Elfenbeinküste die ertragreiche und gegen Trockenheit unempfindliche Reissorte Nerica gezüchtet. Inzwischen ist Nerica - eine Kreuzung afrikanischer und asiatischer Sorten - ein Erfolgsmodell, es bringt zwei- bis dreifach höhere Erträge als herkömmlicher Reis und tritt in vielen Ländern Westafrikas den Siegeszug an. Die Sorte Nerica könnte sogar der Ausweg aus Afrikas "Hungerfalle" sein, glaubt jedenfalls Richard Mkandawire vom Programm "Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung".

Parallel zum Reiswunder gibt es in Ostafrika auch ein Düngewunder. So unterstützt die Organisation "Farminput" im Westen Kenias Bauern, indem sie ihnen preiswert Düngemittel für den Maisanbau zur Verfügung stellt. Auf dem ausgelaugten Boden vollbringt der Dünger wahre Wunder. Die Bauern konnten ihre Erträge auf das zehn- bis 20-fache steigern. Auch auf Gemüse- und Früchtebauern ist das Programm ausgeweitet worden. Paul Seward von "Farminput" berichtet gerne über ein besonders erfolgreiches Beispiel. Eine Bäuerin, die mit Passionsfrüchten inzwischen Spitzenerträge erwirtschaftet, verkauft ihre Ernte an einen internationalen Safthersteller und verdient damit pro Jahr 1100 Euro.

Gartenbau ist eines der wenigen Erfolgskapitel Afrikas. Der professionelle Anbau von Gemüse und Blumen in riesigen Treibhäusern in Kenia für den Export mit Flugzeugen nach Europa hat sich zum Beispiel zu einem regelrechten Schlager entwickelt. Kenia gilt unter den Entwicklungsländern nach Marokko inzwischen als der zweitgrößte Gemüselieferant der Europäischen Union und nach Kolumbien als der zweitgrößte Blumenexporteur der Welt. Der Gartenbau beschert dem Land immerhin 350 Millionen Dollar Exporterlöse und ist nach dem Tee wichtigster Exportsektor geworden.
 
Quelle: Stuttgarter Zeitung 17.07.2004

 

Halbierung der Armut in Afrika bis 2015 unmöglich
     24.06.2002

Das Ziel der UN, die Armut in Afrika bis 2015 zu halbieren, ist unrealistisch. Zu dieser Einschätzung kommt Uschi Eid, Afrika-Expertin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, im Interview mit dem "Greenpeace Magazin".

"Ich rechne eher damit, dass es noch 50 oder 100 Jahre dauert", sagte die Grünen-Politikerin der Hamburger Zeitschrift. Die "ambitionierte Zielvorgabe" der UN sei lediglich "Ansporn, damit sich die Staatengemeinschaft jetzt zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung aufrafft". Bei der G-8-Gipfelkonferenz am 26. und 27. Juni im kanadischen Kananaskis wollen sich die Staats- und Regierungschefs auch mit der Lage Afrikas befassen.

Von den 670 Millionen Afrikanern südlich der Sahara leben 30 Prozent unter der Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Tag und Kopf. Die Industrienationen müssten ihre Entwicklungshilfe auf mindestens 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes aufstocken, um die Armut in Afrika zu halbieren, errechnete die Weltbank. So viel Geld stehe zurzeit jedoch nicht zur Verfügung, sagte Uschi Eid, die sich dafür einsetzt, das Menschenrecht auf Nahrung weltweit umzusetzen.

Die rot-grüne Regierung habe allerdings den Abwärtstrend der Entwicklungshilfe gestoppt. Von 0,48 Prozent des Bruttosozialprodukts 1982 sei unter Bundeskanzler Helmut Kohl noch 0,26 Prozent geblieben. Zurzeit gibt Deutschland 0,27 Prozent des Bruttosozialproduktes für die Entwicklungshilfe aus. Bis 2006 sollen es 0,33 Prozent sein, sagte Eid. Wichtiger sei jedoch, die Agrarsubventionen abzubauen, um die europäischen Märkte für die Produkte aus den ärmsten Ländern zu öffnen. Das bringe "viel mehr als eine noch so üppige Erhöhung im Haushalt des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit".

Gerechter Welthandel beginnt an der Ladentheke

Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat begrüßt, dass der Handel zunehmend fair gehandelte und ökologisch erzeugte Produkte aus der Dritten Welt anbietet. "Verbraucher können durch ihr Einkaufsverhalten konkret zu mehr Fairness im Handel, zu gerechter Bezahlung von Menschen und zum Schutz der Umwelt in der Dritten Welt beitragen", sagte der Minister bei der Präsentation eines Warenkorbs mit fair gehandelten Produkten. "Der Kampf gegen die Armut ist eine wichtige Voraussetzung für einen effektiven Umweltschutz", sagte Trittin.

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Mal was zum Nachdenken

 

 

Armut und Reichtum


Wenn die drei reichsten Männer der Erde ein Vermögen besitzen, das dem Bruttosozialprodukt von etwa 50 Ländern entspricht, dann besteht ein gravierendes Missverhältnis. Wenn Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Umweltraubbau zur Begleiterscheinung des Weltmarktes werden, kann niemand behaupten, der Markt regle alles zum besten. Die Gesellschaft hat ein Anrecht auf Regeln, die auch das globalisierte Kapital zu befolgen hat. Solche Regeln zu entwickeln und durchzusetzen ‑ das ist die Herausforderung für alle Länder und Regierungen.

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Weltbevölkerung

Wenn man die Weltbevölkerung auf ein 100 Seelen zählendes Dorf reduzieren könnte und dabei die Proportionen aller auf der Erde lebenden Völker beibehalten würde, wäre dieses Dorf folgendermaßen zusammengesetzt:

61 Asiaten
11 Europäer
 9 Lateinamerikaner (Zentral‑ und Südamerika)
 5 Nordamerikaner
14 Afrikaner

29 wären Kinder unter 15 Jahren
 7 Dorfbewohner wären älter als 65
50 Menschen im Dorf sind Männer, 50 sind Frauen
Im Durchschnitt bekämen die Frauen 3 Kinder
von den 26 Frauen, die zwischen 15 und 49 Jahre alt sind und in einer Partnerschaft leben, wenden 14 eine moderne Verhütungsmethode an.
Jedes Jahr würden zwei Babys geboren und ein Dorfbewohner sterben.
Die Zahl der Dorfbewohner würde jährlich um etwa eine Person steigen.
Im Jahr 2050 würden bereits 143 Menschen im dem Dorf leben.
19 Dorfbewohner müssten von weniger als 1 US-Dollar pro Tag leben.
12 Menschen würden unter Wasserknappheit leiden.
(aus dem DSW-Datenreport 2005 zur Weltbevölkerung / Quelle: SüdZeit Oktober 2005)

Es gäbe:

30 Weiße und 70  Nicht-Weiße
30 Christen und 70 Nicht-Christen
89 Heterosexuelle und 11 Homosexuelle 
6 Personen besäßen 59% des gesamten Reichtums und alle 6 kämen aus den USA,
80 lebten in maroden Häusern,
70 wären Analphabeten,
50 würden an Unterernährung leiden, 1 wäre dabei zu sterben, 1 wäre dabei geboren zu werden.
1 besäße einen Computer, 1 (ja, nur einer) hätte einen Universitätsabschluss.


Wenn man die Welt auf diese Weise betrachtet, wird das Bedürfnis nach Akzeptanz und Verständnis offensichtlich. Du solltest auch folgendes bedenken:

*  Wenn du heute morgen aufgestanden bist und eher gesund als krank warst hast du ein besseres Los gezogen als die Millionen Menschen, die die 
    nächste Woche nicht mehr erleben werden.

*  Wenn du noch nicht in der Gefahr einer Schlacht, in der Einsamkeit der Gefangenschaft, im Todeskampf der Folterung oder im Schraubstock des 
    Hungers warst, geht es dir besser als 500 Millionen Menschen. 

*  Wenn du zur Kirche gehen kannst ohne Angst haben zu müssen bedroht, gefoltert oder getötet zu werden, hast du mehr Glück als 3 Milliarden 
    Menschen.

*  Wenn du Essen im Kühlschrank, Kleider am Leib, ein Dach über dem Kopf und einen Platz zum Schlafen hast, bist du reicher als 75% der
   Menschen dieser Erde.

 * Wenn du Geld auf der Bank, in Deinem Portemonnaie und im Sparschwein hast, gehörst du zu den Privilegiertesten 8% dieser Welt.

*  Wenn deine Eltern noch leben und immer noch verheiratet sind, bist du schon wahrlich eine Rarität.

* Wenn du diese Nachricht erhältst, bist du direkt zweifach gesegnet: Zum einen weil jemand an dich gedacht hat, und zum anderen weil du nicht zu 
  den zwei Millionen Menschen gehörst, die nicht lesen können.

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2005 – das UNO-Jahr der Kleinstkredite                                                                                                                                       Quelle: Oikocredit Info 2/2004
„Finanzdienstleistungen für alle Menschen“

Unter diesem Motto haben die Vereinten Nationen 2005 zum internationalen Jahr der Kleinstkredite erklärt. Bis zur offiziellen Eröffnung am 18. November in New York plant nicht nur die UNO viele Aktivitäten. Auch Oikocredit trifft Vorbereitungen. Die Anstrengungen der UNO zur Etablierung von Kleinstkrediten bieten für Oikocredit viele Gelegenheiten, neue Netzwerke zu finden, Diskussionen zu veranstalten und neue Anlegerinnen zu interessieren. Ein konkretes Ziel von Oikocredit für 2005 ist, 2.005 neue Anlegerinnen zu finden.

„Das internationale Jahr der Kleinstkredite
2005 unterstreicht die Bedeutung der Mikrofinanz als festen Bestandteil unserer kollektiven Anstrengungen, die Millennium-Entwicklungsziele zu erreichen. Wir sind gefordert, gegen den Ausschluss vieler Menschen vom vollen Zugang zu Finanzdiensten vorzugehen. Zusammen können und müssen wir Finanzdienstleistungen für alle Menschen schaffen, die ihre Lebensbedingungen verbessern,” erklärte UNO-Generalsekretär Kofi Annan im Dezember letzten Jahres. Außerdem wird in den Zielsetzungen des UNO-Jahres der Kleinstkredite eines der wichtigsten Ziele der „Microcredit Summit Campaign” unterstützt, bis Ende 2005 weltweit 100 Millionen Menschen mit Mikrokrediten zu erreichen.

Kampagne 2005

Oikocredit hat vor 30 Jahren mit echter Pionierarbeit in der Entwicklungsfinanzierung begonnen und inzwischen über 60 Millionen Euro in Mikrofinanzinstitute (MFI) investiert. Heute ist Oikocredit einer der größten, wenn nicht der größte, private Finanzier im Mikrofinanz-Sektor. Das UNO-Jahr der Kleinstkredite bietet Oikocredit eine einzigartige Gelegenheit, sich noch stärker als ausgewiesen erfahrener und zuverlässiger Mikrofinanz-Partner zu profilieren. Ein Ziel der Oikocredit-Kampagne 2005 ist es, 2.005 neue Investorinnen für Oikocredit zu finden, 500 mehr als in einem normalen Jahr. Genauso wichtig sind aber Erfahrungsaustausch, die Vertiefung von Kenntnissen und die Entwicklung neuer Strategien. Mit einer Reihe von Veranstaltungen in allen Ländern, in denen wir aktiv sind, unterstützt durch Pressekontakte und entsprechende Veröffentlichungen, wollen wir diese Ziele erreichen. Im Jahr 2005 werden wir viele Erfolgsgeschichten aus dem Leben von Menschen hören, die sich durch Kleinstkredite vom Joch der Armut befreien konnten. Es wird aber auch Raum für konstruktive Kritik und Reflexion geben, damit die Wirksamkeit von Mikrokrediten weiter verbessert werden kann. Oikocredit kann durch sein langjähriges Engagement in diesem Bereich hier viel beitragen. Wichtige Diskussionspunkte sind: Erreichen die verfügbaren Mittel die richtigen MFI? Werden die MFI ihrem Ziel gerecht, Erwerbsaktivitäten von Kleinstunternehmen zu finanzieren? Sind die Zinssätze angemessen, die die Geldgeber von den MFI und die MFI von ihrer Kundschaft verlangen? Wie können Geldgeber und Entwicklungsorganisationen effektiv zusammenarbeiten?

Internationales Mikrokredit-Symposium

In diesem Sinne wird Oikocredit am Freitag, dem 10. Juni 2005, in Bonn ein internationales Mikrokredit-Symposium veranstalten. Wir erwarten dazu ein internationales Publikum von mehr als 1.000 Personen, die im ehemaligen deutschen Bundestag das Für und Wider der heute in aller Welt praktizierten Mikrofinanz diskutieren werden. Im Jahr 2005 feiert Oikocredit außerdem sein 30-jähriges Bestehen. Mit Unterstützung des gesamten internationalen Netzes der Förderkreise und anderen Mitglieder sowie der Regionalstellen und unserer Geschäftspartnerinnen werden wir im Herbst 2005 einen internationalen Oikocredit-Sonntag organisieren, an dem sich 2.005 Kirchengemeinden in aller Welt beteiligen, indem sie Oikocredit zum Thema ihrer Messen bzw. Gottesdienste machen, und den Auftrag sowie 30 Jahre erfolgreicher Arbeit zur Finanzierung fairer Geschäftschancen für unterprivilegierte Menschen feiern.

Iris Kleynen
, Öffentlichkeitsreferentin
 

Fünf Kernziele für das Jahr der Mikrokredite sollen Mitgliedstaaten, UNO-Agenturen und Mikrofinanzpartner in ihren gemeinsamen Anstrengungen zusammenbringen, nachhaltige Finanzsysteme für alle Menschen aufzubauen, um die Millenium-Entwicklungsziele zu erreichen:

Bewertung und Förderung des Beitrags der Mikrofinanz zu den Millenium-Entwicklungszielen
Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Mikrofinanz als entscheidenden Bestandteil des Entwicklungsprozesses
Förderung von Finanzsystemen für alle Menschen
Förderung eines nachhaltigen Zugangs zu Mikrofinanzdiensten und
Unterstützung von Innovation und neuen Partnerschaften.

 

 

Das System der Kleinstkredite                                                                                                                                                                                                                        Stuttgarter Zeitung 9.7.2005

So genannte Klein- oder Mikrokredite sind mittlerweile ein wichtiges Instrument zur Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern. Sie sollen denjenigen die Chance zum Start eines Kleinunternehmens ermöglichen, die wegen ihres geringen Einkommens von Banken kein Geld bekommen. Die kleinen Darlehen zwischen 50 und 500 Euro werden ohne große Sicherheiten und mit minimalem Verwaltungsaufwand vergeben. Die UNO hat das Jahr 2005 zum Jahr der Kleinkredite ausgerufen.

Vorzeigeprojekt dieser Bewegung ist die Grameen-Bank in Bangladesch, die 1976 vom Wirtschaftswissenschaftler Muham­mad Yunus mit internationaler Unterstützung gegründet wurde. Sie hat heute über drei Millionen Kunden mit durchschnittlich 180 Dollar Kreditsumme. Die 12 000 Bankangestellten sind in 44 000 Dörfern Bangladeschs aktiv. Sie vergeben Darlehen von jährlich rund einer halben Milliarde Dollar. Zu den Kreditnehmern zählen überproportional viele Frauen. Die Rückzahlungsmoral ist den Angaben der Bank zufolge sehr hoch und liegt bei über 90 Prozent.

Deutschland unterstützt als einer er größten Geberländer den Aufbau des Kleinkreditsystems. Im Auftrag des Entwicklungsministeriums vergeben beispielsweise KfW Entwicklungsbank oder die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) Kredite zur Absicherung von Mikrofinanzorganisationen oder übernehmen Beteiligungen. Auch Nichtregierungsorganisationen, gemeinnützige Stiftungen des Bankensektors und Bankenverbände engagieren sich. 2004 hat Deutschland den Bereich der Mikrofinanzierung laut Entwicklungsministerium mit 109 Millionen Euro unterstützt.

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Muhammad Yunus erhält in Oslo den Friedensnobelpreis

"Mit Mikrokrediten die Armut ins Museum verbannen"  
Köln, 8. Dezember 2006 

Am Sonntag, den 10. Dezember 2006, erhielten Muhammad Yunus und die Institution, die er vor 30 Jahren gegründet hat, in Oslo den Friedensnobelpreis. Der Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch ist vielen als "Bankier für die Armen" bekannt. Er startete seinen Weg zur Gründung der Grameen Bank im Jahre 1976 mit einem Kredit aus eigener Tasche. Er gab 42 hoffnungslos armen Menschen in Bangladesch einen Kredit von insgesamt 27 US-Dollar, also weniger als 1 Dollar pro Person. Unter ihnen war eine Frau, die Bambushocker herstellte. Sie erzielte damit einen Gewinn von lediglich 2 Pennies pro Tag. Mit dem Kredit von Prof. Yunus war die Frau nunmehr in der Lage, ihr Produkt an den Meistbietenden zu verkaufen und ihr Gewinn schnellte in die Höhe, von zwei Pennies auf 1,25 US-Dollar täglich. ...............
 

Oikocredit gratuliert Muhammad Yunus

Kleinkredite als erfolgreicher Weg aus der Armut anerkannt

Die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit freut sich über die Verleihung des Friedens-Nobelpreises an Professor Muhammad Yunus, den “Erfinder” der Mikrokredite. Für Oikocredit, weltweit führend in der Finanzierung von Mikrokredit-Institutionen, wird damit die Mikrofinanz-Idee als erfolgreicher Weg zur Überwindung der globalen Armut gewürdigt. “Doch Muhammad Yunus hätte für seine 30jährige Pionierarbeit eigentlich den Wirtschafts-Nobelpreis verdient”, kommentiert Tor G. Gull, Managing Director von Oikocredit. ..................
 

Weitere Informationen unter: http://www.oikocredit.org

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2005: UN-Jahr der Kleinstkredite

 Wege aus der Armutsfalle

Auf dem Markt von Davao City auf den Philippinen gilt bei den privaten Geldverleihern das 5/6 Prinzip: Wer 500 Pesos leiht, muss nach einem Monat 600 Pesos zurückzahlen. Ein Zinssatz von 20 % pro Monat! Vielen ist es unmöglich, die Schulden bei den Kredithaien zu tilgen. Da sie keine andere Möglichkeit haben Geld zu leihen, geraten sie, wie viele Menschen in Entwicklungsländern, in immer größere Abhängigkeit und Armut. Kleinstkredite bieten einen Ausweg aus dieser Situation.

Kleinstkredite zu fairen Konditionen helfen Menschen in armen Ländern, aus der Armut auszubrechen. Darlehen zwischen 50 und 500 Euro geben ihnen ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie eigene Geschäftsbetriebe aufbauen und nachhaltige Zukunftschancen für ihre Familien schaffen können.
 

Schlüssel für die Zukunft

Kleinstkredite befähigen Menschen, darunter viele Frauen, zum Aufbau von Kleinunternehmen. Die Nutzerinnen von Kleinstkrediten haben immer wieder bewiesen, dass sie in der Lage sind, ihre Darlehen zurückzuzahlen. Die Rückzahlungsquote liegt in der Regel bei 98 %. Für Kredite werden von den Banken Sicherheiten gefordert, die benachteiligte Menschen meist nicht leisten können. Daher vergeben Mikrofinanz­institutionen oft Darlehen an Gruppen, deren Mitglieder gemeinsam die Verantwortung für die pünktliche Rückzahlung der Kredite tragen. Kleinstkredite sind kein Allheilmittel gegen die Armut. Wirk­liche Fortschritte in der Armutsbekämpfung sind nur möglich durch Mikrofinanzprogramme, die Kredite in Kombination mit Sparkonten oder auch Versicherungen anbieten. Dabei ist auch der Kleinstkredit nur ein Element im Rahmen einer umfassenden Entwicklungsförderung, die Bildung, technische Unterstützung und gerechte wirtschaftliche Bedingungen einschließt.

Entwicklung finanzieren

Durch seine einheimischen Fachkräfte in allen Teilen der Welt hat Oikocredit
Erfahrungen aus erster Hand mit den lokalen Gegebenheiten. Die räumliche Nähe ermög­licht es Oikocredit, nicht nur Zielgruppen in den Städten, sondern auch gerade benachteiligte Menschen auf dem Land zu erreichen, die sonst vom Zugang zu Kreditkapital ausgeschlossen wären.
Oikocredit finanziert Mikrofinanzinstitutionen
in Städten und ländlichen Regionen und bietet ihnen eine langfristig verlässliche Finanzierungsquelle. Durch die Bereitstellung von Krediten in Landeswährung trägt Oikocredit zusammen mit den Mikrofinanz-Partnern in vielen Fällen das Risiko von Währungsschwankungen bei der Rückzahlung. Dadurch haben die Kreditnehmerinnen vor Ort faire Konditionen für ihre Kleinstkredite und bestmöglichen Service.  

In Menschen investieren

Oikocredit ist einer der weltweit größten mit Privatkapital arbeitenden Investoren für Kleinstkredite. In die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit investieren heute über 23.000 Anlegerinnen, Kirchen, Einzelpersonen, Fairhandels- und Entwicklungsorganisationen sowie reguläre Banken mit einem Anteilskapital von 200 Millionen Euro. Damit werden weltweit Kredite für Genossenschaften, kleine und mittelständische Unternehmen und Basisprojekte finanziert. Oikocredit investiert über 65 Millionen Euro in mehr als 170 Mikrofinanzinstitutionen in Lateinamerika, Afrika, Asien und Osteuropa, um den einzelnen Menschen zur Selbsthilfe zu befähigen.
Oikocredit
bietet seinen Anlegerinnen einen hohen sozialen Gewinn und stabile finanzielle Erträge. Wer Geld bei Oikocredit anlegt, weiß, dass seine Anlage wirkungsvoll in die Schaffung nachhaltiger Verdienstquellen für Familien und Gemeinschaften investiert wird.

                                                                                                                    Zwei Beispiele für gezielte Förderung:
 

                                                  Philippinen: Stand auf dem Wochenmarkt mit Hilfe von Kleinkrediten  è

                                                  Ein Kleinkredit von Oikocredit hat Gilda Ponte geholfen, ihren kleinen Stand
                                                  auf den Märkten von Davao City auszubauen.

   ç  Bolivien: Gemüseverkauf mit Hilfe von Kleinkrediten

     Alicia Fernandez Viuda de Charez    verkauft Gemüse auf dem Markt in La Paz.
     Oikocredit hat mit einem Darlehen geholfen.

 

 

Fair handeln mit Geld - Armut überwinden, Entwicklung fördern - Oikocredit

Entwicklung braucht KreditFair Handeln mit Geld

»Spenden machen müde, Kredite fördern die Eigeninitiative«, sagt Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Die Anerkennung als Geschäftspartner stärkt das Selbstbewusstsein. Faire Kredite bieten mehr als Geld. Sie schaffen Vertrauen und geben Impulse, um das Leben zu verändern, hin zu weniger Armut, mehr Arbeit, Bildung, medizinischer Versorgung, Renten- und Versicherungssystemen, Wohnungsbau und Umweltschutz.
Muhammad Yunus und Oikocredit sind langjährige Weggefährten. Sie vergaben schon Mikrokredite, bevor der Begriff überhaupt existierte. Die kleinen Darlehen mit der großen Wirkung haben sich als effiziente Entwicklungsförderung erwiesen, vor allem für Frauen.
Oikocredit vergibt rund zwei Drittel ihrer Darlehen an Mikrofinanzinstitutionen. Diese bieten neben Krediten auch andere Finanzdienstleistungen, Geschäftsbe­ratung und Fortbildung an.


Faire Kredite für Arme: Eine sichere Anlage

Arme Menschen sind zuverlässige Kreditnehmer. Trotz Wirtschaftskrisen, Korruption und Naturkatastrophen liegt die Rückzahlungsquote der Oikocredit­Darlehen seit Jahren über 90 Prozent. Eine Quote, von der viele Banken nur träumen können.
Die angeblich »nicht bankfähigen« Menschen beweisen. dass sie zuverlässige und erfolgreiche Geschäftspartner sind. Sie verdienen Vertrauen. Sie verdienen unseren Kredit.


... mit doppeltem Gewinn

Sie können sich als Einzelperson, Organisation oder Gemeinde bei Oikocredit beteiligen, indem Sie Anteile ab 200 Euro erwerben. Ihre Einlage wird treuhänderisch verwaltet und bei Bedarf wieder zurückgezahlt. Informationen zu Risiken, Rückzahlungen und zur Dividende sind im Prospekt zu finden (www.oikocredit.org/sa/dachs).
Die Dividende beträgt in der Regel zwei Prozent pro Jahr. Hinzu kommt der soziale Gewinn: Ein besseres Leben für viele Menschen und ein Schritt auf dem Weg zu einer gerechteren Welt.


Auf dem Weg in ein besseres Jahrtausend

Sauberes Trinkwasser, ausreichende Ernährung, ein menschenwürdiges Leben für alle: Diese andere Welt ist möglich. Tatsächlich aber sind viele Länder immer noch geprägt von Hunger und Armut. Die Vereinten Nationen setzen sich tatkräftig für eine Veränderung ein. Sie beschlossen die Millennium­Entwicklungsziele bis 2015: Hunger, Armut, Krankheiten und Analphabetismus sollen überwunden, die Umwelt geschützt und die Frauen gleichgestellt werden. Die reichen Nationen wollen eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen und armen Ländern eine faire Chance auf dem Weltmarkt einräumen.
Oikocredit und der Faire Handel arbeiten seit Jahrzehnten für eine gerechtere Weltwirtschaft – bei bemerkenswerter Beitrag zur Überwindung der Armut und für die Millenniumsziele.


Durch Fairness aus der Armut

Mehr als eine Million Menschen in Entwicklungsgebieten profitieren heute vom Fairen Handel. Mit ihren Familien sind dies rund fünf Millionen Personen. Der Faire Handel verbessert den Absatz und die Erträge ihrer Erzeugnisse. Wer hier faire Produkte kauft, fördert dort Umweltschutz, Bildung und Gesundheitsprojekte und damit nachhaltige Entwicklung. Ein wichtiges Zeichen gegen die Ungerechtigkeit des globalen Welthandels.
Sie helfen direkt: Mit dem Kauf fair gehandelter Produkte in Weltläden oder Einkaufszentren schaffen Sie für Kleinproduzenten einen sinnvollen Zugang zum Weltmarkt.


Handeln Sie fair mit Ihrem Geld

Auch wenn Sie Kleidung, Teppiche, Fußbälle oder Blumen kaufen, können Sie verantwortungsvoll konsumieren. Wurden die Produkte ohne Kinderarbeit, unter menschenwürdige
n Arbeitsbedingungen und umweltverträglich hergestellt?
Fragen Sie auch nach ethischen Kriterien, wenn Sie Geld investieren. Oikocredit bietet Ihnen die Möglichkeit, Geld für eine gerechtere Welt anzulegen.


In Menschen investieren

Arme Menschen haben keinen Kredit. Jedenfalls nicht bei gewöhnlichen Banken. Oikocredit dagegen gewährt Benachteiligten Zugang zu Kapital durch die Förderung von Mikrofinanz-Programmen, Genossenschaften und kleinen Unternehmen in Entwicklungsgebieten. Millionen von Menschen profitieren weltweit von diesen langfristigen Darlehen, die mithelfen, eine Exist
enz aufzubauen. Ende 2006 hat Oikocredit Darlehen über 264 Mio. Euro bewilligt.

Fairer Handel und Faire Kredite ergänzen sich gut

Weniger Armut und eine gerechtere Weltwirtschaft: Diese Ziele verbinden Oikocredit und den Fairen Handel. Der Faire Handel garantiert Preise und lang­fristige Lieferverträge. Oikocredit bringt Kapital in Unternehmen, die damit Arbeit und Zukunft schaffen.
30 Oikocredit-Darlehen gehen zur Zeit direkt in den Fairen Handel. Als Kredite für Transport- und Lager­kapazitäten, Produktionsanlagen oder an Fair-Handels-Partner wie El Puente oder dwp in Deutschland, Gebana in der Schweiz, De Evenaar in den Niederlanden oder Altemativa 3 in Spanien.

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 Für ein friedliches Miteinander
Religionsgemeinschaften machen sich für ein friedliches und aktives Miteinander in Stuttgart stark
  
Manifest für ein friedliches Miteinander der Religionen am 9. November 2004 unterzeichnet

Führende Mitglieder verschiedener Stuttgarter Religionsgemeinschaften haben sich vor über einem Jahr zu einem Runden Tisch der Religionen in Stuttgart zusammengefunden. Ein wesentliches Ziel der von Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster initiierten Einrichtung ist, Missverständnissen und Konflikten unter religiösen Vorzeichen in Stuttgart vorzubeugen. Aus diesem Grund hat der Runde Tisch ein "Manifest für ein friedliches und aktives Miteinander der Religionen erarbeitet", das einen Verhaltenskodex für den Fall von Konfliktsituationen anbietet.

Der Text des Manifestes ist in den letzten Wochen an die Religionsgemeinschaften in Stuttgart weitergeleitet worden. Damit verbunden war die Bitte, sich durch eine Unterschrift an dem Appell für ein friedliches Zusammenleben zu beteiligen. Die Unterzeichnung des Manifestes durch 23 Religionsgemeinschaften fand am Dienstag, 9. November, um 12 Uhr im Dürnitz-Saal des Alten Schlosses statt. Vor der Unterzeichnung sprachen die Vertreter der Religionsgemeinschaften Friedensgebete oder trugen Texte aus ihren religiösen Schriften vor.

Runder Tisch der Religionen in Stuttgart stellt sich der Öffentlichkeit vor.

In Stuttgart leben Menschen aus 170 Nationen mit mehr als 100 Sprachen und einer Vielzahl von Religionen, Glaubensüberzeugungen und Heilserwartungen. Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster hat am 22. Oktober des vergangenen Jahres führende Mitglieder großer Stuttgarter Religionsgemeinschaften zu einem "Runden Tisch der Religionen in Stuttgart" eingeladen.

Dabei versteht sich der Runde Tisch nicht als Konkurrenz für bereits bestehende multireligiöse Dialogforen oder Gruppen an der Basis. Er soll vielmehr ein Kreis sein, der sich mit Fragen befasst, die direkt das Zusammenleben der Religionsgemeinschaften untereinander und das Leben der Religionsgemeinschaften in der Großstadt betreffen.

Schuster: "Ich bin den Mitglieder des Runden Tisches sehr dankbar, dass sie meine Initiative aufgegriffen haben. Wir arbeiten konstruktiv und fruchtbar zusammen. Damit wollen wir möglichen Missverständnissen und Konflikten unter religiösen Vorzeichen vorbeugen." Gleichzeitig will der Runde Tisch auch den Austausch von Informationen zu anstehenden Fragen und aktuellen Problemen einzelner Gemeinschaften ermöglichen.

Die vertretenen Religionsgemeinschaften geben also keine ihrer eigenen Kompetenzen und Rechte für ihre eigene Organisation an den Kreis ab. Der Kreis mischt sich nicht in die internen Belange einzelner Religionen ein und kann nicht für oder über einzelne Religionsgemeinschaften Beschlüsse fassen.

Mittlerweile wurde in weiteren Sitzungen des Runden Tisches ein "Manifest für ein friedliches und aktives Miteinander der Religionen in Stuttgart" erarbeitet, das der Oberbürgermeister gemeinsam mit den Teilnehmern des Runden Tisches der Religionen in Stuttgart am Montag, 30. August, der Öffentlichkeit vorstellte:

        Prälat Michael Brock (Katholische Kirche in Stuttgart), Dr. Ferid Kugic (Bosnische Islamische Gemeinschaft),
        Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich (Evangelische Kirche in Stuttgart), Dr. Haleh Sabet (Der Geistige Rat der Baha'i) und
        Sami Ercan (Türkisch-Islamische Union D.I.T.I.B.), Barbara Traub
        Martina Künstner (Buddha-Haus e.V. Stuttgart), (Sprecherin des Vorstandes der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs)

Der Runde Tisch will damit einen Verhaltenskodex für konkrete Ernstfälle anbieten, um zu vermeiden, dass Gespräche und Kontakte dann bei "Null" anfangen müssen. Schuster: "Ich würde mir wünschen, dass dieser Verhaltenskodex in den einzelnen Gemeinden an die Basis transportiert wird."

In den nächsten Wochen soll der Text daher in die Gremien der Teilnehmer des Runden Tisches sowie an alle anderen Religionsgemeinschaften in Stuttgart gegeben werden mit der Bitte und dem Angebot, sich durch eine Unterschrift an dem Appell für ein friedliches Zusammenleben zu beteiligen.

Diese Unterzeichnung des Manifests durch alle hierzu bereiten Religionsgemeinschaften ist für den 9. November 2004 im Rathaus vorgesehen. Sie soll mit einem gemeinsamen Friedensgebet verbunden werden.

Manifest für ein friedliches und aktives Miteinander der Religionen in Stuttgart

Stuttgart, eine internationale Stadt

Unsere Stadt ist eine internationale Stadt und wird im 21. Jahrhundert noch internationaler werden. Durch die zunehmende Globalisierung werden die Grenzen immer mehr geöffnet für Warenhandel, Dienstleistungen, Informationen, Finanzströme und den wissenschaftlichen Austausch sowie für kulturelle Kooperationen. Ebenso überwinden immer mehr Menschen aus aller Welt mit ihren Kulturen und Religionen die Grenzen ihres jeweiligen Kulturkreises. Der Großraum Stuttgart, eine der stärksten Hightech- und Exportregionen Europas, wird besonders stark von der Globalisierung erfasst werden.

Heute leben Menschen aus über 170 Nationen in Stuttgart; sie sprechen mehr als 100 Sprachen. Diese Vielfalt zeichnet unsere Stadt aus. Jeder vierte Stuttgarter ist in die Landeshauptstadt zugewandert oder stammt von Zuwanderern ab. Stuttgart kann als eine Art Mikrokosmos der Vereinten Nationen im Kraftfeld von Internationalität und Integration gesehen werden.

Viele Initiativen, die Kirchen und Religionsgemeinschaften und ihre Einrichtungen sowie gute Nachbarschaft haben in der Vergangenheit bewirkt, dass in Stuttgart die Menschen friedlich zusammen leben und unsere Stadt heute die sicherste Großstadt in Deutschland ist. Auch das "Bündnis für Integration", zu dem unter anderem das "Forum der Kulturen" gehört, trägt mit vielen Dialogforen und Integrationsangeboten zu einem guten Miteinander bei.

Dieses friedliche und hilfreiche Miteinander weiter zu entwickeln und zu sichern, sehen wir als unsere gemeinsame Aufgabe an. Insbesondere sehen wir eine mögliche Gefährdung für das Zusammenleben in Stuttgart, wenn wirtschaftliche Schwierigkeiten und der Verlust von Arbeitsplätzen und Ausbildungsplätzen für junge Leute die soziale Balance gefährden.

Vor allem sehen wir eine Gefahr darin, dass religiöse Überzeugungen mit radikalem Fundamentalismus durchsetzt und soziale Unzufriedenheit im Namen einer Religion auch unter Menschen mit einem Migrationsschicksal geschürt und für politische Zwecke missbraucht werden. Dieser Gefahr möchten wir entgegen wirken.

Der Runde Tisch der Religionen

Alle Bürgerinnen und Bürger Stuttgarts fordern wir auf, an der gemeinsamen Verantwortung für ein gedeihliches und friedvolles Zusammenleben der Menschen in unserer Stadt teil zu haben. Dazu gehören das tolerante Miteinander, das Akzeptieren fremder Sitten und Bräuche und vor allem der Respekt vor den religiösen Überzeugungen anderer. Der Runde Tisch der Religionen in Stuttgart sieht deshalb für die Religionsgemeinschaften in unserer Stadt eine besondere Verantwortung für das Zusammenleben aller.

In allen Religionen gibt es die Aufforderung zur Mitmenschlichkeit und zum Frieden, zur Achtung der Würde des einzelnen Menschen und zur Bewahrung der Schöpfung. Die gemeinsame Botschaft des Friedens, der Toleranz und der gegenseitigen Achtung zu fördern und auch in unserer Stadt wirksam werden zu lassen, ist die wesentliche Aufgabe des Runden Tisches der Religionen.

Dem dienen der Dialog der Religionsgemeinschaften über Sitten, Gebräuche und Traditionen, die Möglichkeit einander in Gottesdiensten zu besuchen und vielfältige Begegnungen, um einander besser kennen zu lernen und mögliche Vorurteile abzubauen. Dazu gehört auch die Überzeugung, dass möglichen Gefährdungen unseres Miteinanders der Nationen und Religionen präventiv begegnet werden soll.

Für ein friedliches Miteinander der Religionen in Stuttgart

Die Unterzeichnenden dieses Manifests sind sich darin einig, dass sich Stuttgart als eine internationale Stadt friedlich und qualitätsvoll entwickeln soll. Die Vielfalt der Sprachen, Kulturen und Religionen gehören zum Reichtum unserer Stadt. Ihn müssen wir erhalten. Dazu wollen die Religionsgemeinschaften in Stuttgart beitragen.

Die Religionsgemeinschaften setzen sich deshalb dafür ein,

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Global Marshall Plan

Was ist der Global Marshall Plan?
Der Global Marshall Plan hat als Ziel eine „Welt in Balance”. Dies erfordert eine bessere Gestaltung der Globalisierung und der weltökonomischen Prozesse: eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft. Es geht um einen besseren weltweiten Ordnungsrahmen, eine nachhaltige Entwicklung, die Überwindung der Armut, den Schutz der Umwelt, Gerechtigkeit und in der Folge ein neues Weltwirtschaftswunder.

Der Global Marshall Plan umfasst insbesondere die folgenden fünf Kernziele:

1. Durchsetzung der weltweit vereinbarten Millenniumsziele der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2015
2. Aufbringung der zur Erreichung der Millenniumsziele zusätzlich erforderlichen 100 Mrd. US$ jährlich zur Förderung weltweiter Entwicklung

3. Faire und wettbewerbsneutrale Aufbringung der benötigten Mittel auch über Belastung globaler Transaktionen
4. Schrittweise Realisierung einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft durch Etablierung eines besseren Ordnungsrahmens der Weltökonomie z. B. über eine Verknüpfung etablierter 
    Regelwerke und vereinbarter Standards für Wirtschaft, Umwelt und Soziales (WTO, UNEP und ILO­Kernstandards)

5. Neuartige Formen basisorientierter Mittelverwendung bei gleichzeitiger Bekämpfung von Kor­ruption

 weitere Informationen: www.globalmarshallplan.org

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Fairer Handel schafft gutes Klima Eine Kampagne europäischer Weltläden
Ich bin du – sei fair zu mir 

Klimawandel

Der weltweite Klimawandel ist unumstritten. Er betrifft den Norden wie den Süden – aber in unterschiedlichem Ausmaß. Mehr als 1,1 Milliarden Menschen in Entwicklungsländern leben an absoluter Armut. Sie leben und arbeiten bereits jetzt schon unter schweren klimatischen Bedingungen: Naturkatastrophen wie beispielsweise Stürme, Trockenheit oder fluten bedrohen direkt das Leben dieser Menschen. Solche Wetterereignisse treten in Zukunft öfter und mit größerer Intensität auf – ein Ergebnis des  Klimawandels. Letztendlich sind es die Armen, die die Folgen tragen.

Globale Gerechtigkeit und Entwicklung

Entwicklungsländer haben bisher am wenigsten zum Klimawandel beigetragen. Sie haben den kleinsten ökologischen Fußabdruck. Aber gerade ihre Bewohner sind es, deren Lebensraum, Ernährungssicherheit und Zugang zu Trinkwasser am meisten bedroht sind. Weder sie noch ihre Staaten haben die Kapazitäten angemessen zu reagieren. Eine Ursache dafür: Das liberale Handelssystem, das es landwirtschaftlich geprägten Ländern und vor allem Kleinbauern und -bäuerinnen unmöglich macht, sich weiter zu entwickeln. Klimawandel wird so zu einer Frage der Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd.

Selbstverständlich muss z. B. der CO2-Ausstoß weltweit drastisch reduziert werden. Entsprechend dem Verursacherprinzip muss der Norden auch Menschen und Staaten in Entwicklungsländern dabei unterstützen, mit den Folgen des Klimawandels fertig zu werden. Dazu gehören finanzielle Hilfen und die  Förderung klimafreundlicher Energiepolitik. Darüber hinaus braucht es mehr Handelsgerechtigkeit.

Fairer Handel

Der Faire Handel liefert ein gutes Beispiel: Fairer Handel steht für nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung. Das macht ihn zu einem wichtigen Faktor im Umweltschutz. Der Faire Handel konzentriert sich auf Kleinbauern und benachteiligte Produzenten im Süden. Er hilft Millionen von Menschen dabei, der Armut zu entkommen. Fairer Handel arbeitet mit langfristigen partnerschaftlichen Beziehungen und verpflichtet sich, einen Preis zu zahlen, der ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. So sind seine Partner in der Lage, in umweltschonende Produktionsweisen zu investieren. Fairer Handel bevorzugt handwerkliche Produktion und ökologische Landwirtschaft. Dies bedeutet die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und Produktionsmethoden, die weder großes Kapital noch einen hohen Verbrauch an fossilen Brennstoffen benötigen. Der Faire Handel setzt sich ein für ein Handelssystem, in dem Menschenrechte vor Handelsrechte gesetzt werden Er streitet für soziale, ökonomische und ökologische Gerechtigkeit. Fairer Handel schafft gutes Klima. Auch heute schon.

Fairer Handel schafft gutes Klima
Eine Fair-Handels-Kampagne für Handels und Umweltgerechtigkeit

Fairer Handel schafft gutes Klima macht deutlich: Es geht nicht um Armutsbekämpfung oder Minderung des CO²-Ausstoßes. Beide müssen ständiger integraler Teil von Klimapolitik sein, um zu einer wahrhaftig nachhaltigen Entwicklung zu gelangen die diesem Namen auch gerecht wird.  Im Süden, wie im Norden. „Fairer Handel schafft gutes Klima“ fordert daher einen doppelten Klimawandel. Wir wollen Sie, liebe Kundin, lieber Kunde dazu ermutigen, mitzuziehen. Fordern Sie Politiker dazu auf, den fairen Handel bei seinen Anstrengungen zu unterstützen: Damit Gerechtigkeit im Handel erreicht wird UND die negativen Folgen auf Umwelt und Klima minimiert werden. So können  Armut und globale Ungerechtigkeit bekämpft werden.

„Fairer Handel schafft gutes Klima“ ist eine weltweite Kampagne. In Europa .In Europa beteiligen sich über 1000 Weltläden in Österreich, Dänemark, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien, Schweden und Großbritannien an der Kampagne, ebenso wie die Fair-Handelsbewegungen in Ungarn und der Tschechischen Republik.

„Fairer Handel schafft gutes Klima“ wird organisiert von NEWS!,  dem Netzwerk der Europäischen Weltläden und unterstützt von IFAT Global, der Internationalen Fair Handels Organisation.


Weltläden


Weltläden sind Fachgeschäfte für Fairen Handel. Als Pioniere der Fair Handelsbewegung können sie auf den Beitrag von mehr als 100.000 Freiwillen zählen. Um Fairen Handel bekannter zu machen, europaweite Kampagnen anzustoßen und um das Wissen über Fairen Handel zu stärken, wurde NEWS! 1994 gegründet. Es ist das Netzwerk von 13 nationalen Weltladen-Dachverbänden überall in Europa. NEWS! repräsentiert über 2000 Weltläden. Der Weltladen-Dachverband e.V. ist das deutsche NEWS!-Mitglied.

Schreiben auch Sie an die Frau Bundeskanzlerin  

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
das herrschende liberale Handelssystem ist der Hauptgrund für Armut und Klimawandel. Eine wahrhaft nachhaltige Politik, die auf den Klimawandel reagiert, muss demnach Armut mindern und Ungerechtigkeit im globalen Handel verringern.

Daher fordere ich Sie auf, sich auf nationaler und europäischer Ebene für eine kohärente Politik einzusetzen. Diese muss beinhalten:
1. Unterstützung des Fairen Handels als einem bedeutenden Instrument, um Armut und Klimawandel zu  bekämpfen.
2. Förderung der ökologischen Landwirtschaft von Kleinbauern- und bäuerinnen.
3. Änderung der Handelsregeln zugunsten benachteiligter Kleinproduzenten.

_____________
Unterschrift

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Oikocredit – in Menschen investieren   

Auf dem Weg in ein besseres Jahrtausend

Sauberes Trinkwasser, ausreichende E
rnährung, ein menschenwürdiges Leben für alle: Diese andere Welt ist möglich. Tatsächlich aber sind viele Länder immer noch geprägt von Hunger und Armut. Die Vereinten  Nationen setzen sich tatkräftig für eine Veränderung ein. Sie beschlossen die Millennium­Entwicklungsziele bis 2015: Hunger, Armut, Krankheiten und Analphabetismus sollen überwunden, die Umwelt geschützt und die Frauen gleichgestellt werden. Die reichen Nationen wollen eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen und armen Ländern eine faire Chance auf dem Weltmarkt einräumen.

Oikocredit und der Faire Handel arbeiten seit Jahrzehnten für eine gerechtere Weltwirtschaft - ein bemerkenswerter Beitrag zur Überwindung der
Armut und für die Millenniumsziele.

Durch Fairness aus der Armut

Mehr als eine Million Menschen in Entwicklungsgebieten profitieren heute vom Fairen Handel. Mit ihren Familien sind dies rund fünf Millionen Personen. Der Faire Handel verbessert den Absatz und die Erträge ihrer Erzeugnisse. Wer hier faire Produkte kauft, fördert dort Umweltschutz, Bildung und Gesundheitsprojekte und damit nachhaltige Entwicklung. Ein wichtiges Zeichen gegen die Ungerechtigkeit des globalen Welthandels.

Sie helfen direkt:: Mit dem Kauf  fair gehandelter Produkte in Weltläden oder Einkaufszentren schaffen Sie für Kleinproduzentinnen einen sinnvollen Zugang zum Weltmarkt.

Handeln Sie fair mit Ihrem Geld

Auch wenn Sie Kleidung, Teppiche, Fußbälle oder Blumen kaufen, können Sie verantwortungsvoll konsumieren. Wurden die Produkte ohne Kinderarbeit, unter menschenwürdigen Arbeits-bedingungen und umweltverträglich hergestellt?
Fragen Sie auch nach ethischen Kriterien, wenn Sie Geld investieren. Oikocredit bietet Ihnen die Möglichkeit, Geld für eine gerechtere Welt anzulegen.

In Menschen investieren

Arme Menschen haben keinen Kredit. Jedenfalls nicht bei gewöhnlichen Banken. Oikocredit dagegen gewährt Benachteiligten Zugang zu Kapital durch die Förderung von Mikrofinanz-Programmen, Genossenschaften und kleinen Unternehmen in Entwicklungsgebieten. Millionen von Menschen profitieren weltweit von diesen langfristigen Darlehen, die mithelfen, eine Existenz aufzubauen. Ende 2006 hat Oikocredit Darlehen über 264 Mio. Euro bewilligt.

Fairer Handel und Faire Kredite ergänzen sich gut

Weniger Armut und eine gerechtere Weltwirtschaft: Diese Ziele verbinden Oikocredit und den Fairen Handel. Der Faire Handel garantiert Preise und langfristige Lieferverträge. Oikocredit bringt Kapital in Unternehmen, die damit Arbeit und Zukunft schaffen.

30 Oikocredit-Darlehen gehen zur Zeit direkt in den Fairen Handel. Als Kredite für Transport- und Lagerkapazitäten, Produktionsanlagen oder an Fair-Handels-Partner wie El Puente oder dwp in Deutschland, Gebana in der Schweiz, De Evenaar in den Nieder­landen oder Altemativa 3 in Spanien.

Entwicklung braucht Kredit

»Spenden machen müde, Kredite fördern die Eigeninitiative«, sagt Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Die Anerkennung als Geschäftspartner stärkt das Selbstbewusstsein. Faire Kredite bieten mehr als Geld. Sie schaffen Vertrauen und geben Impulse, um das Leben zu verändern, hin zu weniger Armut, mehr Arbeit, Bildung, medizinischer Versorgung, Renten- und Versicherungssystemen, Wohnungsbau und Umweltschutz.

Muhammad Yunus und Oikocredit sind langjährige Weggefährten. Sie vergaben schon Mikrokredite, bevor der Begriff überhaupt existierte. Die kleinen Darlehen mit der großen Wirkung haben sich als effiziente Entwicklungsförderung erwiesen, vor allem für Frauen.

Oikocredit vergibt rund zwei Drittel ihrer Darlehen an Mikrofinanzinstitutionen. Diese bieten neben Krediten auch andere Finanzdienstleistungen, Geschäftsberatung und Fortbildung an.

Faire Kredite für Arme: Eine sichere Anlage

Arme Menschen sind zuverlässige Kreditnehmer. Trotz Wirtschaftskrisen, Korruption und Naturkatastrophen liegt die Rückzahlungsquote der Oikocredit­Darlehen seit Jahren über 90 Prozent. Eine Quote, von der viele Banken nur träumen können.

Die angeblich »nicht bankfähigen« Menschen beweisen, dass sie zuverlässige und erfolgreiche Geschäftspartner sind. Sie verdienen Vertrauen. Sie verdienen unseren Kredit.

... mit doppeltem Gewinn

Sie können sich als Einzelperson, Organisation oder Gemeinde bei Oikocredit beteiligen, indem Sie Anteile ab 200 Euro erwerben. Ihre Einlage wird treuhänderisch verwaltet und bei Bedarf wieder zurückgezahlt. Informationen zu Risiken, Rückzahlungen und zur Dividende sind im Prospekt zu finden www.oikocredit.org

Die Dividende beträgt in der Regel zwei Prozent pro Jahr. Hinzu kommt der soziale Gewinn: Ein besseres Leben für viele Menschen und ein Schritt auf dem Weg zu einer gerechteren Welt.

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