Reis aus Indien, Thailand, Laos     -    Quinua aus  Bolivien

 Warenkunde  Herkunftsländer  Reissortiment  Wissen Reis

 

Warenkunde Getreide und Körner

 

Reis - ein wichtiges Grundnahrungsmittel

Für die Hälfte der Menschheit ist Reis das wichtigste Grundnahrungsmittel. Seine Bedeutung kommt in vielen asiatischen Sprachen zum Ausdruck, in denen der Begriff "essen" gleichbedeutend ist mit "Reis essen". 
In vielen Kulturen gilt das Reiskorn als eine Frucht himmlischen Ursprungs; es gibt zahlreiche religiöse Ernterituale. Der Reis, botanisch Oryza sativa L., gehört zur Familie der Gräser. Sein Name geht auf den tamilischen Ausdruck "Arisi" zurück und verweist auf seine ursprüngliche Heimat Südostasien.
Heute gibt es weltweit über 8000 Sorten, von denen allerdings nur wenige im internationalen Handel eine Rolle spielen. Die Pflanze kann sich an unterschiedlichste Umweltbedingungen anpassen; je nach klimatischen Bedingungen wird sie als Naßreis (mit künstlicher Bewässerung oder Überstauung von natürlichen Gewässern in Niederungen) oder als Trockenreis (abhängig von Regenfällen) angebaut.

Bei den gepa-Reissorten handelt es sich um Trockenreis. Ein großer Teil der Kleinbauern, die diesen Reis anbauen, arbeitet mit Methoden der sogenannten "Permakultur". So wird der Boden weder gepflügt noch bewässert; nach der Ernte schützt eine Mulchschicht aus Reisstroh die neue Aussaat und hält die Feuchtigkeit im Boden. Der Nährwert von Reis hängt vor allem vom Verarbeitungsgrad ab.

Vollreis enthält mehr Vitamine sowie Mineral- und Ballaststoffe als polierter weißer Reis, da hier noch das Silberhäutchen erhalten bleibt.

 

Quinua - das Wunderkorn der Inkas

Quinua, auch das "Wunderkorn der Inkas" genannt, ist eine uralte Kulturpflanze des Andenraumes und bis heute ein wichtiges Grundnahrungsmittel für die dort lebenden indianischen Kleinbauern.

Botanisch ist Quinua kein Getreide, sondern ein Reismeldengewächs. Die Pflanze wird bis zu 2,50 Meter hoch; ihre Blätter können wie Spinat verwendet werden. Die kleinen, hirseähnlichen Körner sind die Samen der Pflanze. Sie werden nach der Ernte in einfachen Entseifungsmaschinen von der bitteren Saponinschicht befreit, mehrmals gewaschen, in der Sonne getrocknet und vor dem Verpacken nochmals verlesen.

Quinua hat einen hohen Anteil an essentiellen Aminosäuren, Mineralstoffen, Spurenelementen und Eiweiß (13,81 g auf 100 g Quinua), wobei letzteres besonders günstig zusammengesetzt ist und tierisches Eiweiß fast vollständig ersetzen kann. Auch in der Diätküche ist Quinua einsetzbar, da es kein Gluten enthält.

 

 

Unser Reissortiment und Quinua (Auswahl)

 

Bio Basmati-Reis , 500 g

☺ Diese traditionelle Reissorte stammt aus der Region Dehra Dun, einer der wenigen ursprünglichen und anerkannten Basmati-Herkünfte im Norden Indiens
☺ der Reis ist nicht gentechnisch verändert, durch die entsprechende Deklaration soll auch Bewusstsein für die Problematik von gentechnisch veränderten Lebensmitteln auf dem Markt geschaffen werden
☺ Unterstützung der Arbeit der indischen Kleinbauernorganisation Navdanya für den Erhalt der traditionellen Sorten
☺ Kochzeit etwa 20 min
Handeslpartner: Navdanya / Indien

 

Hom Mali Reis

500 g Duftreis aus Thailand
Original-Duftreis aus Thailand, ungeschält mit vielen wertvollen Vitaminen wie B1, B6, und E, aus Bio-Anbau und ohne Gentechnik
☺wohlschmeckend, duftend
☺ der Reis ist nicht gentechnisch verändert, durch die entsprechende Deklaration soll auch Bewusstsein
für die Problematik von gentechnisch veränderten Lebensmitteln auf dem Markt geschaffen werden
☺ Unterstützung von Kleinbauern und der Initiative Green Net, die gegen das Patentieren von traditionellen Sorten kämpft
☺ Kochzeit etwa 20 min, Produktzutaten: ungeschliffener Langkornreis
Handelspartner: GreenNet / Thailand

                                    

Roter Bio Quinua, 500 g

Besonderheiten auf einen Blick:
☺ Weltladen Exklusiv Produkt
☺ glutenfrei, nussiger Geschmack
☺ aus ökologischem Anbau
☺ mild nussig
☺ Beilage zu allen Gemüse- und Fleischgerichten, auch in würzigen Eintöpfen vorzüglich

Handelspartner: Anapqui / Bolivien

 

 

(ohne Bild) Bio Quinua, 500 g
"Das Korn der Inkas" mild und nussig aus dem Hochland der Anden
Handelspartner: Anapqui / Bolivien

 

 

Unsere Handelspartner                 ►►   Indien    Thailand    Bolivien

 

Navdanya, Indien
 

Das Land in Stichworten

Indien ist mit 3,3 Millionen Quadratkilometern so groß wie Westeuropa. Der Subkontinent weist große landschaftliche und klimatische Unterschiede auf, fruchtbares Schwemmland am Ganges, Wüsten - und Trockengebiete im Westen und in Zentralindien und tropische Regenwälder im Osten und Süden. In den meisten Landesteilen ist das Klima vom Monsun bestimmt, in der Himalayaregion herrscht ein subpolares Klima. Die Handelspartner befinden sich überwiegend in Nordindien, unter anderem in den Bundesstaaten Uttar Pradesh, Westbengalen (inklusive Darjeeling und Assam) und in Kaschmir. In Südindien sind sie hauptsächlich in den Bundesstaaten Andhra Pradesh, Tamil Nadu und Kerala zu finden.

Indien hat mit mehr als einer Milliarde Einwohnerinnen und Einwohner die zweitgrößte Bevölkerung der Welt. Der Großteil der Bevölkerung lebt nach wie vor auf dem Land. Die Landwirtschaft trägt rund ein Drittel zum Sozialprodukt bei und ein Viertel zu den Exporten, zum Beispiel Tee, Baumwolle, Pflanzenöl und Ölsaaten. Die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe ist kleiner als ein Hektar. Für diese Produzenten ist ein Zusatzeinkommen durch Handwerk und den Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte absolut notwendig. Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist unterbeschäftigt und lebt unterhalb des Existenzminimums.

Die Organisation

Die Navdanya-Stiftung in Dehra Dun unterstützt indische Bauern beim Anbau und bei der Vermarktung von Basmati-Reis. Die 1991 von der Trägerin des alternativen Nobelpreises Dr. Vandana Shiva gegründete Organisation setzt sich für den Erhalt traditioneller Reissorten und damit für die Bewahrung der Artenvielfalt ein. Deshalb heißt die Organisation "Navdanya", denn der Name heißt in der indischen Amtssprache Hindi "Neun Samen".
Navdanya engagiert sich darüber hinaus weltweit gegen die genetische Veränderung von Saatgut und Pflanzen. Ebenso fordert die indische Organisation ein Verbot der Patentierung von lebenden Organismen wie zum Beispiel Pflanzen. Die landesweiten Proteste gegen die Patentierung eines "Basmati made in USA" (Kreuzung verschiedener asiatischer Basmati-Reissorten mit einer amerikanischen Reissorte) wurde in Indien wesentlich von Navdanya-Mitgliedern organisiert und getragen. Bei der Patentierung in den USA spielte es Mitte der 90er-Jahre keine Rolle, dass die Bauern seit vielen Generationen Basmati-Reis in Indien anbauen und das Land, neben Pakistan, als die Heimat dieser erlesenen Reissorte gilt. Dies alles nennt Vandana Shiva von Navdanya zurecht "Bio-Piraterie" und fordert zum Beispiel von der Welthandelsorganisation (WTO) und der Europäischen Gemeinschaft Regelungen, die dies nicht zulassen.
Navdanya unterstützt zum Beispiel konkret Kleinbauern in verschiedenen Regionen Indiens dabei, eigene Saatgutbanken anzulegen, in denen die traditionellen Sorten aufbewahrt werden, die den jeweiligen klimatischen Bedingungen am besten entsprechen.
Doch der Ansatz von Navdanya geht noch weiter: Sie fordern eine " Lebendige Demokratie" in ihrem Land. Dabei knüpft Navdanya an die indische Tradition der Dorfräte an, die alle Fragen des Gemeinwesens geregelt haben. Dazu gehört ebenfalls, dass in der Gemeinde selbst entschieden wird, welches Saatgut bis zur nächsten Aussaat aufgehoben wird, und nicht das Saatgutunternehmen das Sagen hat. Inzwischen sind einige dieser Firmen dazu übergegangen, teils Saatgut zu verkaufen, das nur einmal keimt und nicht zur erneuten Aussaat geeignet ist. Dies widerspricht der Praxis und dem Selbstbestimmungsrecht der Bäuerinnen und Bauern.
Für die Bewahrung der Artenvielfalt in der Landwirtschaft spielen die Frauen für Navdanya eine zentrale Rolle. Denn wie in vielen asiatischen Ländern bewahren die Frauen auch in Indien üblicherweise die Samenkörner auf, die im nächsten Jahr ausgesät werden.
Die Navdanya-Stiftung praktiziert ebenfalls Alternativen zur herkömmlichen Vermarktung des Reises im In- und Ausland. So betreibt Navdanya einen eigenen Laden in der indischen Hauptstadt Neu Delhi, in denen die Produkte der Mitgliedsbauern angeboten werden. Sowohl indische Konsumenten als auch Produzenten sind Mitglied der Navdanya-Stiftung. Außerdem vermarkten sie ihren Reis im Ausland über den Fairen Handel.

Die Produzenten

Angebaut wird der Basmati-Reis von Bäuerinnen und Bauern im Tal von Dehra Dun. Die gleichnamige Stadt liegt im Norden Indiens, etwa 400 Kilometer von der Hauptstadt Neu-Delhi entfernt. Rund 20 000 Bauern haben sich landesweit inzwischen der Navdanya-Stiftung angeschlossen, davon mehr als 200 in Dehra Dun selbst, die Basmati-Reis anbauen. Von der dortigen Navdanya-Versuchsfarm erhalten die Bauern das Saatgut, bis zu fünf Kilogramm kostenlos, wenn sie nach der Ernte die gleiche Menge an Navdanya zurück oder an drei Bauern in der Nachbarschaft weiter geben. Die Bauern haben kleine Parzellen, auf denen die Familien Reis anbauen. Dies ist eine sehr harte Arbeit: von der Aussaat bis zur Ernte. Ende Mai säen die Bauern den Reis aus. Danach wässern sie das Feld, bis der Monsun Ende Juni oder Anfang Juli in Dehra Dun einsetzt. Wenn der Monsun pünktlich kommt, dann werden die inzwischen 30 Zentimeter großen Reispflanzen spätestens Anfang Juli von den Frauen per Hand versetzt. Davor pflügen die Männer das Feld mit dem Ochsengespann. Geerntet wird der Basmati-Reis schließlich im November, von Hand mit der Sichel.

Porträt einer Bäuerin

"Navdanya bezahlt mir 19 Rupees pro Kilogramm Paddyreis (Rohreis mit Strohhülle). Die Preise, die die Basmati-Händler zahlen, sind niedriger. Von den 800 Kilogramm Paddyreis, die ich an Navdanya verkauft habe, konnte ich einen Ochsen anschaffen und eine Maschine, um das Viehfutter zu zerkleinern. Zudem fiel es mir leichter, das Schulgeld für meine Kinder zu bezahlen. Und für das nächste Jahr bekomme ich von Navdanya besonders gutes Saatgut."
So berichtet die Bäuerin Kamlesh Devi von ihrer Zusammenarbeit mit der Navdanya-Stiftung in Dehra Dun. Sie bearbeitet überwiegend alleine drei Hektar Land. Dabei helfen der Bäuerin nach der Schule ihre vier Kinder. Denn Kamlash Devis Mann ist in die Stadt gegangen, um dort zu arbeiten. Auf das zusätzliche Geld ist die Familie bisher dringend angewiesen, vor allem in der Zeit zwischen den Reisernten. Daneben baut Kamlesh Devi auf ihren Feldern Zuckerrohr, Hafer, Senfsamen und verschiedene Gemüsesorten an. "Niemals mehr verwende ich chemischen Dünger, auch wenn ich noch Mist zukaufen muss, weil ich nicht genügend Vieh habe. Meine Ernten sind besser ausgefallen, seitdem ich auf chemischen Dünger verzichte", so Kamlesh Devi.

Produktion und Vermarktung

Als "Königin des Duftes" wird der Basmati-Reis in seiner indischen Heimat bezeichnet. Der gepa Basmati-Reis ist eine Spezialität für Feinschmecker. In Indien erzielt der Basmati-Reis aus Dehra Dun die höchsten Preise, weil er dort zu speziellen Gerichten verwendet oder zu Festessen sehr geschätzt wird.
Der gepa Basmati ist "teilgeschliffen", das heißt nach dem Dreschen der Reisgarben werden die Körner in einem Mörser gestampft und damit geschliffen. Dabei wird das Silberhäutchen, das den Mehlkörper umschließt, nur teilweise entfernt. Zwar sind in dem Häutchen Mineralstoffe und Vitamine enthalten, die im teilgeschliffenen Reis nicht mehr vollständig enthalten sind. Doch zugleich wird der Reis durch das teilweise Entfernen des Silberhäutchens haltbarer, da so dem Reis Fett entzogen wird, das nicht mehr ranzig werden kann. So ist der gepa Basmati "teilgeschliffen" ein guter Kompromiss zum weißen Reis, er ist lagerfähiger als Naturreis und ein Teil der wichtigen Stoffe bleibt erhalten. Zudem duftet der Basmati-Reis erst nach dem Schleifen. Mit dem Export des Basmati-Reises hat Navdanya die Firma Celestia beauftragt, da Navdanya als Stiftung in Indien keine Exportgenehmigung erhält. Die gepa bietet seit 1999 Basmati-Reis von der Navdanya-Stiftung in Deutschland an.

Green Net, Thailand

Das Land in Stichworten

Das Wort "Thailand" bedeutet "das freie Land". Das Königreich hat keine koloniale Vergangenheit, der Preis dafür waren allerdings Gebietsabgaben und ungleiche Verträge mit den angrenzenden Kolonialmächten. Thailand wurde zum Reislieferanten für die angrenzenden auf Exportkulturen ausgerichteten Kolonien. Bereits im 19. Jahrhundert wurde mit dem Aufbau eines Gesundheits - und Bildungssystems nach westlichem Muster begonnen. Daraus resultiert zum Beispiel eine geringe Analphabetenrate. Machtkämpfe zwischen den konkurrierenden gesellschaftlichen Gruppen (Streitkräfte, Finanzkapital, etc.) sind charakteristisch für das Land, Regierungsstürze und Wechsel an der Tagesordnung.

Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Thaivölkern. Der Hinajana-Buddhismus ist die Staatsreligion. Eine große Rolle spielen die buddhistischen Klöster und Lebensregeln. Die Ebene des Mae Nam Chao Phraya ist die Reiskammer Thailands. In höheren Lagen gedeihen unter anderem Mais, Maniok und Zuckerrohr. Aus dem Süden und Südosten stammen Kautschuk und Zinn. Der Urbanisierungsgrad Thailands ist relativ gering, die Bevölkerung lebt überwiegend auf dem Land. Die Landwirtschaft ist kleinbäuerlich strukturiert, mehr als die Hälfte der Betriebe sind kleiner als sechs Hektar. Der Export von Nahrungsmitteln ist für das Land wichtig, für Holz existiert ein Exportverbot. Die wichtigste Devisenquelle ist allerdings der Tourismus. Das Land zeichnet sich durch ein hohes Wirtschaftswachstum aus (Textil - und Bekleidungsindustrie, Elektroindustrie etc.) und kann zu den Schwellenländern gezählt werden.

Die Organisation
Green Net ist eine thailändische Nichtregierungsorganisation (NRO), die die Vermarktung von Produkten der Kleinbauern auf dem Binnen - und Exportmarkt übernimmt. Sie arbeitet eng mit Kleinbauernorganisationen im Nordosten des Landes zusammen, auch Isan genannt. Die Region gehört zu den ärmsten Thailands, was vor allem auf drei Faktoren zurückzuführen ist: unregelmäßige Regenfälle, geringe Bodenfruchtbarkeit und eine hohe Verschuldung der meisten Kleinbauernfamilien. In den 70er Jahren versuchte der Staat, die Bauern in Kooperativen zusammenzuschließen. Viele dieser Genossenschaften scheiterten jedoch an den Organisationsstrukturen sowie der Korruption von Regierungsbeamten und lokalen Würdenträgern, gegen die niemand vorzugehen wagte. Zurück blieben die Schulden, die auf vielen Dörfern lasten.
Nach dem Scheitern der staatlich initiierten Kooperativen begannen verstärkt NROs auf diesem Feld zu arbeiten. Sie förderten die Gründung beziehungsweise Festigung von lokalen und regionalen Bauernorganisationen. Hauptziel ist dabei die Förderung der Produktion und Vermarktung von Agrarprodukten, um den Produzenten die Reduzierung der Schulden und schrittweise Verbesserung ihres Einkommens zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund bildete sich 1985 zum Beispiel die lokale Hilfsorganisation "Surin Farmers Support", mit deren Hilfe das Reisprojekt begonnen worden ist. Später kamen weitere Bauernorganisationen dazu, gerade in der Nachbarprovinz Yasothorn. Die schweizerische Fairhandelsorganisation claro hatte bereits 1989 Kontakt zu der thailändischen Organisation aufgenommen. Die gepa arbeitet seit 1994 mit Green Net zusammen und bezieht von dieser Organisation den Duftreis Hom Mali.
Green Net hat wesentlich zum Aufbau der thailändischen Öko-Zertifizierungsorganisation ACT (Organic Agriculture Certification Thailand) beigetragen, die die Bauern direkt vor Ort beraten und überprüfen kann. Die Vorteile liegen auf der Hand: das Wissen und die Erfahrung kann vor Ort leichter von anderen Bauern abgerufen werden, als wenn die Fachleute aus Europa kommen. Außerdem sinken die Kosten für eine Öko-Zertifizierung. Denn thailändische Experten sind für die Bauerngruppen günstiger als europäische Fachkräfte, die zur Überprüfung der Reisfelder von weit her anreisen müssen. Die Entscheidung der Europäischen Behörde, ob der von ACT in Thailand zertifizierte Reis auch in Europa als Bio-Produkt ausgelobt werden darf, steht zur Zeit noch aus. Dazu muß Green Net eine Fülle von Unterlagen nach Europa schicken, nicht immer ganz einfach für eine thailändische Organisation.
 

Die Produzenten

Green Net fördert eine tragfähige Landwirtschaft, wie sie vor der agrarindustriellen "Grünen Revolution" traditionell praktiziert worden ist. Dazu gehört der chemiefreie Anbau und die Verwendung von traditionellen Reissorten, die nicht gentechnisch verändert wurden und wesentlich robuster sind als die neu eingeführten Arten. Der Thai-Reis stammt von organisierten Kleinbauerngruppen aus den beiden Provinzen Surin und Yasothorn im Nordosten Thailands. Etwa 1.300 Kleinbauern sind Mitglieder dieser Gruppen.
In 22 Dörfern der Provinz Surin bauen circa 243 Kleinbauernfamilien Reis und andere Agrarprodukte chemiefrei an. Etwa 100 Bauern in Surin arbeiten mit den Methoden der sogenannten Permakultur. Der Boden wird weder gepflügt noch bewässert, nach der Ernte schützt eine Mulchschicht aus Reisstroh die neue Aussaat und hält die Feuchtigkeit im Boden. Es werden ebenfalls keine Agrarchemikalien eingesetzt. Außerdem werden Fische gezüchtet und Enten gehalten. Der Nordosten ist noch stark von kleinbäuerlicher Produktion geprägt, Großgrundbesitz ist eher die Ausnahme. Jede Dorfgemeinde zählt mehrere Weiler und verfügt über eine Schule und ein Gesundheitszentrum. Im Ort Samrong, circa zehn Kilometer von der Stadt Surin entfernt, wurde 1981 eine Bauernkooperative gegründet. Von den 140 in Samrong lebenden Familien haben sich 100 Familien der Kooperative angeschlossen. Sie haben eine gemeinsame Reisbank gegründet, eine Sparkasse und verfügen über einen Dorfladen. Der Reis wird hauptsächlich in der Mühle von Korko verarbeitet, die einem Mitglied einer Produzentenorganisation gehört. Junge Bäuerinnen aus der Umgebung verpacken den Reis zu ortsüblichen Löhnen in kleinere und größere Gebinde.
In der Provinz Yasothorn wurde 1996 eine Bauerngruppe mit inzwischen etwa 925 Mitgliedern gegründet. Die Produzenten bauen ebenfalls chemiefrei an, vor allem Hom Mali. Die "Nature Care Rice Mill", in der der Reis verarbeitet wird, ist zu 58 Prozent im Besitz der Bauern und der Rest gehört Konsumenten aus Bangkok, die Green Net-Mitglieder sind.
 

Porträt einer Bäuerin

Poy ist 56 Jahre alt und besitzt zusammen mit ihrem Mann sechs Rai Land (etwa ein Hektar). Sie pflanzen zur Zeit besonders "Mali Deng" an, eine lokale rote Jasminreissorte. Im letzten Jahr war die Nachfrage in Thailand nach "Mali Deng" besonders hoch, so dass sie mit dem Verkauf der roten Sorte einen besseren Preis erzielen konnte. Da noch mehr Bauern auf diese Idee gekommen sind, wird in diesem Jahr der Preis für weißen und roten Jasminreis nahezu identisch sein. Zur Familie von Poy gehören insgesamt zehn Personen, neben dem Mann auch der Vater, ihre Kinder und Enkelkinder.
Poy ist eine überzeugte Anhängerin der ökologischen Landwirtschaft. "Ich begann mit dem ökologischen Anbau vor fünf Jahren. Ich muß mehr und härter arbeiten, als wenn wir immer noch konventionell anbauen würden. Aber dafür ist die konventionelle Methode viel teurer als der ökologische Anbau, das heißt die Produktionskosten sind deutlich höher. Du mußt viel Geld in die chemischen Düngemittel und weitere Agrarchemikalien stecken. Und die Erträge sind nicht höher. Also, wenn Du beides vergleichst, dann ist die ökologische Produktion die beste Wahl", sagt die thailändische Bäuerin Poy.
 

Produktion und Vermarktung
Der Reis, botanisch Oryza sativa L., gehört zur Familie der Gräser. Sein Name geht auf den tamilischen Ausdruck "Arisi" zurück und verweist auf seine ursprüngliche Heimat Südasien. Heute gibt es weltweit Tausende Reissorten, die Angaben bewegen sich zwischen 10.000 und weit über 100.000 Sorten. Hom Mali ("Weiße Blume") wird der erstklassige Duftreis aus dem Nordosten Thailands genannt. Der Reis duftet nach Jasminblüten, daher der Name. Der Reis ist nicht künstlich parfümiert, es handelt sich um das natürliche Aroma. Hom-Mali wird sowohl als weißer (geschälter und polierter) Reis als auch als Vollwertreis angeboten. Bei letzterem sind die Nährstoffe vollständig erhalten, aber Vollwertreis läßt sich aufgrund des Fettgehalts nicht so lange lagern wie polierter Reis.
Reis bot sich als Verkaufsprodukt an, da er schon von jeher von den Bäuerinnen und Bauern zur Selbstversorgung angebaut wird. Zunächst wurden die Überschüsse nur lokal vermarktet, was jedoch nicht genügend Erlöse einbrachte, um notwendige Investitionen unter anderem für die Verarbeitung zu finanzieren. Der Export ist auch deshalb sinnvoll, damit größere Mengen von chemie- und gentechnikfrei angebautem Reis abgesetzt werden können. Mit Hilfe der Erlöse aus dem Export an die europäischen Fairhandelsorganisationen war es Green Net möglich, ein Netz von 40 Naturkostläden aufzubauen. So können Konsumentinnen und Konsumenten heute in Thailand Bioprodukte in diesen Länden kaufen.
1/2000


Anapqui, Bolivien

Das Land in Stichworten

Bolivien hat eine Fläche von 1.098.581 km2, die in drei topographische und klimatische Großräume unterteilt ist: das Hochland, die Tiefebene und die Täler der Anden (Yungas). Die Mehrheit der Bevölkerung ist indianischer Herkunft, 30 % sind Mestizen und 14 % Weiße. Wie in anderen Ländern Lateinamerikas wurde auch in Bolivien die Volkswirtschaft seit 1985 weitgehend liberalisiert. Die Stabilisierungserfolge wurden mit enormen sozialen Kosten erkauft. So liegt die Lebenserwartung der Bevölkerung bei 58 Jahren (bei Minenarbeitern nur bei 30 Jahren), die Analphabetenrate beträgt im ländlichen Raum 47 %, zwei Drittel der Analphabeten sind Frauen. 80 % der ländlichen Bevölkerung leben heute unterhalb der Armutsgrenze, die informelle Ökonomie hat dramatisch zugenommen. Zudem hat sich die Kokainwirtschaft zu einem "strategischen" Sektor der Volkswirtschaft entwickelt. Bolivien zählt heute zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas.
 

Die Organisation (Asociación Nacional de Productores de Quinua)

ANAPQUI wurde im Dezember 1983 als nationaler Zusammenschluss von Quinuaproduzenten gegründet. Die Initiative dazu ging von vier regionalen Produzentenorganisationen aus; inzwischen ist die Zahl der unter dem æDachÆ von ANAPQUI zusammen geschlossenen Organisationen auf sieben angewachsen. Ziel der Organisation ist die bessere Verarbeitung (Entbitterung) und Vermarktung der Quinua sowie die Organisierung der Kleinbauern. Zu den Serviceangeboten gehören außerdem Anbauberatung (insbesondere in ökologischem Anbau), Kurse in Verwaltung und Buchhaltung sowie die Vergabe von Stipendien für landwirtschaftliche Studien. Sitz der Verwaltung ist La Paz, die zentrale Entbitterungsanlage und das Lager befinden sich in Challapata, die Regionalorganisationen haben ihren Sitz bei den jeweiligen Entbitterungsanlagen in den Dörfern Challuma, Irpani, Llica und Julaca. Jedem Regionalverband steht ein sechsköpfiges gewähltes Direktorium vor. Auch die Dachorganisation ANAPQUI hat ein Direktorium, dessen Mitglieder von den Teilnehmern eines in zweijährigem Abstand stattfindenden "congreso nacional" gewählt werden. Diese Kongresse sind sowohl für die Regionalverbände als auch für die Dachorganisation das oberste Entscheidungsgremium; ihre Beschlüsse sind für das Direktorium während seiner Amtszeit bindend. Zwischen den Kongressen finden regionale und nationale Vollversammlungen statt; das Direktorium wird in seiner laufenden Arbeit außerdem von einem beratenden Ausschuss begleitet und unterstützt.
 

Die Produzenten

Anbaugebiet der alten andinen Kulturpflanze Quinua ist das südliche Hochland, das Altiplano Boliviens. Hier leben etwa 4000 Familien in 120 abgelegenen, weit voneinander entfernten Gemeinden. Die fast ausschließlich indianische Bevölkerung hat als Muttersprache Aymara oder Quechua; insbesondere von Männern wird aber auch Spanisch gesprochen. Die durchschnittliche Analphabetenrate liegt bei 30 %. Das Leben im Hochland ist hart: Bedingt durch die große Höhe, die eher kargen Böden und das rauhe Klima mit zeitigen Frosteinbrüchen ist eine landwirtschaftliche Nutzung nur sehr eingeschränkt möglich; als Nutztiere eignen sich lediglich Schafe und Alpakas bzw. Lamas. Die im Rahmen der "grünen Revolution" in den 60er Jahren eingeführte mechanische Bodenbearbeitung hat, zusammen mit der Überweidung, zusätzlich zu erheblichen ökologischen Problemen in der Region geführt. Quinua gehört zu den wenigen Pflanzen, die anspruchslos genug sind, um in diesem Klima zu gedeihen. Früher verließen jedoch viele Bauernfamilien ihre Felder und stellten die Quinuaproduktion ein, da dieses traditionelle Grundnahrungsmittel gegenüber dem billigen, als "Nahrungsmittelhilfe" importierten Weizen nicht mehr konkurrenzfährig war. Seit Beginn der 80er Jahre wurde - bedingt durch das Interesse aus dem Ausland - der Quinuaanbau wieder wichtiger. Über ANAPQUI können die Bauern einen besseren Preis erzielen, der nicht den üblichen Marktschwankungen unterliegt. 1994 hat die Organisation damit begonnen, die Mitgliedschaft zu formalisieren. Die Produzenten können sich gegen Zahlung eines halben Quintals Quinua (ein Quintal entspricht 46 kg) in der jeweiligen Regionalorganisation einschreiben lassen. Rund 800 Bauern sind bisher dieser Aufforderung gefolgt. Der von ANAPQUI erzielte Gewinn wird einmal jährlich nach folgendem Schema ausgeschüttet: 50 % für die Dachorganisation, 25 % für die Regionalorganisation und 25 % für die Mitglieder, entsprechend ihren Verkäufen an ANAPQUI.
 

Produktion und Vermarktung

ANAPQUI misst dem ökologischen Anbau große Bedeutung bei; er spielt auch im landwirtschaftlichen Beratungs- und Ausbildungsprogramm eine wichtige Rolle. 1992 konnte erstmals Bio-Quinua an die gepa exportiert werden. Den Anfang bei der Umstellung auf ökologische Produktion hatten Dorfgemeinschaften gemacht, in denen die traditionelle angepasste Produktionsweise noch am besten erhalten war. Die positiven Erfahrungen waren für viele andere Dörfer ein Anreiz, ebenfalls auf ökologische Produktion umzustellen. Für die Produzenten bedeutet das nicht nur einen noch besseren Preis, sondern gleichzeitig eine langfristige Stabilisierung der Bodenfruchtbarkeit und damit insgesamt bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Mit dem Betrieb der Entbitterungsanlagen (in ihnen wird die saponinhaltige Schale von den Körnern gelöst) sowie der Verpackung in Kartonage für den Direktverkauf an die Konsumenten werden zusätzliche Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten geschaffen. Außerdem ist ANAPQUI sehr aktiv in der Entwicklung von weiter verarbeiteten Quinua-Produkten, wie Nudeln, Pop-Quinua und Quinua-Müsli, was ebenfalls Arbeitsplätze in der Region schafft bzw. sichert. Wichtigste Kunden sind eine US-amerikanische Quinua-Gesellschaft und die europäischen Fair-Handelsorganisationen. Der Absatz im Inland soll durch ein eigenes Verkaufslager in La Paz gefördert werden.
Stand 1997

 

 

 

Wissenswertes über Reis

 

Reis - Nahrung der Menschheit

 

 

 

Zur Zeit ist die weltweite Reisknappheit ein Thema in den Nachrichten. Vor diesem Hintergrund hat GEPA kritisch hinterfragt, ob es weiterhin verantwortbar ist, im Fairen Handel Reis zu importieren. Eine Interview mit GEPA- Geschäftsführer Tom Speck im Deutschlandradio zu diesem Thema können Sie hier nachlesen.Die Rückmeldungen der Handelspartner in Indien und Thailand ergaben ein eindeutiges Bild: sie sind der Ansicht, dass wir im Fairen Handel weiterhin Reis verkaufen sollten. Aus diesem Grund wird GEPA weiterhin mit fair gehandeltem Reis arbeiten. Nähere Informationen hierzu finden Sie auch im Hintergrundinfo, das Sie in der Download-Liste herunterladen können.

 

Die Ursprünge des Reisanbaus

Reis ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Die Reispflanze gehört der Grasgattung "oryza" an. Die alten Veden, die heiligen Schriften der Hindus sprechen von 500.000 Reissorten. Diese enorme Sortenvielfalt geht auf die lange Kulturgeschichte des Reises zurück. Die Pflanze, die äußerlich am ehesten mit dem Hafer zu vergleichen ist, hat ihren Ursprung im Monsunklima der feuchtheißen Tropen des südostasiatischen Raumes. Früheste archäologische Funde, die Reisanbau nachweisen, wurden im Yangzi-Delta gemacht, in Südost-China. Bereits 5000 v.Chr. wurde dort Reis kultiviert. Er hat sich jedoch im Laufe der Jahrtausende über alle Kontinente ausgebreitet. Man kann anhand dieser Verbreitung Wanderungen, Eroberungsfeldzüge und den Handel vieler Völker nachvollziehen.
 

 

 

 

Reis: Tradition und Mythos

Reis kommt in den Mythen und Erzählungen aller asiatischen Völker vor und hat das Denken und Handeln ganzer Kulturen geprägt. Reis gilt in Asien als heilig und muss mit größter Sorgfalt behandelt werden. In nahezu allen asiatischen Kulturen gibt es den Mythos vom Verschwinden der "Reismutter" und ihrer Wiederkehr. Beispielsweise halten die Bauern beim Verkauf ihrer Ernte in einer Handvoll Reis die "Reisseele" zurück, um im nächsten Jahr wieder eine gute Ernte zu haben. Zahlreiche Riten begleiten den gesamten Reisanbau und drücken so die Ehrfurcht der Menschen vor der Gottesgabe Reis aus. Wichtigster Ritus sind die Erntedankfeste, z. B. das Pongalfest in Südindien, das im Januar gefeiert wird. 

Die große Bedeutung des Reises in Asien spiegelt sich auch in der Sprache wider. Die Worte für "essen" und "Reis essen" sind in den meisten asiatischen Sprachen identisch. Daneben gibt es beispielsweise in Südindien 30 verschiedene Wörter für Reis, je nach Zusammenhang.

 

 

Reisanbau - aufwändige Arbeit für viele Hände

 

Reis wächst fast überall. Als Tiefwasserreis gedeiht er in den Flussbänken Bangladeschs, er wächst an den Steilhängen Borneos, in Nepal bis zu einer Höhe von 2 750 m und in den Trockengebieten Afrikas. Im Zuge seiner natürlichen Anpassungsfähigkeit entstanden tausende von Sorten. So vielfältig wie die Anbaugebiete sind die Anbaumethoden. Die häufigste ist allerdings der Nassreisanbau (80 % der Anbaufläche), denn Reis liebt vor allem warme Temperaturen, reichlich Wasser und eine hohe Luftfeuchtigkeit.
Bei traditioneller Anbaumethode kann Reis über tausende von Jahren auf der gleichen Fläche und ohne Bodendüngung angebaut werden, denn als Sumpfpflanze nimmt er seine Nährstoffe aus dem stehenden Wasser. Ideal dafür ist der Terassenanbau. 
Vor der Aussaat wird der Boden zur Lockerung drei mal gepflügt, traditionell mit Wasserbüffeln, Kühen oder Ochsen. Die im Saatbeet vorgezogenen Reispflanzen werden nach ca. einem Monat von Hand in ein zweites Feld umgesetzt. Auch das ständige Jäten und das Instandhalten der Bewässerungsanlage ist mühevolle Handarbeit. 
Drei bis sechs Monate später, wenn das Korn reif ist, werden die Felder trockengelegt, die Ähren mit der Sichel geschnitten, gebündelt und zum Dreschen gebracht. Neben dem immer noch üblichen Dreschen per Hand oder mit dem Ochsen werden heute auch vermehrt dreschmaschinen eingesetzt. Der Bauer bezahlt dann für das Dreschen mit einem Teil seiner Ernte. 
Die Reispflanze besteht aus einem 50 cm bis 130 cm langen Halm, an dem 30 cm bis 50 cm lange Rispen wachsen. Jede Rispe trägt 150 bis 300 Reiskörner. Jedes einzelne Reiskorn bringt also einen Ertrag von 1000 bis 3000 Körnern!
 

Reis ist nicht gleich Reis

 

Wenn der Reis gedroschen ist, nennt man ihn "Paddyreis" oder ""Rohreis". Der Reishandel erfolgt meist mit Paddyreis, da er mit den geringsten Einfuhrzöllen belegt ist. 

GEPA allerdings läßt den Reis im Erzeugerland weiterverarbeiten und nimmt die höheren Einfuhrzölle in Kauf. Mit dieser grundlegenden Strategie sorgt GEPA dafür, dass die Reisproduzenten an der Wertschöpfung ihrer Produkte teilhaben können. In Deutschland wird der GEPA Reis nur gereinigt und in 500g Tüten abgepackt. 

Damit Reis eßbar ist, muss er in der Reismühle entspelzt werden. Nun haben wir den sogenannten "Braunen Reis" oder "Vollreis". Er ist besonders gesund. Trotzdem wird danach meist noch die "Silberhaut" abgeschliffen und der Reis poliert, bis er ganz weiß ist. Weißer Reis gilt besonders in Asien als edler und schmackhafter als brauner Reis.

 

Reis: "Ernährer der Menschheit"

Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung isst hauptsächlich Reis. Jedes Land hat hierbei seine eigenen Vorlieben und Spezialitäten entwickelt. In südostasiatischen Ländern schätzen die Menschen vor allem den Klebreis, in Indien liebt man den Reis, wie auch in Europa und Amerika, eher körnig und locker. Entsprechend der Vorlieben haben die Bauern viele verschiedene Reissorten entwickelt. Grob unterteilt man Reis in Langkorn, Mittelkorn und Rundkorn-Reis.

 

Langkorn-Duftreis

Beispiel: GEPA Hom Mali Duftreis (Thailand), GEPA Basmati Reis (Indien)

Die fruchtbaren, stark mineralhaltigen Böden in Thailand und im Norden Indiens geben dem Duftreis ein gewürzähnliches Aroma. Duftreis ist ein reines Naturprodukt, es wird kein ätherisches Öl zugesetzt. Der indische Basmatireis und auch der thailändische Duftreis kleben beim Kochen nicht zusammen und bleiben körnig. Beide Sorten eigenen sich für Trocken- und Quellreis sowie für exotische und fernöstliche Reisgerichte.

 

 

 

Rundkorn-Klebreis

Beispiel: GEPA Lila Reis (Laos)

Der Klebreis, auch süßer Reis genannt, kommt ursprünglich aus Japan. Das Korn ist gedrungen, rund und zählt zu den erlesensten Reisspezialitäten. Das rohe Korn ist undurchsichtig, durch das Kochen wird es durchsichtig und angegehm weich. Die Körner kleben stark zusammen und sind deshalb ideal für Risotto, Milchreis, Desserts und Aufläufe. In der asiatischen Küche wird der Reis auch für Füllungen, und Gebäck verwendet. Beim "Lila Reis" der GEPA handelt es sich um eine Reismischung aus drei Sorten. Den traditionell angebauten, schwarzen Reis (20%), der beim Kochen alle Körner lila färbt. Die restlichen zwei Sorten sind zum einen weisser Langkornreis, zum anderen weisser Rundkornreis. Dieser sorgt für die klebrige Konsistenz beim Kochen, farblich ist er ein Augen-und Gaumenschmaus für Ihre Reistafel.

 

Rundum gesund

Das Reiskorn ist nach dem Entspelzen noch von einer mehrschichtigen dünnen Schale umgeben, dem Silberhäutchen. Es umschließt den Mehlkern des Reiskorns, an dessen Ende der Keimling sitzt, der die meisten Nährstoffe enthält. Beim GEPA Bio Hom Mali Vollwertreis ist das Silberhäutchen intakt. Wie jeder andere Naturreis, enthält er neben Fetten die Mineralstoffe Natrium, Kalium, Kalzium, Phosphor, Magnesium, Eisen und Fluor, sowie die Vitamine E, B1, B2, Niacin und B6. Vollwertreis ist deshalb wertvoller, allerdings auch weniger lange haltbar. Je weißer der Reis ist, desto weniger Inhaltsstoffe enthält er, jedoch ist er länger haltbar. 

Vollkorn-Reis normalisiert die Verdauung durch seinen hohen Anteil an Faserstoffen. Reisschleim beruhigt den Darm bei Durchfall. Reis enthält viel Stärke, aber wenig Fett. Mit 75 % ist der Anteil an komplexen Kohlehydraten sehr hoch. Da komplexe Kohlehydrate rasch sättigen, vom Stoffwechsel aber nur langsam verarbeitet werden, ist Reis optimal für Schlankheitskuren geeignet. 

Reis zählt zu den allergenarmen Lebensmitteln, ist glutenfrei und purinarm. Reis entschlackt, denn er enthält Glucuronsäure und das dazugehörige Enzym Glucuronidase. Dies wirkt unterstützend bei der Ausscheidung toxischer Stoffe über die Nebennierenrinde. Wohltuend wirkt Reis dadurch auch bei Gelenkbeschwerden. 

Magnesium entspannt bei Übererregbarkeit und mindert Konzentrationsstörungen. Es ist im Reis in hoher Konzentration enthalten, 100g Reis decken bereits die Hälfte des Tagesbedarfs.

 

 

 

 


Reis - Herausforderung für den Fairen Handel

Surian Khumkaew ist eine jener Reisbäuerinnen des Fairen Handels, wie es sie immer zahlreicher gibt: selbstbewusst und engagiert. Sie lebt mit ihrer jungen Familie in einem kleinen Dorf außerhalb des Provinzstädtchens Surin im Nordosten Thailands. Ihr traditionelles Holzhaus steht auf Stelzen, die Küche besteht aus zwei Feuerstellen im Freien. Ihre beiden Kinder auf dem Schoß, erzählt Surian von ihrem Leben: Sie ist schon vor Jahren Mitglied einer lokalen Bauern-Organisation geworden, mit der Green Net für den Fairen Handel zusammenarbeitet. Den Bauernhof hat Surian von ihren Eltern geerbt. Ihr Mann Suchart stammt aus einem anderen Dorf, er wurde nach ihr Mitglied bei Green Net, weil er dort den Biolandbau lernen konnte.

 

Öko? - Logisch!

Für die Kleinbauern in Indien und Thailand ist der Bioanbau eine neue Chance, ihre Lebensqualitaät zu verbessern. Die Produktionskosten können gesenkt werden, die Böden beginnen, sich zu regenerieren und es wird eine differenzierte Nutzung des Bodens möglich, z. B. die Verbindung von Reisanbau mit Fischzucht. Der Faire Handel fördert mit seiner Nachfrage den Anbau und Erhalt traditioneller Reissorten sowie den ökologischen Anbau ganz entscheidend. Über viele Jahre zahlte die GEPA Bio Preise für den Hom Mali "Reis in Umstellung" obwohl der Reis nicht als Bio-Reis in Europa verkauft werden konnte. Dadurch konnte der konventionelle Reisanbau erfolgreich auf Bio umgestellt und gleich eine Zertifizierungsinfrastruktur aufgebaut werden. Inzwischen ist die Organisation ACT (Agricultural Certification Thailand) eine in Europa anerkannte Zertifizierungsorganisation. Die GEPA konnte dieses Jahr ihren kompletten Hom Mali-Reis auf Bio-Reis umstellen. Wieder eine Fair-Trade-Erfolgsstory!

 

Ernährungssouveränität

 

Eines der größten Probleme der Kleinbauern in Entwicklungsländern ist die Verschuldung. Die Bauern leihen sich in Notsituationen Geld von den Zwischenhändlern und begeben sich durch die horrend hohe Schuldverzinsung in deren Abhängigkeit. Diese Schuldenfalle versuchen Bauernorganisationen in Indien und Thailand durch "Reisbanken" zu durchbrechen.

Sin Kothong erinnert sich: "Ich bin Mitglied einer Reisbank im Kaeyay-District. Wir haben mit der Reisbank angefangen, weil wir nicht genug zu essen hatten, obwohl wir Reisproduzenten sind! Wenn jemand Mitglied werden will, muss er 80 Kilo Reis einzahlen. Jedes Mitglied kann nach Bedarf Reis leihen. Am Anfang gab es kein Bargeld in der Bank, nur Reis. Nach einiger Zeit machten wir etwas Gewinn, so dass wir nun auch Bargeld haben. Verschuldung ist ein großes Problem bei uns. Die Bauern leihen sich normalerweise Geld von Zwischenhändlern, die auch den Paddyreis kaufen. Sie leihen für Saatgut, für Chemikalien, Landpacht oder für Dinge des sozialen Lebens. Der Zinssatz ist sehr hoch. Der Zwischenhändler kommt dann nach der Ernte und nimmt den Paddyreis. Manchmal nimmt er die ganze Ernte und alles, was du hast, sogar das Land. Unsere Gemeinschaftsbank hat uns sehr geholfen, unabhängig von den Zwischenhändlern zu werden. Wir sind sehr stolz darauf."

Durch höhere Preise, längerfristige Parnterschaftsbeziehungen und Beratung unterstützt der Faire Handel die Bemühungen der Reisbanken und hilft so, die Ernährungssouveränitat der Kleinbauern zu sichern.

 

 

 

Reisimport nach Europa

Auch im Fall des Agrarproduktes Reis werden in der EU in erster Linie die europäischen Produzenten (z. B. Italien, Frankreich) und die europäischen Verarbeiter geschützt. Wird der Reis als Rohreis, so genannter Paddy-Reis, importiert, fallen die niedrigsten Zölle an. Bezieht GEPA zum Beispiel verarbeiteten Basmatireis aus Indien, der im Land selbst entspelzt und geschliffen wurde, muss sie dafür den doppelten Zollsatz zahlen. GEPA nimmt aber dies im Kauf. Alle GEPA Reissorten werden im Herkunftsland verarbeitet und werden in Deutschland lediglich gereinigt und in 500g durchsichtige handelsüblichen Folienbeutel verpackt. Die 1000g Packungen werden in Surin und Yasothorn in Thailand verarbeitet und verpackt. Die Verarbeitung soll so weit wie möglich im Ursprungsland stattfinden, damit dort mehr Einkommen geschaffen wird - ein wichtiges Element der GEPA-Geschäftsstrategie. Diese grundlegende Politik des Fairen Handels wird aber durch die Agrarpolitik der EU mit ihren Einfuhr Zöllen behindert und bestraft.

 

Ein Patent für Reis

 

 

 

Was hat der Schutz geistigen Eigentums mit dem Jahrtausende alten Getreide zu tun? US-amerikanische Firmen wie z.B. RiceTec versuchen, traditionelle Reissorten wie Basmati gentechnisch so zu verändern, dass sie auch auf amerikansichen Böden gedeihen. Da die Namen der Reissorten nicht geschützt sind, können die Firmen dann Patente auf diese Reissorten erheben, obwohl sie ursprünglich das Produkt jahrhundertelanger Züchtungen der Kleinbauern in den Entwicklungsländern sind. Ähnliche Probleme gibt es auch beim thailändischen Jasminreis. 
Die GEPA Handelspartner in Thailand und Indien leisten schon seit vielen Jahren Aufklärungsarbeit und Widerstand gegen den Versuch, ihre Reissorten in den USA patentieren zu lassen. Der Faire Handel fördert diese Lobbyarbeit mit dem Mehrpreis.

 

 

 

Reis und Gentechnik

Wie kann das Erbgut einer Pflanze so verändert werden, dass sie noch mehr Ertrag bringt und immun gegen häufig auftretende Krankheiten wird? Mit dieser Frage beschäftigen sich Forschungseinrichtungen weltweit. Sie sehen in der Gentechnik eine Lösung zur Bekämpfung des Hungers in der Welt. Ist Gentechnik wirklich notwendig, oder ist der Hunger nicht vielmehr ein 
Problem der gerechten Verteilung von Nahrungsmitteln ? Gentechnik vergrößert noch die Kluft zwischen großen Agrarbetrieben, die sich das teure Saatgut leisten können und den Kleinproduzenten. Alle GEPA Reissorten tragen das BUND - Zeichen "Ohne Gentechnik". 

 

 

Artenvielfalt bedroht

Reis zeichnet sich durch eine ungeheure Sortenvielfalt aus. Bis nach dem 2. Weltkrieg sollen weit mehr als 150000 Sorten existiert haben. Nur etwa 1000 der noch bestehenden 86.000 Sorten gelangen in den Handel, die meisten Arten sind bei uns unbekannt und haben nur lokal einen hohen Stellenwert. 
Es gibt z. B. einen im indischen Madya Pradesh beliebten Reis, der nach Milch schmeckt. Seit durch die"Grüne Revolution" vorrangig nur noch wenige hochgezüchtete Sorten unter massivem Chemieinsatz angbaut werden, ist die Vielfalt des Reises in Gefahr.

"Navdanya", der Name des indischen Handelspartners der GEPA, heißt "Neun Samen". Mit diesem Namen drückt die Organisation aus, dass es ihr um den Erhalt der Sortenvielfalt und des traditionellen Wissens geht. In der Navdanya-Stiftung wurde daher auch eine Sammlung traditioneller Sorten eingerichtet. Die Aufnahme von Lila Reis aus Laos in das GEPA-Sortiment soll zeigen, dass GEPA sich dafür einsetzt, die traditionellen Reissorten zu fördern und dadurch einen Beitrag zur Sicherung der Artenvielfalt leistet.

 

 

 

7 gute Gründe für Reis aus Fairem Handel

 

1. Gerechtigkeit im Welthandel

Faire Preise für Erzeuger statt große Gewinne für Konzerne sichern das Einkommen und die Lebensqualität ausiatischer Kleinbauern.

2. Schutz vor Landflucht

Die Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft sorgt für Arbeitsplätze auf dem Land, den Erhalt der Landschaften, der traditionellen Kultur und des indigenen Wissens Asiens.

3. Ernährungssouveränität

Fair gehandelter Reis von GEPA hilft, die unabhängige Nahrungsmittelproduktion im Süden zu sichern.

4. Nachhaltige Landwirtschaft

Der Faire Handel der GEPA mit Reis unterstützt ökologisch sinnvolle Anbaumethoden und erhält so die Umwelt für kommende Generationen.

5. Keine Gentechnik

Der Verzicht auf gentechnisch manipulierte Reissorten ist ein Schutz der bedrohten Sortenvielfalt und zugleich ein Element in der Unabhängigkeit der Reisbauern von Saatgut-Konzernen aus dem Norden.

6. Lobbyarbeit bei Welthandelsorganisation und EU

GEPA unterstützt die politische Arbeit der Nichtregierungsorganisationen im Kampf um eine gerechte Globalisierung.

7. Fair gehandelter Reis ist gesund und schmeckt hervorragend!